Wenn ein Betrieb in neue Hände übergeben wird, stellt sich für die nächste Generation die Frage, wie es weitergehen soll. Manche sehen in den Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft die richtige Antwort.
Mit dem Projekt «Hofzukunft» will Agricultura Regeneratio junge Betriebsleitende beim Einstieg in die regenerative Landwirtschaft unterstützen. Wie der Verein mitteilt, sind dafür fünf Teilnehmende gesucht, die vor maximal drei Jahren ihren Betrieb übernommen haben. Angesprochen sind alle Produktionsrichtungen.
Prinzipien erfolgreich in den Alltag integrieren
«Die Jungbetriebe werden intensiv dabei begleitet, Humus aufzubauen, externe Inputs zu reduzieren und betriebliche Resilienz praxisnah und messbar zu stärken», so die Mitteilung. Das Programm umfasst eine gründliche Erhebung der Ausgangslage und die Erarbeitung eines individuellen Umsetzungsplans.
Anschliessend gibt es mindestens vier Betriebsbesuche pro Jahr, gemeinsame Workshops und «intensiven Erfahrungsaustausch». Die Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft – geringe Bodenstörung, ständige Bodenbedeckung, lebende Wurzeln im Boden, hohe Diversität und der Einbezug von Tieren – sollen dank dieses Vorgehens erfolgreich in den Alltag integriert werden. Neben ökologischen Zielen stünden auch wirtschaftliche und soziale Resilienz, etwa durch alternative Vermarktungskonzepte, im Fokus. Es sei mit einem jährlichen Zeitaufwand von 20–40 Stunden zu rechnen.
Junglandwirt(innen), die sich für das Praxis-Mentoring-Projekt interessieren, können sich online bis Ende August bewerben (siehe Link unten). Die dreijährige Begleitung durch Fachpersonen und Coaches ist kostenlos – dank der Förderung durch die Stiftung für Agnostizismus und Meritokratie (SAM) aus Zug, wie Agricultura Regeneratio schreibt.
Förderung regenerativer Landwirtschaft, «wissenschaftsbasiert und wirkungsorientiert»
«Natürlich ist der Name speziell», räumt Vereinspräsident Daniel Bärtschi in Bezug auf den Geldgeber seines Projekts ein. Er habe jedoch im Austausch mit den Verantwortlichen dieser Stiftung feststellen dürfen, dass ihnen die Förderung der regenerativen Landwirtschaft wichtig sei – «wissenschaftsbasiert und wirkungsorientiert», wie er sagt.
Agnostizismus ist definiert als philosophische Einsicht über die Begrenztheit des menschlichen Wissens, Verstehens und Begreifens. Meritokratie ist eine Gesellschaftsform, in der die Hierarchie auf individuellen Leistungen und Verdiensten aufbaut.
Die SAM setzt sich gemäss Stiftungszweck für notleidende Menschen ein, die ihr Leben auf Basis agnostischer und meritokratischer Prinzipien verbessern wollen. «Die Stiftung kam auf uns zu und hat nach neuen Projekten gesucht», schildert Daniel Bärtschi. «Wir haben dieses Projekt daraufhin vollständig in eigener Kompetenz entwickelt und der Stiftung vorgelegt.»
Der Ansatz habe offenbar überzeugt und der Stiftungsrat gab grünes Licht. Einen inhaltlichen Einfluss habe die SAM bei «Hofzukunft» nicht, es werde komplett in der Verantwortung von Agricultura Regeneratio umgesetzt.
Einzige Gegenleistung: Humus- und Klimabilanz
Mit dem Auswahlverfahren will Agricultura Regeneratio vor allem die Motivation der Betriebsleitenden und das Verbesserungspotenzial der Höfe eruieren. Dazu gibt es einen Fragebogen. «Zusätzlich werden alle Betriebe in einem persönlichen Gespräch interviewt», gibt Daniel Bärtschi Auskunft.
Weiterhin seien möglichst unterschiedliche Betriebe gesucht. «Sodass wir unsere Ansätze in verschiedenen Kontexten etablieren können – und später auf weitere Betriebe ausdehnen.» Eine Gegenleistung von den begleiteten Betrieben wird nicht gefordert. Man müsse auch kein Mitglied bei Agricultura Regeneratio sein oder werden.
Einzig die Daten für die Wirkungsmessung (z. B. Humus- und Klimabilanz) müssen die Teilnehmenden jährlich zur Verfügung stellen, um nach drei Jahren eine objektive Wirkungsaussage machen zu können. Für Letzteres kommt laut Bärtschi ein bewährtes Monitoringsystem zum Einsatz, das auch in anderen Projekten (etwa mit dem WWF und der Swica-Versicherung oder dem Müesli-Hersteller Bio Familia) verwendet wurde.
Eine Lücke im Bildungsangebot schliessen
«Für uns steht die Wirkung für die Betriebe im Vordergrund – mehr Lebensqualität und positive Entwicklung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Indikatoren», versichert Daniel Bärtschi.
Ausserdem soll «Hofzukunft» dazu beitragen, das System zu erweitern. Für die Förderung weiterer Betriebe suche der Verein zusätzliche Mittel. «Leider gibt es in der landwirtschaftlichen Bildung bisher zu wenig Angebote für Betriebe, die regenerative Landwirtschaft betreiben wollen», findet der Vereinspräsident. «Diese Lücke zu schliessen, ist uns wichtig.» Bärtschi sieht sich dann am Ziel, wenn es seinen Verein nicht mehr braucht, sondern das ganze landwirtschaftliche Wissenssystem regenerative Landwirtschaft versteht und vermittelt. Das Direktzahlungssystem sollte seiner Meinung nach die notwendigen Finanzen bereitstellen, um den Betrieben die Umsetzung zu ermöglichen. «Dass der Markt die zusätzlichen Leistungen für Klima, Biodiversität und Wasser abgilt, wäre dann noch das Tüpfelchen auf dem i.»
Hier gehts zur Bewerbung für das Projekt «Hofzukunft» bis 31. August 2026
«Der Hype ist vorbei, die Umsetzung geht voran»
Agricultura Regeneration wurde 2019 gegründet. Seither gebe es ein kontinuierliches Wachstum von Mitgliedern (heute 130) und Projekten, sagt der Vereinspräsident. «Der Fokus liegt nun auf der Umsetzung von Coaching- und Mentoring-Projekten auf Ebene Betrieb sowie der Einführung eines umfassenden Wirkungsmonitorings auf Betriebsebene», beschreibt Daniel Bärtschi. Die gleichnamige Marke werde von 20 Markennutzern im Verkauf eingesetzt. Per Januar 2026 ist die Markennutzung bei Agricultura Regeneratio zudem vereinfacht, mit der Bereitschaft zur Weiterbildung und Transparenz als wichtigster Anforderung.
Der Hype um die regenerative Landwirtschaft scheint – zumindest medial – bisweilen abzuflauen. «Der Hype ist vorbei – was auch gut ist», bestätigt Daniel Bärtschi. Aber die Umsetzung in der Praxis gehe voran. «Wir stellen ein grosses Interesse der Betriebe fest, regenerative Ansätze zu verfolgen.» Gerade die Wettersituation Mitte/Ende Juni mit extremer Hitze und Trockenheit zeigt seiner Meinung nach, dass regenerative Ansätze nötig und wirksam sind. «Mehr Humus im Boden bedeutet auch mehr Wasserspeicherkapazität», gibt er zu bedenken.
International wachse die Aufmerksamkeit ebenfalls, insbesondere auf Stufe der Verarbeitungs- und Handelsunternehmen – wobei deren Ansätze für die regenerative Landwirtschaft noch verbesserungsfähig seien. «Auch das Finanzsystem befasst sich mit dem Thema», fährt Bärtschi fort. «Laut einer Studie der globalen Unternehmensberatung Boston Consulting Group und der Schweizerischen Bankiervereinigung sind in der Schweiz 1,4 Milliarden Franken Investitionen in die regenerative Landwirtschaft nötig.» Diese Studie befasste sich damit, wie viel finanzielle Mittel zur Erreichung der nationalen Biodiversitätsziele der Schweiz im Rahmen des globalen Rahmenwerks von Kunming-Montreal in verschiedenen Bereichen fliessen müssten.

