Kurz & bündig
-Vor der Hofübergabe arbeiten Vater und Sohn Kunz in einer Generationengemeinschaft zusammen. - Aus- und Weiterbildung ist den Eltern und dem Sohn sehr wichtig, dazu gehört auch aktuelles Fachwissen.
Die Kinder fliegen aus, die Energie, etwas anzupacken, ist da: Barbara Kunz (54) will eine Ausbildung im Pflegebereich beginnen. Ob es das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Fachfrau Gesundheit oder die Höhere Fachschule als Pflegefachfrau ist – da hat sich die Bäuerin mit Fachausweis noch nicht festgelegt.
Die Verantwortung für den Betrieb in Ersigen BE, auf dem sie fünf Kinder grossgezogen hat, liegt seit dem 1. Januar 2026 in den Händen von Sohn Hannes (28) und ihrem Mann Manfred (55). Die beiden haben eine Generationengemeinschaft gegründet. Barbara und Manfred Kunz haben einen Ehe- und einen Erbvertrag – wenn es um Investitionen geht, entscheidet sie mit. Die Rollen sind klar verteilt: Barbara Kunz kümmert sich um die Administration, den Haushalt, den Garten und um die Umgebung. Sie ist in einem 50-Prozent-Pensum am Spital in Burgdorf BE als Pflegeassistenz angestellt.

Die klare Aufteilung hilft im Alltag des Betriebs
Manfred Kunz kümmert sich um die Buchhaltung der Generationengemeinschaft. Zusammen mit Hannes Kunz betreut er den Ackerbau – was 2026 etwas speziell ist: Die AgrolineFeldtage finden auf dem Land der Familie Kunz statt, die Anbauversuche werden von der Landor betreut.
Sohn Hannes Kunz ist der Fütterungsexperte. Die 23 Milchkühe sind der Hauptbetriebszweig. Hannes Kunz arbeitet eng mit dem Tierarzt zusammen, der den Bestand alle 14 Tage kontrolliert. Die Investition in einen Futtermischwagen war Hannes Kunz’ Idee, er hat diese auch durchgesetzt.
Die Lehre fürs Basiswissen, die Weiterbildungen für die Zukunft

Aus- und Weiterbildung ist allen drei wichtig: Für Hannes Kunz ist es selbstverständlich, dass er nach der Betriebsleiterschule die Meisterausbildung absolviert. 2026 schliesst er die Betriebsleiterschule ab – neben seinem 80-Prozent-Pensum beim Lohnunternehmen Martin Wälchli in Niederösch BE und der Arbeit auf dem Betrieb. «Ich wollte immer bauern», sagt Hannes Kunz. Zwar habe er einige Tage als Landmaschinenmechaniker geschnuppert, doch der Ausbildungsweg war für ihn bald klar.
Blickt er auf seine Lehrjahre zurück, sieht er eine Ausbildung, die ihm Basiswissen vermittelt hat. «Im ersten Lehrjahr hatte ich einen familiären, klar strukturierten Betrieb», sagt er. Das habe ihm den Start sehr erleichtert. Das zweite Lehrjahr im Kanton Waadt habe ihn selbstständig gemacht und im dritten Lehrjahr sei er gefordert gewesen, mitzudenken.
Ein Aufenthalt in Kanada auf einem grossen Milchviehbetrieb hat den Horizont von Hannes Kunz weiter geöffnet. Ideale Voraussetzungen also, um den Betrieb der Eltern zu übernehmen? Der junge Mann winkt ab: Er hält wenig von Romantik rund um die Landwirtschaft. «Wir bewegen uns im Markt, ich sehe unseren Betrieb als KMU.» Entsprechend schätzt er es, dass er in der Betriebsleiterschule lernt, eine Buchhaltung zu zerpflücken und den Betrieb auf Zukunftsfähigkeit zu prüfen.
Seine Eltern unterstützen ihn. Manfred Kunz hat die Ausbildung bis und mit Meisterprüfung absolviert, Barbara Kunz ist als Expertin in der Bäuerinnenbildung engagiert. Beide sind der Ansicht, dass ein EFZ als LandwirtIn oder ein Fachausweis als Bäuerin das Minimum an Ausbildung sei, das es brauche, um einen Betrieb führen zu können.
Die Eltern geben die Verantwortung schrittweise ab
Barbara Kunz hat eine Erstausbildung als Gärtnerin EFZ und sich dann als Bäuerin weitergebildet. Auf dem Betrieb hat sie immer angepackt, weil Manfred Kunz einem Nebenerwerb nachgegangen ist: «Zu Acker fahren, melken, füttern, das war selbstverständlich.» Wenige Wochen nach der Geburt der Zwillingstöchter half Barbara Kunz bei der Kartoffelernte mit – auch das war selbstverständlich. Die beiden lachen heute, wenn sich Barbara an die Zettel mit den Aufgaben erinnert, die ihr Manfred jeweils hingelegt habe. Dennoch sind beide froh, können sie dank der Generationengemeinschaft nun schrittweise Verantwortung abgeben.
Manfred Kunz hat immer auch ausserhalb des Betriebs gearbeitet, Barbara Kunz ist seit vielen Jahren im Vorstand verschiedener Vereine (etwa als Präsidentin der Bernischen Landfrauen) engagiert. Sie hat einen Znünidienst für Schulkinder mitaufgebaut und über Jahre einen Betreuungsplatz auf dem Hof angeboten.
Manfred Kunz arbeitet 80 Prozent bei einem Getränkehandel, mit Sohn Hannes bespricht er morgens im Stall, was ansteht. Kommunikation über die Rollen auf dem Betrieb ist allen drei wichtig. Während die Gespräche zwischen Vater und Sohn oft informativ sind, kann es zwischen Mutter und Sohn auch mal hitzig zu und her gehen.
Etwa, wenn es um die Themen Nischen und Direktvermarktung geht oder um neue Strömungen in der Landwirtschaft. «Ich melke sehr gerne und sehe durchaus eine Zukunft für Tierhaltung», sagt Hannes Kunz. Den Ideen seiner Mutter – etwa, pflanzliche Eiweisse für die menschliche Ernährung anzubauen – kann er wenig abgewinnen. «Ich finde es positiv, dass er seine Meinung klar vertritt», sagt Barbara Kunz. Sie könne durchaus auch mal etwas stehen lassen.
Aktuelles Fachwissen ist Familie Kunz wichtig
Die Generationengemeinschaft gibt es seit Anfang Januar 2026 auf dem Papier, gelebt wurde sie schon vorher. «Ich lerne meinen Sohn anders kennen und das erlebe ich als bereichernd», sagt Barbara Kunz. Sein Fachwissen verblüffe sie immer wieder. Wichtig ist allen dreien, auf dem neusten Stand zu sein. Barbara und Manfred Kunz informieren sich an Kursen und mit der Fachpresse, Hannes Kunz stärker über die digitalen Kanäle. Zudem schätzt Hannes Kunz den Blick über die Grenze in die grossen Agrarländer. «Da lassen sich Trends ablesen, etwa die sinkenden Milchpreise.»
Die Generationengemeinschaft stimmt für die drei: Manfred Kunz sagt, er sei es müde, immer wieder Entscheide treffen zu müssen. Auch die Agrarpolitik beschäftigt ihn. Die Vorstellung, dass er bestes Ackerland für Biodiversitätsflächen hätte aufgeben müssen, «das tat mir richtig weh», erinnert er sich an die Diskussion um die Pflicht zu 3,5 Prozent Biodiversitätsflächen auf Acker.

Er übernahm den Betrieb des Vaters als 25-Jähriger in Pacht und kaufte ihn 2001 aus der Erbengemeinschaft. Würde er den Betrieb bis zum Pensionsalter führen, wäre Hannes bei der Übernahme weit über 30 Jahre alt. «Das wollen wir nicht», sind sich die drei einig. Die Übergabe steht bereits im Raum, aber erst in vier bis fünf Jahren. Die Generationengemeinschaft gibt Vater, Mutter und Sohn Raum, Dinge auszuprobieren: zum Beispiel, ob es für die Zeitaufschreibung wirklich Zettel braucht oder – wie es sich Hannes wünschen würde – ein digitales System. Und die Flexibilität, Neues anzupacken, wie Barbara Kunz’ Ausbildung im Pflegebereich.
Betriebsspiegel der Familie Kunz
Manfred und Hannes Kunz, Ersigen BE LN: 15,7 ha; 5,7 ha Wald Bewirtschaftung: ÖLN Kulturen: Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Kunstwiese, Mais, Ökofläche, Erbsen im Vertragsanbau Tierbestand: 23 Milchkühe, 6 bis 8 Jungtiere (Aufzucht im Jura), pro Jahr ein Umtrieb Truten (20 Stück) Weitere Betriebszweige: Direktverkauf Trutenfleisch Arbeitskräfte: Hannes, Barbara und Manfred Kunz
Milchvieh, Ackerbau und wenige Truten
Familie Kunz kommt in unserer Jahresserie «Hofübergabe» regelmässig zu Wort. Im Gegensatz zur Familie Bader steht bei ihnen der Termin der Übergabe noch nicht fest. Seit Januar 2026 führen Manfred Kunz und sein Sohn Hannes den Betrieb in einer Generationengemeinschaft. Beim Vertrag haben sie sich vom Inforama Rütti beraten lassen. Barbara Kunz ist im Stundenlohn angestellt. Der Hauptbetriebszweig ist Milchproduktion: die 23 Milchkühe sind in einem Anbindestall, die Aufzucht hat Manfred Kunz zu einem Betrieb im Jura ausgelagert. Als 2003 die Käserei im Dorf wegfiel, stellte er auf Silomilch um. Die Milch wird täglich abgeholt. Der Ackerbau ist intensiv, mit Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Gerste und Weizen sowie Erbsen für Tiefkühlgemüse. Jedes Jahr tummeln sich 20 Truten in der «Hostet» in Ersigen. Ihr Fleisch verkauft Barbara Kunz direkt. Der Betrieb der Familie Kunz ist in der Dorfzone in Ersigen BE. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich: Die Idee, für die Milchkühe einen Laufstall zu bauen, wurde abgelehnt. Aussiedeln wollten Barbara und Manfred Kunz nicht. Möglich wäre hingegen, Wohnungen ins Bauernhaus oder in den Stall zu bauen.

