Die Gerstenernte ist fast abgeschlossen, die Weizenernte in vollem Gang. Nach den extremen Wetterereignissen der letzten Wochen stellt sich die Frage nach der Qualität und den Ertragsmengen beim Getreide.
Walter Kipfer, Geschäftsführer der Getreide Züri Nord AG (GZN), ordnet ein: «Das Hektolitergewicht lag bei der Gerste zwischen 69 und 71 kg/hl. Auch bei der Weizenernte sehen wir hohe Hektolitergewichte, obschon die Proteinwerte beim Weizen rund 1 Prozent tiefer liegen als im Vorjahr. Dennoch erreicht der Weizen die neuen Mindestgehalte von 12 Prozent beim Weizen Top und 11 Prozent beim Weizen I und II.»
Mykotoxine seien bei den Sammelstellen der GZN in Niederhasli ZH und Steinmaur ZH bislang kein Problem. Die Fallzahlen seien hoch, aber leicht tiefer als 2025, berichtet Kipfer.
Proteinwerte sind je nach Standort unterschiedlich
Auch Alexander Süss, Verkaufsleiter Agrar bei der Landi Weinland in Marthalen ZH, berichtet von guten Qualitäten bei hohen bis sehr hohen HLG. Die Proteinwerte seien standortabhängig unterschiedlich – von durchschnittlich bis sehr gut sei alles vertreten. Beim Weizen im Reinigungsabgang konnte man in der Getreidesammelstelle in Marthalen einen erhöhten Kleinkornanteil feststellen.
Produzenten sind positiv überrascht von Erträgen
«Die Gerste war noch nicht betroffen von der Trockenheit, die Erträge lagen nur leicht unter dem Vorjahr. Beim Brotgetreide gibt es grosse Unterschiede je nach Boden und Lage. Wir erwarten demzufolge tiefere Erträge, ebenso wie beim Raps», sagt Walter Kipfer.
Im Grossen und Ganzen seien die Produzenten jedoch positiv überrascht von den Erträgen, nach der Hitzeperiode hätten sie zum Teil viel tiefere Erträge erwartet, so Kipfer. Diese Erwartung kann Alexander Süss bestätigen: Die Erträge im Winterweizen seien durch die Hitzeeinwirkung unter Normalniveau gesunken. «An Standorten mit leichten Böden fielen die Erträge stark ab. Auch der Raps liegt weit unter dem normalen Ertragsniveau», berichtet er.
Herbstkulturen brauchen Regen
Eine Besonderheit dieses Erntejahres: Die Getreideernte sei in ihrer Gesamtheit enorm früh, so Alexander Süss. Durch das trockene Wetter in der Blüte und auch jetzt in der Ernte sei das Getreidekorn dennoch sehr gesund. Mykotoxine stellten kein Problem dar, sagt der Verkaufsleiter.
Allgemein blicken sowohl Walter Kipfer als auch Alexander Süss dem weiteren Ernteverlauf im Hinblick auf den aktuellen Wetterbericht positiv entgegen. Der fehlende Regen bedeutet, dass das Getreide trocken gedroschen und das Stroh anschliessend ohne Zusatzaufwand verpresst werden kann. «Herbstkulturen wie Sonnenblumen, Sojabohnen und Körnermais würden aktuell hingegen dringend Wasser benötigen», sagt Walter Kipfer.

