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Jens Huber kultiviert eine grosse Gemüsevielfalt auf kleiner Fläche

Der Luzerner pflanzt über 40 verschiedene Gemüsesorten an und setzt dabei auf regenerative Landwirtschaft. Vermarktet wird das Gemüse über seine Regiokiste direkt an Kunden.

«Ich bin eigentlich ein Quereinsteiger», sagt der gelernte Käser Jens Huber. Nach dieser Ausbildung sei er noch drei Jahre in diesem Beruf tätig gewesen, habe dann aber eine neue Herausforderung gesucht, erzählt er. So war er zehn Jahre im Strassenbau tätig, bildete sich dort zum Bagger-Maschinisten weiter. Seine Leidenschaft, der Anbau und die Vermarktung von Gemüse, führte ihn in die Selbständigkeit. Zuerst zusammen mit seiner Partnerin Olivia Heini in Rickenbach LU, dann ab Mitte 2023 in Büron LU.

Hier konnten die beiden den bisher verpachteten kleinen elterlichen Betrieb von Huber übernehmen. Sein Vater sei nicht mehr in der Landwirtschaft tätig gewesen, sein Grossvater hingegen schon. Lediglich knapp drei Hektaren gross ist der Betrieb am Dorfrand, rund 2,3 ha sind weiterhin an einen Nachbarn verpachtet.

Der Betrieb ist neu anerkannt worden

Jens Huber bewirtschaftet lediglich 69 Aren, davon sind 63 Aren Gemüse und etwas Grünstreifen. Zusätzlich nutzt er die bestehenden Gebäulichkeiten wie den Schopf für Kühlräume, Rüsträume und Maschinen, sowie das elterliche Wohnhaus.

Die Gemüsekulturen wachsen auf einer Fläche von 63 Aren. Die Fahrgassen der Beete sind begrünt. Hinten der verschiebbare Folientunnel, rechts der Blühstreifen und das mobile Hühnerhaus. Die Hühner fressen auch Insekten und Schnecken.(Bild: Josef Scherer)

Es sei nicht einfach gewesen, die Anerkennung als Betrieb wieder zu erlangen, zumal der schon vom Grossvater abgemeldet worden sei, sagt der nun 37-jährige Jens Huber. So wegen der minimal nötigen Standardarbeitskräfte SAK (aktuell sind es rund 0,3 SAK). Und sonst hätte er als Zonenfremder auch den Folientunnel nicht stellen können. Der steht erst seit Ende 2025: «Wir mussten lange dafür kämpfen, zumal wir noch in einem Wildtierkorridor sind.»

Der Folientunnel wechselt den Standort

Der 8,5 x 30 m grosse Folientunnel ist dank eines starken Metallrahmens und der Kufen mobil. Jens Huber verschiebt ihn mit dem Traktor jährlich, was schweizweit sehr selten sei. Das sei für die Erholung des Bodens positiv, ebenso, dass die freie Fläche wieder natürlich beregnet werden könne. 

Jens Huber ist Gemüsebauer in Büron LU.(Bild: Josef Scherer)

«Wir mussten lange für den Folientunnel kämpfen, zumal wir noch in einem Wildtierkorridor sind.» Der Landwirt über den langen Weg zur Bewilligung.

Beheizt werde der Tunnel nicht, eine Doppelfolie isoliere aber recht gut. Und die Tomaten wachsen beispielsweise auf einem sogenannten Thermo-Beet. Die Dämme sind mit viel organischem Material durchmischt, das vergärt und so den Boden wärmt.

Viel Wissen selber angeeignet

Das Wissen über Gemüse habe er sich selber angeeignet, mit Fachliteratur und auch im Internet auf Plattformen wie «Market Gardening» oder regenerative Landwirtschaft, sagt Jens Huber. Zudem steht er in regem fachlichem Austausch in vielen Chat-Gruppen. So könne immer wieder Neues gelernt werden. Beispielsweise, dass Wespen die Larven von Kartoffelkäfern fressen, und dass jener Schädling durch Förderung dieser Nützlinge in Schach gehalten werden könne. Zur Schnecken- und Insektenbekämpfung lässt Jens Huber seine drei Dutzend Hühner in abgeerntete Beete, mit dem positiven Effekt der Düngung.

Auf Mulch und Tröpfchenbewässerung setzen

Bewirtschaftet wird biologisch, er führe aber das Label nicht. Huber verzichtet auf chemischen Pflanzenschutz und Kunstdünger, macht stattdessen viele Gründüngungen. Eingesetzt werden Mist und Kompost, auch Hühnermistpellets hätten sich bewährt.

Mit dem Wasser geht Huber möglichst sparsam um, nicht nur aufgrund der aktuellen Trockenheit. Er habe glücklicherweise eine eigene Quelle und könne im ehemaligen Gülleloch Wasser speichern. Die Kulturen werden tröpfchenweise bewässert, und viele sind mit Mulch abgedeckt, das hemmt die Austrocknung des Bodens und hilft auch beim Pflanzenschutz mit. Bei Hagelrisiko deckt Huber die Beete mit einem Netz ab. Zudem habe er eine Versicherung abgeschlossen, um grosse Schäden abzusichern.

Jäten bleibe die grosse Herausforderung im Gemüsebau. Huber fräst die Beete, lässt sie austrocknen, fräst tiefer nach, platziert dann die Mulchschicht und pflanzt später die Setzlinge, die im Übrigen alle selber aufgezogen werden. Künftig wolle er bei hohem Unkrautdruck versuchen, zuerst zu setzen, damit ein Hackdurchgang möglich wäre, und dann den Mulch legen.

Eine grosse Vielfalt an Gemüse

Jens Hubers Ziel beim Einstieg sei immer gewesen, das Gemüse direkt an die Kunden zu verkaufen. 40 bis 50 verschiedene Gemüsesorten seien es in der Regel, diese Saison je nach Situation mit dem Wasser vielleicht auch einige weniger, sagt er.

Darunter seien auch viele alte Sorten wie Haferwurzeln oder Ackerbohnen, Sojabohnen, sieben Sorten Kartoffeln, Süsskartoffeln, Pastinaken, Karotten, Zucchetti, Gemüsezwiebeln, die bis zu einem Kilo schwer werden, viele Salate, Spargeln, Gurken, 14 verschiedenfarbige Tomaten und mehr, zählt Huber auf.

Stangenbohnen in einer Mulchschicht von Heu. Stroh sei als Nährstoffzehrer weniger geeignet.(Bild: Josef Scherer)

Geerntet wird derzeit täglich morgens, dank des Kühlraumes könne er einiges zwischenlagern. Wichtig sei ihm, dass die Salate täglich zuerst geerntet werden: «Der sollte danach keine Sonne mehr bekommen.» Ab Mittag startet er die Rüstarbeiten, ab 16 Uhr wird ausgeliefert.

Sommer- und Winterabo im Angebot

Aktuell liefert er zweimal wöchentlich seine «Regio-Kisten» an rund 70 Kunden im Umkreis von rund 20 km, etwas weniger Kunden sind es im Winter. Angeboten werden ein breites Sommer- und ein sortimentsreduziertes Winterabo. Aber auch über den Winter könne er neben Lagergemüse auch Salat anbieten, dank des Folientunnels, sagt Jens Huber.

Das Sommerabo gibt es zu 20, 30 oder 40 Franken pro «Regio-Kiste». Das sei ein Durchschnittspreis, da im Frühjahr das Sortiment mit vier bis fünf Produkten kleiner sei als während der Hauptsaison im Sommer, wo bis neun verschiedene Gemüse angeboten werden. Die Kunden könnten ein Gemüse bestimmen, das sie nicht in der Kiste wollen. Fenchel sei beispielsweise ein Gemüse, das nicht bei allen beliebt sei. «Wir füllen aber die Kiste grundsätzlich mit dem, was aktuell geerntet wird.» Zugekauft würden keine Produkte.

Gurken im Folientunnel in einem Damm als Thermobeet. Der Boden ist mit Jutesäcken abgedeckt, das hemmt die Verunkrautung und beschattet.(Bild: Josef Scherer)

Wählen können die Kunden zwischen wöchentlicher oder zweiwöchentlicher Belieferung. Früher habe er die Produkte auf einem Wochenmarkt im Dorf angeboten, Aufwand und Ertrag hätten aber nicht mehr gestimmt. Lediglich ein kleiner Hofladen mit Selbstbedienungsautomat steht am nahen Strassenrand, vor allem für Eingemachtes oder Tomaten. Seit Kurzem wird auch ein Bioladen im Nachbardorf beliefert.

Geschmack frisch aus dem Garten

Das Potenzial für Neueinsteiger in den Gemüsebau sei durchaus da, die Arbeit und das Fachwissen seien aber nicht zu unterschätzen. Gemüselieferung direkt an Kunden sei eine Nische und logistisch anspruchsvoll, im Vergleich zu Selbsterntegärten, sagt Huber. So sei auch der Kundenkreis nicht beliebig ausbaubar. «Das sind sensibilisierte Konsumenten, die Gemüse direkt saisonal vom Hof wollen, die Abwechslung und den Geschmack frisch aus dem Garten schätzen und auch bereit sind, die Produkte selber zu verarbeiten.» Huber liefert auf Wunsch Rezepte zu Gemüsen, die wenig bekannt seien.