Alles dreht sich ums Wasser: «Zum Glück können wir im Furttal bewässern»

Das Bewässerungsnetzwerk im zürcherischen Furtal ging 2023 in Betrieb. 18 Betriebe, darunter Familie Amacher in Dällikon, haben davon einen Nutzen. Urs Amacher ist im Vorstand der Bewässerungsgenossenschaft und produziert Feldgemüse.

«Dieses Jahr brauchen wir deutlich mehr Wasser als 2025, obwohl es damals auch schon sehr heiss und trocken gewesen ist», sagt Urs Amacher. Er bewirtschaftet in Dänikon ZH einen 45 ha grossen Betrieb und hat sich auf Feldgemüse spezialisiert. Lieber wäre ihm Regen als zu bewässern.

«Das kommt doppelt so gut. Es ist immer besser, wenn es die Natur selbst macht», sagt er. Es sei aber gut, dass er und mit ihm alle 18 Mitglieder der Bewässerungsgenossenschaft Furttal (BGE), darunter fünf grosse Gemüsebaubetriebe, seit 2023 mit Wasser aus der Limmat bewässern könnten.

So funktioniert das Bewässern im Furttal

Das fruchtbare Furttal liegt in der Agglomeration der Stadt Zürich und reicht von der Aargauer Grenze bis nach Regensdorf ZH. Das Bewässerungsnetz ist 2023 in Betrieb gegangen. Die Wasserfassung und das Pumpwerk befinden sich angrenzend an die Limmat auf einer Parzelle der Gemeinde Oetwil a. d. Limmat ZH. Der Fassungsbereich liegt im Staubereich des Limmatkraftwerks und unterliegt nur geringen Schwankungen.

Mit zwei Pumpen wird das Wasser in einen Hochspeicher (Fassungsvermögen 500 m3) auf den Hüttikerberg (435 m ü.M.) befördert. Von dort gelangt es – sozusagen von oben herab – in das 12,6 km lange Leitungsnetz. Das Netz verfügt über 43 Hydranten sowie acht Privatanschlüsse, die mit einem Schieber ausgerüstet sind, welche eine komplette Trennung zwischen dem Genossenschaftsnetz und den privaten Leitungen erlauben.

Das Furttal liegt in der Agglomeration der Stadt Zürich und reicht von der Aargauer Grenze bis nach Regensdorf. Im grossen Stil wird Gemüse angebaut.(Bild: Daniela Clemenz)

Wasserverbrauch wird online überwacht

Urs Amacher fährt den Computer hoch und startet das Überwachungstool. Er sieht, welche Rollomaten laufen und wie hoch der jeweilige Wasserverbrauch der Nutzer ist. «400 m3 pro Stunde haben wir für die Bewässerung zugute», sagt er. Sinkt der Pegel im Hochspeicher unter diese Limite, geht an ihn als Administrator und den Wasserwart ein Alarm und einer der Benutzer muss den Hydranten schliessen. «Das kam erst zweimal vor», sagt er.

Wird es sehr knapp mit dem Bewässerungswasser, müssen die Mitglieder über das BGF-Tool den Wasserbedarf reservieren. «Aber eigentlich kommt man gut aneinander vorbei», findet Amacher und weist mit dem Finger auf das Homepage-Tool der Genossenschafter. «Die roten Punkte sind die Standorte der Wasserzähler. Sie sind mit einem GPS-Tracker versehen und jeder von uns hat zwei», erklärt er. Die orangen, blauen und grünen Punkte stehen für die Hydranten und Festanschlüsse, die in Betrieb sind. Drei Speicherbecken gibt es auch. «Diese sind privat und dürfen nur aufgefüllt werden, wenn wir kein Wasser auf den Feldern benötigen», hält er fest.

Urs Amacher ist im Vorstand der Bewässerungsgenossenschaft und Administrator des webbasierten Netzwerks. Er sieht, wer wie viel Wasser verbraucht.(Bild: Daniela Clemenz)

Bewässerungsquote und Abrechnen mit Akonto-System

«Bevor wir das Bewässerungsnetz in Betrieb genommen haben, hat jedes Mitglied seinen Bedarf an Bewässerungswasser bekanntgegeben. Aufgrund dessen leistet jeder anfangs Jahr eine Akontozahlung», erklärt Urs Amacher das Abrechnungssystem.

Zusätzlich werden 70 Rp./m3 eingezogen. «So kommen wir im Durchschnitt zu einem Wasserpreis zwischen 1 und 1.20 Fr. pro Liter», sagt er. Ihr Ziel ist, dass der Wässerwasserpreis unter dem Preis der Trinkwasserversorgung ist. «So weit sind wir noch nicht ganz, denn wir beginnen, seit den ersten Betriebsjahren Rückstellungen für Amortisation etc. aufzubauen», erklärt er.

Von der Vorstudie bis zur Realisierung

Das Bewässerungsprojekt im Furttal hat eine Vorgeschichte: 2009 trommelte das Amt für Landwirtschaft die Furttaler Bewirtschafter im Zürcher Verwaltungssitz, dem Walcheturm, zusammen und erklärte ihnen, dass es in Zukunft nicht mehr anginge, aus dem Furtbach Wasser zu entnehmen oder Grundwasser für das Bewässern zu verwenden. Die Betriebsleiter schlossen sich zusammen und packten die Projektierung eines Bewässerungsprojekts mit dem Landwirtschaftsamt an. Es brauchte variantenreiche Vorstudien und Projekteingaben, bis ein Generalunternehmen das Projekt von 2020 bis 2022 realisierte.

Das Leitungsnetz durchquert mit dem Aargau und Zürich zwei Kantone, acht Dörfer, verläuft unter Strassen, Gewässern und dem Industriegebiet, durch Wald und Kulturland.

Ein wichtiger Meilenstein waren die Durchleitungsrechte. Die Genossenschafter erhielten keine Abgeltung, aber jenen Grundeigentümern, die kein Wasser beziehen, wurden die Durchleitungsrechte abgegolten. Eine vorsorglich eingereichte Einsprache aus den Naturschutzverbänden wurde vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft behandelt und war rasch vom Tisch.

Die Hauptleitungen (violette) vom Pumpwerk an der Limmat bis zu den Privatleitungen der Bewirtschafter haben eine Länge von 12.6 km.(Bild: zVg)

Mit Bund und Kanton, jedoch ohne Gemeindeunterstützung

Die Kosten für das Projekt wurden auf 8.25 Mio Franken budgetiert. Abgerechnet wurde das Projekt mit 7 Mio Franken. Bund und Kanton beteiligten sich zu je einem Drittel. Die verbleibenden Restkosten mussten die Genossenschafter auftreiben.

«Wir fragten auch die Gemeinden an, aber sie weigerten sich», erzählt Urs Amacher. So griffen die Genossenschaftler selbst in die Tasche, unter anderem mit Überbrückungskrediten der Zürcher Landwirtschaftlichen Kreditkasse und auch mit Darlehen von Unterhalts- und Maschinengenossenschaften.

Letztere hat die BGF schon zurückerstattet. «Wir haben alles richtig gemacht und sind zufrieden, wie es läuft – auch wenn eine dritte Pumpe nicht schlecht gewesen wäre», sagt Amacher, der seit Beginn im Vorstand der BGF ist und das Projekt vorangetrieben hat.

Für die nächste Generation

Es handle sich um ein Generationenprojekt, denn profitieren werde vom Bewässerungsprojekt auch Amachers Sohn Lukas. Im Erstberuf Baumaschinenmechaniker, beginnt er im August die Zweitausbildung als Gemüsegärtner. Nachhaltig ist Familie Amacher sowieso schon unterwegs: «70 Prozent der Fläche sind immer begrünt, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten», sagt Urs Amacher.

Auch beteiligte er sich am Ressourcenprojekt Pflopf, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu optimieren. Der Betrieb setzt GPS-Lenksysteme ein sowie ein kameragesteuertes Hackgerät und eine Präzisionsspritze für «Spot Spraying».

Zwei dieser Rollomaten mit Beregnungscomputer sind auf Amachers Betrieb im Einsatz – versehen mit einem Grossflächenregner und einem Giessbalken.(Bild: Daniela Clemenz)

Geigelmooshof

Name                                          Melanie und Urs Amacher

Ort                                               Dänikon (ZH)

LN                                                45 ha, bewirtschaftete Fläche 75 ha

Betriebszweige                       Feldgemüse, PV-Anlage und Früchtekorb-Abos

Mitarbeitende                        30

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