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Carefarming in der Schweiz: Das braucht es für den Einstieg

Möglichkeiten für soziale Dienstleistungen auf dem Bauernhof gibt es viele. Wer einsteigen möchte, braucht neben einem grossen Herz unter anderem zeitliche Ressourcen und eine passende Infrastruktur. Bei der Entschädigung sind die Unterschiede beträchtlich.

Corinne Hadorns Generationenprojekt ist ein Beispiel für Carefarming. Unter diesem Begriff werden Betreuungs-, Bildungs- und Therapieangebote innerhalb der Landwirtschaft zusammengefasst. Sie nutzen, was Bauernhöfe Kostbares zu bieten haben: strukturierte Tage, sinnstiftende Arbeiten, Nähe zu Natur und Tieren, die Integration in eine Lebensgemeinschaft – das alles tut Menschen gut.

Die Angebote: Von der Ferienaktivität bis zum Dauerplatz

Es lässt sich nicht genau beziffern, wie viele Schweizer Bauernfamilien Betreuungsarbeit leisten, jedenfalls ist es ein tiefer Prozentsatz. Im Jahr 2020 registrierte das Bundesamt für Statistik 1129 Landwirtschaftsbetriebe mit sozialer Arbeit. Wobei die Statistik nicht alle Betreuungsverhältnisse erfasst, denn nicht alle sind als solche deklariert und die Abgrenzung kann schwierig sein.

Soziale Dienstleistungen gibt es in vielen Formen und für unterschiedliche Zielgruppen. Relativ niederschwellig sind zeitlich klar definierte Tagesstruktur- und Entlastungsangebote, Ferien- und Freizeitaktivitäten. Intensiver binden sich die Bauernfamilien mit Time-out-Platzierungen bis hin zu Dauerplatzierungen. Sie begleiten Menschen mit einer psychischen, kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigung, mit einer Suchtproblematik oder herausforderndem Verhalten in verschiedenen Altersstufen. Sie bieten Menschen mit IV-Rente Stellen für berufliche Massnahmen und anderes mehr.

Der Einstieg: Zielgruppe finden, Betreuungskonzept erstellen

Diese sozialen Dienstleistungen auf dem Bauernhof sind gefragt. Vermehrt gesucht würden Übergangslösungen für Menschen in Krisensituationen und mit psychischen Problemen, erlebt Karin Wyss. Die Präsidentin des Vereins Carefarming leistet auf ihrem Hof selbst Betreuungsarbeit.

«Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Geschichten zu begleiten, sie im Alltagsprozess zu integrieren, ist aufwendig», stellt Karin Wyss klar. Manche würden sich das zu romantisch vorstellen. Als gute Gründe für den Einstieg in Betreuungsdienstleistungen nennt sie ungenutzte Ressourcen wie Wohnraum und Zeit, kombiniert mit Interesse am Mitmenschen – «das grosse Herz zum Zug kommen lassen».

Sie rät: «Wer ein Angebot aufbauen möchte, sollte sich vorgängig Gedanken zu Zielgruppe, Ressourcen, personellen Möglichkeiten, betrieblichen Angeboten und anderem machen.» Sie empfiehlt das Erstellen eines Leitbilds und eines Betreuungskonzepts, das auch bei der Präsentation und Bewerbung des Angebots hilft.

Voraussetzungen: Familie muss mitziehen, Gesetze einhalten

Das braucht es:

  • Einverständnis der gesamten Betriebsleiterfamilie
  • Zeitliche Ressourcen
  • Zum Angebot passende Räume und Infrastrukturen
  • Körperliche Gesundheit, psychische Stabilität
  • Bereitschaft zu Reflexion, Aus- und Weiterbildung
  • Konstruktiver Umgang mit Behörden und den Angehörigen der betreuten Personen
  • Einhalten von gesetzlichen Anforderungen, Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz

Verdienstmöglichkeiten und Finanzierung

Ein Betrieb soll wirtschaftlich nicht abhängig von der Entschädigung sein, die er für die Betreuung erhält. Das schützt die Klienten und die Bauernfamilien. Wird der Abbruch eines Betreuungsverhältnisses nötig, soll dem nichts im Weg stehen. Karin Wyss stellt klar: «Wer ein gutes Konzept, ein transparentes Qualitätsmodell und Ausbildungsfaktoren vorlegt und das mit der richtigen Einstellung kombiniert, soll korrekt entschädigt werden.» Vom grossen Herz allein haben die Bauernfamilien nicht gelebt.

Die Entschädigungen sind sehr unterschiedlich und müssen im Einzelfall verhandelt werden. Green Care Schweiz empfiehlt folgende Ansätze:

  • Bei einer Wohnsituation auf dem Betrieb eine Tagespauschale von 140 bis 150 Franken inklusive Verpflegung und Unterkunft.
  • Bei Tagesstrukturen in der Gruppe 13 bis 15 Franken pro Stunde pro Person.
  • Bei pflegerischer und betreuerischer Einzelbetreuung mindestens 28 Franken pro Stunde.
  • Für Zusatzangebote wie Coaching mit entsprechender Ausbildung 60 bis 90 Franken pro Stunde.

In Zusammenarbeit mit Begleitorganisationen fallen die Pauschalen meist tiefer aus, weil die Bauernfamilien Aufgaben abgeben und Leistungen beziehen können. Bei längerfristigen Wohnsituationen ist mit durchschnittlichen Tagespauschalen von 95 bis 140 Franken zu rechnen, je nach Betreuungsaufwand.

Die vollständigen Tarifempfehlungen sind auf der Website von Green Care Schweiz aufgeschaltet. Dort gibt es auch eine Liste mit Stiftungen und Organisationen, die den Aufbau von Angeboten finanziell unterstützen.

Übersicht über die sozialen Dienstleistungsangebote auf dem Bauernhof

Carefarming in der Schweiz: Das braucht es für den Einstieg