Sieben preisgekrönte deutsche Betriebe und was sie ausmacht

Die Ceres-Awards zeichnen Landwirt(innen) in sieben Kategorien aus. 2026 sind es sieben Deutsche mit sehr unterschiedlichen Strategien.

Wie jedes Jahr wurden in München die Ceres-Awards verliehen. Geehrt werden sieben Landwirt(innen) in sieben Kategorien, wovon einer oder eine Landwirt(in) des Jahres und somit Gesamtsieger wird. 2026 vergab der unabhängige Beraterausschuss der deutschen Initiative Tierwohl zusätzlich den Sonderpreis Tierwohl, der mit 2500 Euro dotiert ist. Die Kategoriensieger gewinnen jeweils 1000 Euro, für den Gesamtsieg gibt es zusätzlich ein Preisgeld von 20 000 Euro.

Über den Tellerrand schauen

Unter den Gewinner(innen) sind heuer nur deutsche Landwirte. Die Ceres-Awards sind aber international und es können jeweils auch Landwirte und Landwirtinnen aus Österreich und der Schweiz mitmachen.

So oder so bietet die Preisverleihung eine gute Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen: Was sie machen, wie sie es machen – und wie sich ihre Betriebe von den hiesigen Verhältnissen unterscheiden. Wir stellen die Geehrten im Folgenden kurz vor.

Theresa Ungru ist Co-Geschäftsführerin eines «Bürgerwindparks». (Bild: Timo Jaworr)

Die Landwirtin des Jahres führt einen gemischten Betrieb samt Windpark

Für deutsche Verhältnisse ist der Betrieb von Theresa Ungru aus Nordrhein-Westfalen nicht besonders gross. Er umfasst 110 ha Ackerfläche und knapp 2000 Mastschweineplätze, deren Futter zu 70 Prozent selbst angebaut wird. Die Landwirtin setzt im Tierwohl die Haltungsstufe 2 um. Das bedeutet, die Schweine haben mehr Platz (je nach Gewicht, bei über 110 kg 1,125 m²), strukturierte Buchten, variable Genesungsbuchten, organisches Beschäftigungsmaterial, Raufutter und Schalentränken. Im Ackerbau lobt die Jury des Ceres-Awards Ungru für die Umsetzung regenerativer Methoden. Sie hat eine Fruchtfolge mit Zwischenfrüchten und setzt Hofdünger ein.

Strom für rund 30 000 Haushalte

Besonders an der Landwirtin des Jahres ist aber vor allem ihre Rolle als Mitgeschäftsführerin zweier «Bürgerwindparks» mit 18 Windkraftanlagen, die Strom für rund 30 000 Haushalte produzieren. Daran sind knapp 1000 Bürger(innen) aus der Region beteiligt. Theresa Ungru hat diese Form der Energieproduktion vorangetrieben und das Modell ist laut ihrer Website heute deutschlandweit anerkannt: «Für Windenergie, die vor Ort akzeptiert und verankert ist und dem ländlichen Raum echte Wertschöpfung bringt».

Ungru ist neben der Gesamtsiegerin auch Erste in der Kategorie «Unternehmerin». Die Jury hebt besonders hervor, die Landwirtin beschränke ihre unternehmerische Verantwortung nicht auf ihren eigenen Hof. Stattdessen schaffe sie Akzeptanz für erneuerbare Energie, halte Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region und zeige zugleich, wie sich ein Landwirtschaftsbetrieb konsequent weiterentwickeln lasse.

Stefan Schmid nutzt eine Drohne, um aus der Luft den Maiszünsler zu bekämpfen. (Bild: Timo Jaworr)

Strategien für den Anbau unter schwierigen Vorzeichen

Der Ackerbauer des Jahres hat es mit schwierigen Bedingungen zu tun: schwere, tonige Böden, kleine Schläge und viel Ackerfuchschwanz. Seinen Betrieb mit 158 ha in Nordrhein-Westfahlen hat Stefan Schmid ausserfamiliär übernommen und diesen Herausforderungen angepasst. So setzt er je nach Fläche auf Direktsaat, minimale Bodenbearbeitung, Zwischenfrüchte und späte Saattermine. Wie man es auch in der Schweiz praktiziert, bringt er per Drohne Schlupfwespen gegen den Maiszünsler aus. Zusätzlich hat Schmid ein Lohnunternehmen, zu dessen Angebot neben Bekanntem wie Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz, Ernte oder Düngung auch die Komplettbewirtschaftung fremder Flächen gehört – bei Bedarf inklusive Bestandesführung, Ein- und Verkauf, Dokumentation, Anträgen usw.

Nicht zwischen konventionell und ökologisch trennen

Im eigenen Ackerbau hat Stefan Schmid eine Fruchtfolge etabliert, die an Schweizer Betriebe erinnert (Getreide, Raps, Mais, Zuckerrüben). Er hat auch mehrere Hektaren Blüh- und Stilllegungsflächen, ähnlich den hiesigen BFF. Zur Strategie des Ackerbauern des Jahres gehören teilflächenspezifische Düngung und regelmässig organische Dünger. Da er selbst keine Tiere hält, kommen z. B. Gärreste zum Einsatz. «Die Trennung zwischen konventionell und ökologisch ist für mich der falsche Weg», lässt sich Schmid zitieren. Er setze auf integrierten Pflanzenbau und nutze aus beiden Philosophien die positiven Effekte für seinen Ackerbau.

Der Energiewirt des Jahres hat 23 ha Wald und einen «Urlaubshof». (Bild: Timo Jaworr)

Energiewirt mit eigenem Hotel samt Pool

Aus der Gülle der 160 Milchkühe auf dem Hof von Franz Xaver Kirchmaier in Oberbayern wird in seiner 75-kW-Biogasanlage Strom. Hinzukommt ein 150-kW-Holzvergaser, zu einem Grossteil betrieben mit Holz aus dem eigenen Wald, der ganze 23 ha bedeckt. Obendrauf kommt eine 1200-kW-Solaranlage. Kirchmaier hat in der Kategorie Energie der Ceres-Awards gewonnen.

Eigene Wärme für Häuser, Heu und Wasser

Wer die Website des Energiewirts besucht, wähnt sich aber eher bei einem Hotel gelandet. Tatsächlich betreibt Franz Xaver Kirchmaier seinen Betrieb als «Urlaubshof», der direkt am Chiemsee dafür an perfekter Lage steht. Das Hotelgebäude ist mit einer Holzfassade frisch renoviert und wird – genau wie die Wohnhäuser im selben Stil, die Heutrocknung und ein Aussenpool – mit eigener Wärme versorgt. Künftig soll ein Batteriespeicher von 800 kW zusätzliche Sicherheit ins System bringen.

Mit seinen drei Standbeinen – Landwirtschaft, Energieproduktion und Tourismus – sieht sich der Deutsche gut aufgestellt. Alles funktioniere für sich allein, ergänze sich aber auch. «Wir haben für jede Situation ein Backup», so Kirchmaier. Die Jury des Ceres-Awards spricht gar von einer «perfekten Harmonie mit herrlichem Ausblick».

Fabian Schwarz hält Truthähne und produziert Futter für sie auf einem Teil der 500 ha Ackerland. (Bild: Timo Jaworr)

Millionen investiert, um Truthähne zu halten

Fabian Schwarz aus Mecklenburg-Vorpommern sieht seine Zukunft in der Truthahnhaltung. Er hat Millionen investiert, um ehemalige Milch- und Jungviehställe umzubauen. Wie viele Truthähne der Geflügelhalter des Jahres hat, ist den Unterlagen des Ceres-Awards nicht zu entnehmen – allerdings liegt seine Besatzdichte 30 Prozent unterhalb der konventionellen deutschen Haltung. Schwarz setzt die Haltungsform 3 um. Das bedeutet, seine Truthähne haben mehr Platz, Zugang zu einem Aussenklimabereich und zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten. Zum Familienbetrieb gehören 500 ha Ackerflächen, auf denen unter anderem Futter für die Truthähne produziert wird (Weizen und Erbsen). Fabian Schwarz ist die Öffentlichkeitsarbeit ein Anliegen, weshalb er bei Hoffesten und Stallbesuchen den Kontakt zu den Konsument(innen) sucht und ihnen seine Arbeit erklärt. Der Geflügelhalter des Jahres möchte Vertrauen schaffen und das Verständnis zwischen Landwirtschaft und Konsumenten stärken.

Der Junglandwirt des Jahres ist 28 Jahre alt und setzt stark auf Direktvermarktung. (Bild: Timo Jaworr)

Direktvermarktung mit einem Hofladen, der zu einer Supermarkt-Kette gehört

Was Eike Alswerde in Niedersachsen macht, können Schweizer Landwirte definitiv nicht: Er baut Gemüse und Obst auf demselben Betrieb sowohl konventionell als auch biologisch an. In Deutschland ist das möglich, da dort keine Gesamtbetrieblichkeit für Bio vorausgesetzt wird. So gehören die beiden Produktionsstandards zu Alswerdes Vielfalt, die auf seinem Betrieb Programm ist.

Gemüse, Obst, Eier, Schweine- und Rindfleisch vermarktet der Gewinner der Kategorie Junglandwirt zu 70 Prozent direkt, via Wochenmarkt, einen Selbstbedienungsautomaten und den eigenen «Landmarkt Gehrde». In Letzterem wird das Sortiment mit Detailhandelsprodukten ergänzt, denn der Landmarkt auf Alswerdes Hof ist Teil der Edeka-Gruppe.

Rinder leben ganzjährig draussen

Der 28-Jährige hält rund 1000 Legehennen in Freilandhaltung, Schweine in der deutschen Haltungsform 4 (mit Auslauf und Weide) sowie Angus- und Galloway-Rinder, die das ganze Jahr über draussen leben. Eike Alswerde zeigt Besuchern gerne seinen Betrieb, um Haltung und Fütterung zu zeigen. Für buchstäblichen Durchblick sorgen Glasluken in der Decke des Schweinestalls.

Den Energiebedarf für Hof, Hofladen und Stallkühlung deckt im Sommer eine Solaranlage mit Batteriespeicher. Im Gemüsebau verzichtet der Junglandwirt nach eigenen Angaben komplett auf chemischen Pflanzenschutz. Die Jury des Ceres-Awards zeigt sich beeindruckt davon, wie fundiert gesamtheitlich und nachhaltig Eike Alswerdes System sei. Und davon, dass es bereits nach kurzer Zeit finanziell funktioniert hat.

Jörg Fehrenbacher führt den Betrieb zusammen mit seinem Vater und hält 600 Mastmuni. (Bild: Timo Jaworr)

Eigene Metzgerei auf dem Hof und starke Marke

Mehr als die Hälfte der Betriebsfläche von Jörg Fehrenbacher und seinem Vater sind Grünland: 140 ha von insgesamt 240 ha Land. Im Ackerbau setzt das Vater-Sohn-Duo auf Brotweizen, Gerste, Roggen und Silomais mit Blühstreifen aus Sonnenblumen. 600 Mastmuni stehen auf Tretmist im Tierwohlstall. Hinzukommen Truthähne in Weidehaltung und eine eigene Biogasanlage. Der Baden-Württemberger wurde zum Rinderhalter des Jahres gekürt.

Pro Woche zwei Rinder verarbeitet

Fehrenbachers vermarkten ihr Fleisch direkt und arbeiten mit einem Metzgermeister zusammen: Pro Woche werden zwei Rinder in der eigenen Metzgerei verarbeitet und über mehrere regionale Standorte verkauft. Es gibt Fleischpakete, aber auch Edelstücke und Fertiggerichte im Glas (z. B. Rindergulasch). Die Direktvermarktung floriert unter dem Motto «Fleisch vom eigenen Hof. Für alle, die wissen wollen, was sie essen» und der Markte Leimgrabenhof. Damit erreiche er neben dem Mehrwert für seinen Betrieb auch einen Imagegewinn für seine Art der Tierhaltung, lobt die Jury.

Seit 2023 sind die Umsätze von Fehrenbachers aus der Direktvermarktung um 120 Prozent gestiegen und der Betriebszweig soll weiterwachsen: Geplant sind neue Standorte für die landwirtschaftliche Produktion und weitere Filialen für die Vermarktung.

Weibliche Tiere bekommen bei «Sauguad» am Ende der Mast mehr Platz. (Bild: Timo Jaworr)

«Sauguad» für mehr Tierwohl und bessere Preise

Nachdem 2025 mit dem Luzerner Peter Anderhub ein Schweizer in der Kategorie Schweinehalter gewonnen hat, geht dieser Ceres-Award heuer an Klaus-Peter Lichtinger aus Bayern. Er hält 130 Sauen und hat knapp 900 Mastplätze, 80 ha Ackerland zur Futterproduktion und 5 ha Wald.

Für die Vermarktung zusammengespannt

Der Bayer ist Mitinitiant von «Sauguad», einem Projekt für die regionale Schweinefleischvermarktung, mehr Tierwohl und Wertschöpfung für die Betriebe in Bayern. Bei «Sauguad» wird in Phasen gefüttert, die Tiere leben in Gruppen à 10–20 Stück pro Bucht. Als Beschäftigungsmaterial stehen Holzblöcke, Hanfseile, Stroh oder Heuraufen zur Verfügung. Alle Zuchtschweine behalten ihren Ringelschwanz, männliche Tiere werden nicht kastriert, weibliche Tiere bekommen mehr Platz am Ende der Mast und man setzt auf die Nutzung bestehender Ställe statt Neubauten. Jungeber schlachten die beteiligten Betriebe vor der Geschlechtsreife (bis 75 kg Gewicht), die Verarbeitung geschieht in Zusammenarbeit mit Partnern. Um weitere Landwirte für die «Sauguad»-Initiative zu gewinnen, versprechen die Verantwortlichen eine faire Entlöhnung, fachliche Unterstützung und eine «starke Gemeinschaft», um eine zukunftsorientierte Perspektive zu bieten.

In seinem Produzentenring gehört Klaus-Peter Lichtinger mit 30 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr sowie Masttageszunahmen von rund 900 g zu den wirtschaftlich führenden Betrieben.

Sonderpreis für zertifizierten Lernort

An den Ceres-Awards wurde Stefan Russ aus Baden-Württemberg mit dem Sonderpreis für Tierwohl geehrt. Er hält 600 Kälber und Rinder in grosszügigen Aussenklimaställen mit viel Stroh und frischer Luft. Stress und Medikamenteneinsatz reduziert Russ mit stabilen Tiergruppen, Beschäftigungsmöglichkeiten, intensiver Tierbeobachtung und vorbeugendem Gesundheitsmanagement.

Während der Aufzucht gewöhnt der Sonderpreisträger seine Tiere an den betriebseigenen LKW, um sie auf den Tag der Schlachtung vorzubereiten. Zum Betrieb von Stefan Russ gehören ausserdem Legehennen, Ackerbau und Energieproduktion. Der Hof ist ein zertifizierter Lernort für Schulklassen und in einem eigenen Schulungshaus bildet der Landwirt Berufskollegen, Metzger und Gastronomen weiter.

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