Kurz & bündig
- Dank der Generationengemeinschaft können Barbara und Manfred Kunz schrittweise Verantwortung an ihren Sohn Hannes abgeben. - Eltern und Sohn diskutieren auf Augenhöhe. - Barbara Kunz ist im Stundenlohn bei der Generationengemeinschaft angestellt.
Die Generationengemeinschaft führen Sohn Hannes und Vater Manfred Kunz bewusst zu zweit: «Je mehr Meinungen es gibt, desto komplizierter wird eine Diskussion», sagt Hannes Kunz. Der Betrieb in Ersigen BE läuft rund, die Abläufe sind eingespielt. Mutter Barbara Kunz hat viele Jahre lang jede Arbeit erledigt, die auf einem Hof anfällt. Dass sie dank der Generationengemeinschaft schrittweise Verantwortung abgeben kann, macht sie flexibler.
Vater und Sohn tauschen sich meistens im Stall aus, «das ist informativ», sagt Hannes. Wenn es um Investitionen geht, diskutiert Barbara Kunz mit. Manfred und sie haben einen Ehe- und Erbvertrag, da sie vor Jahren den Hof nach der Krankheit und dem frühen Tod von Manfreds Vater von der Erbengemeinschaft gekauft haben. Eine geregelte, formelle Übergabe konnte damals zwischen Vater und Sohn nicht mehr stattfinden. «Wir hatten keine Hilfe, als wir den Betrieb übernahmen», erinnert sich Barbara Kunz. «Reingeredet hat uns aber auch niemand», das sieht sie als positiven Punkt.

Deshalb möchte auch sie ihrem Sohn die Freiheit lassen, eigene Fehler zu machen, «das gehört zum Prozess». Auch Manfred ist froh, nicht mehr alles selber entscheiden zu müssen. Die Diskussionen zwischen Vater und Sohn sind sachlich. Wer die besseren Argumente hat, setzt sich durch: Etwa, als es um die Investition in einen Futtermischwagen ging.

Der Futtermischwagen war Hannes Kunz ein wichtiges Anliegen. Er will weiterhin auf Milchvieh setzen, melkt gerne und ist überzeugt, dass sich mit Tierhaltung Geld verdienen lässt. In der Betriebsleiterschule lernt er zu analysieren und wendet das an: «Ich möchte nun in ersten Schritten optimieren, die Leistung steigern und nach Möglichkeit sparen», sagt er.
Die Generationengemeinschaft ermöglicht es, Risiken abzuwägen
Die Generationengemeinschaft ist seit dem 1. Januar 2026 in Kraft. Hannes Kunz ist nun selbstständig erwerbend. Neben den Arbeiten auf dem Betrieb in Ersigen arbeitet er 80 Prozent für das Lohnunternehmen Wälchli in Niederösch BE. Gegenüber seinem Arbeitgeber ist jetzt klar, dass er Verantwortung für den Betrieb trägt. Den Vertrag hat die Familie Kunz mit einem Berater des Inforamas Rütti ausgearbeitet. Er kann jährlich gekündigt werden, das gibt Flexibilität. «Wichtig ist uns, Hannes nichts zu verbauen», sagt Barbara Kunz.

Er schätzt das: «Mit unserer Lösung ist das Risiko abwägbar und ich kann entscheiden, wo wir investieren.» Über die Wohnsituation etwa wird sich Familie Kunz spätestens bei der Übergabe Gedanken machen müssen. Im Moment lebt Hannes Kunz mit seiner Freundin Saskia Binggeli in einer Mietwohnung in Ersigen, in unmittelbarer Nähe des Betriebs. Manfred, Barbara und der jüngste Sohn Mathias wohnen im Bauernhaus. Zur Liegenschaft gehören eine Wohnung, in der Manfred Kunz’ Mutter wohnt, und ein Studio.
Da der Betrieb in der Dorfzone liegt, wären Bauarbeiten fürs Wohnen verhältnismässig unkompliziert möglich. Aktuell ist nichts geplant. Im ersten Jahr der Gemeinschaft probieren die drei aus, was sich bewährt. Barbara Kunz ist im Stundenlohn angestellt. «Ich bin froh, dass wir so klare Regelungen haben», sagt sie. Ob dann im Sommer, bei den Arbeitsspitzen, alles klappt, wie es sich die drei vorstellen, wird sich zeigen.
Zumindest für die Freizeitplanung haben Vater und Sohn vorgesorgt:
«Wir sind nicht mehr im gleichen Hornusserteam»,
sagt Hannes Kunz und lacht.
Für die Hofübergabe holen Eltern und Sohn externe Hilfe
Ernster werden die drei, wenn es um die Diskussionskultur geht: Vielleicht brauche es für Gespräche zu dritt Termine, stellt Barbara Kunz in den Raum. Denn die Gespräche zwischen Mutter und Sohn sind hitziger als der eher sachliche Austausch zwischen Hannes und Manfred Kunz.
Für die Übergabe werden sich die drei sicher externe Hilfe holen: «Die Eckpfeiler besprechen wir untereinander. Aber es ist entscheidend, dass nichts vergessen geht», sagt Manfred Kunz. Die Kommunikation mit Hannes’ vier Geschwistern ist offen, das ist ihm wichtig. Die vier sind froh, dass Hannes dereinst übernehmen wird und der Betrieb nicht in fremde Hände kommt.
Da die Generationengemeinschaft nun läuft, könnte Hannes Kunz auch Starthilfe für Investitionen beziehen. Das bringt etwas Flexibilität mit sich: «Bis der Antrag gestellt, bewilligt und das Geld da ist, kann es dauern», weiss Hannes Kunz aus seinem Umfeld. Würde er erst übernehmen, wenn seine Eltern das Pensionsalter erreicht haben, wäre er zu alt für die Starthilfe. «Jetzt sind wir Partner», sagt Hannes Kunz. Liegenschaften und Land kann er dann in einem zweiten Schritt übernehmen.
Er übernimmt Verantwortung, will auf dem neusten Stand sein und äussert seine Meinung klar. Etwa, wenn es um die Zukunft des Ackerbaus geht. «Das wird schwieriger», sagt er. Nicht nur, weil in der Region keiner Land abgeben wolle, sondern auch wegen der Herausforderungen, die es zum Beispiel mit sich bringt, wenn weniger Pflanzenschutzmittel erlaubt sind. «In der Tierhaltung sehe ich mehr unternehmerischen Spielraum.»
Solche Aussagen sind es, die Barbara Kunz als «bereichernd» erlebt: «Ich lerne meinen Sohn ganz anders kennen», sagt sie. Er vertrete seine Meinung, sein Wissen beeindrucke sie. «Wir sind auf Augenhöhe», deshalb stimme der Zeitpunkt, um Verantwortung abzugeben.
Ob dereinst Hannes Kunz den Vater als Mitarbeiter anstellt – das wird sich zeigen. Aktuell diskutieren die beiden am Morgen im Stall, was an Arbeiten ansteht, und fahren gut damit.
Betriebsspiegel der Familie Kunz
[IMG 5] Manfred und Hannes Kunz, Ersigen BE LN: 15,7 ha; 5,7 ha Wald Bewirtschaftung: ÖLN Kulturen: Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Kunstwiese, Mais, Ökofläche, Erbsen im Vertragsanbau Tierbestand: 23 Milchkühe, 6 bis 8 Jungtiere (Aufzucht im Jura), pro Jahr ein Umtrieb Truten (20 Stück) Weitere Betriebszweige: Direktverkauf Trutenfleisch Arbeitskräfte: Hannes, Barbara und Manfred Kunz

