Kurz & bündig
- 2003 stellten Baders von der Milchviehproduktion auf Rinderaufzucht um. Dafür wurde ein neuer Stall mit Heustock gebaut. - Das Ziel war ein arbeitseffizienter Stall, damit Sibylle Bader die Arbeiten leicht erledigen kann. - Nebst der Rinderaufzucht bewirtschaften Baders noch Wald und betreiben ein Transportunternehmen, zudem haben sie eine Solaranlage.

Dass Familie Bader heute Aufzuchtrinder hält, ist ein reiner Zufall. Die Idee entstand in den Skiferien in Leukerbad VS. «Dort kam ein Mann mit Zipfelmütze zu uns und im Gespräch stellte sich heraus, dass er auch Landwirt ist. Er fragte mich, ob wir Aufzuchtrinder hätten. Bis dahin wusste ich gar nicht, was das ist», erinnert sich Josef Bader.
Der Mann erklärte ihm das Vorgehen der Rinderaufzucht und Josef Bader war schnell davon überzeugt. So nahm die Geschichte ihren Lauf und Baders stellten im Jahr 2003 auf Rinderaufzucht um.
Bis zur Hofübergabe per Ende 2028 bewirtschaften in erster Linie noch die Eltern den Betrieb und betreuen die Rinder. Bis dahin will aber Tochter Liliane Bader möglichst viel Wissen von ihren Eltern aufsaugen, damit sie bestens vorbereitet ist für die spätere Hofübernahme.
Neuer Stall hin, alter Stall weg
Sibylle und Josef Bader haben 1999 ursprünglich einen klassischen Milchviehbetrieb von Josef Baders Vater übernommen, doch das Gebäude mit dem Anbindestall war ziemlich alt. Damit die Tierschutzanforderungen weiterhin erfüllt werden konnten, musste investiert werden. «Da war die Frage, ob wir weiterhin in die Milchwirtschaft investieren wollen oder in was anderes», erzählt Josef Bader. Daneben war auch die Arbeitsbelastung ziemlich hoch, weil Josef Bader im Nebenerwerb das Transportunternehmen für gewerbliche Transporte aufbaute. Deshalb entschieden sich Sibylle und Josef Bader nach der Begegnung in den Skiferien, von Milchproduktion auf Rinderaufzucht umzustellen.
Dafür wurde sogar ein neuer Stall gebaut und der alte Anbindestall abgerissen. Baders bauten einen deckenlastigen Laufstall. Er bietet Platz für 64 Rinder, aufgeteilt in 5 Gruppen. Über dem Stall befindet sich der Heustock mit Heukran, womit das Futter durch eine Luke direkt ins Tenn gebracht wird.
Bei den Liegeboxen handelt es sich um Hochboxen mit einer weichen, BTS-tauglichen Gummimatte. Bei den gegenständigen Boxen wurde im Kopfbereich genügend Platz eingerechnet, damit bei Bedarf die Liegeboxen wieder auf das Format von Kühen eingestellt werden könnten. In den Laufgängen sind Spaltenböden. Der Bau mit diesem Entmistungssystem ermöglicht, dass die Stallarbeit effizient erledigt werden kann.
Ein neuer, arbeitseffizienter Stall
«Beim Stallbau war mir wichtig, dass die Arbeit im Stall möglichst einfach zu bewerkstelligen ist, da meistens Sibylle die Stallarbeit alleine erledigt», betont Josef Bader. Das bestätigt auch Sibylle Bader: «Wenn ich den Stall am Morgen sehr gründlich, aber gemütlich mache, dann brauche ich etwa eine Stunde für alles.»
Die praktische und unkomplizierte Stallarbeit motiviert auch Tochter Liliane Bader, diesen Betriebszweig weiterzuführen. «Wenn meine Eltern in den Ferien sind, dann kann ich problemlos morgens und abends den Stall machen und tagsüber meiner auswärtigen Tätigkeit nachgehen.» Sie möchte die Rinderaufzucht auch nach der Hofübernahme mit ihrem Partner Thomas Ackermann zusammen weiterführen und gleichzeitig ihr Auswärtspensum aufrechterhalten.

Die Rinder werden immer von den vier bis fünf gleichen Züchtern zu Baders in die Vertragsaufzucht gebracht. «Sobald die Tiere aus dem Anhänger aussteigen, sind wir für sie verantwortlich», sagt Sibylle Bader. Sie nimmt den Auftrag für die Aufzucht sehr ernst und will sich gut um die Tiere kümmern. Auch Liliane Bader will sich der Verantwortung Schritt für Schritt annehmen.
«Liliane nimmt es sehr ernst, Kontakt zu den Züchtern zu haben. Manchmal schauen Sibylle und ich, dass wir extra nicht auf dem Hof sind, damit Liliane mit den Züchtern verhandeln kann», erzählt Josef Bader. «Bald werde ich selbst den Betrieb führen und die Verantwortung für die Rinder tragen, deshalb möchte ich bereits jetzt den Kontakt zu den Züchtern pflegen», erklärt Liliane Bader.
Die Umstellung auf Bio war naheliegend
Für Baders war die Umstellung auf die Rinderaufzucht der richtige Schritt. Diese bietet trotz der Aufgabe der Milchproduktion ein regelmässiges Einkommen dank der Tagespreise. «Ausserdem ist der Absatz gesichert. Jeder Züchter kommt seine Tiere kurz vor dem Abkalben wieder abholen. Vorher mussten wir selbst schauen, dass wir die Kälber verkaufen konnten», erzählt Josef Bader. Auch die Haltung ist deutlich einfacher. Die Rinder werden im Sommer vorwiegend auf der Weide gehalten – Tag und Nacht. «Wir haben auch den Weidebeitrag angemeldet», sagt Josef Bader. Im Stall wird mit hofeigenem Dürrfutter gefüttert. Der Hof befindet sich an einem Nordhang, weshalb die Futtergrundlage für die Milchproduktion nicht ausreichend war.
Deswegen werden die jungen Rinder bis im Alter von 10 Monaten in der Nacht jeweils im Stall gehalten und gefüttert. «Mit unserer Futtergrundlage ist es schwierig, junge, frisch abgetränkte Rinder von Milchviehrassen ausreichend zu füttern», erklärt Josef Bader. Baders möchten möglichst viel weiden, aber gleichzeitig auch schöne, gesunde Tiere aufziehen. Deshalb hat er bei der Gruppe mit den jüngsten Rindern einen Futterautomaten installiert mit Transponder, damit er diese individuell zufüttern kann.
Im Jahr 2019 wurde der Betrieb auf Bio-Verordnung umgestellt. Das bot sich an, da mit den Aufzuchtrindern keine Lebensmittel mehr auf dem Hof produziert werden und auch vorher kaum Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden. «Seit der Umstellung auf Bio brauchen wir den Futterautomaten kaum mehr, da die Kälber bereits älter zu uns kommen. Vorher kamen sie manchmal bereits im Alter von 3 Monaten, frisch abgetränkt», erinnert sich Josef Bader.
Für jede Generation ein eigenes Projekt
Familie Bader nimmt die Verantwortung für die fremden Tiere sehr ernst. «Aber es sind halt nie die eigenen Tiere», entgegnet Sibylle Bader. In der Familie kristallisierte sich nach und nach der Wunsch nach eigenen Rindern heraus. Deshalb haben Josef und Sibylle Bader zwei Simmentalerrinder gekauft, die sie aufziehen und als Mutterkühe verkaufen. Josef Bader hat gesehen, dass auch seine Tochter Freude an den eigenen Tieren hat.
«Ich könnte mir gut vorstellen, nebst den Aufzuchtrindern selbst noch ein paar Mutterkühe zu halten», sagt Liliane Bader. Das wäre ein weiteres Bauprojekt auf dem Hof von Baders. Josef Bader hat bereits vor einem Jahr einen Plan für eine Remise mit integriertem Mutterkuhstall für zehn Kühe eingereicht und die Bewilligung bekommen. Das würde auch Sibylle Bader gefallen: «Ich finde es gut, wenn die Jungen ihr eigenes Projekt haben, so wie wir damals unseres hatten mit den Aufzuchtrindern.» Beim neuen Stall stellt sich noch die Frage, ob die abtretende oder die angehende Generation den Stall finanzieren soll. Eine Frage, die in einer späteren Ausgabe der «die grüne» beantwortet wird.
Nebst Aufzuchtrindern noch Wald, Solar und Transport
Neben den Aufzuchtrindern bewirtschaften Baders 8 Hektaren Wald. Josef Bader betrieb bis vor einem Jahr noch den Transport und Handel mit Energieholz – meistens Holzschnitzeln. Damit hat er aber aufgehört, weil es zu schwierig war, qualifizierte Fahrer zu finden. Deshalb bewirtschaftet er jetzt nur noch den eigenen Wald. Pro Jahr werden rund 400 m3 Schnitzel verkauft. 70 m3 brauchen Baders für die hauseigene Schnitzelheizung.
Ob Liliane Bader den Wald weiterhin selbst bewirtschaften wird, steht noch offen. Josef Bader äussert hier gewisse Bedenken: «Unsere Waldparzellen sind alle am Hang, was die Bewirtschaftung ziemlich gefährlich macht.» Die Waldbewirtschaftung könnte daher problemlos auch ausgelagert werden.
Ein weiterer kleiner Betriebszweig ist die Solaranlage auf dem Stalldach. Die 30-kW-Solaranlage produziert jährlich etwa 36 000 kW Strom, ausgestattet mit einem 22 kW Stromspeicher. Damit ist der Betrieb zu 90 Prozent autark. «Einzig in den Wintermonaten Dezember und Januar müssen wir etwas Strom zukaufen», sagt Josef Bader. Das zweite Standbein von Josef Bader ist das Transportunternehmen für gewerbliche Transporte. Mit Traktoren und verschiedenen Anhängern kann er verschiedenste Bauteile transportieren.

Von Leimbindern über Kräne bis zu Fertighaus-Bauteilen ist vieles möglich – sogar mit Überlänge und Sonderbewilligung. Auch die Idee dieses Standbeins war wieder ein reiner Zufall. Als Josef Bader in jungen Jahren nebst dem Hof noch als Zimmermann arbeitete, hatte sich im Futterbau die Produktion von Rundballen allmählich verbreitet. Gleichzeitig waren aber die Landwirtschaftsbetriebe für deren Transport noch nicht eingerichtet.
«Damals hatte kaum jemand einen Hoflader», erinnert sich Josef Bader. Da er bereits auf Energieholztransport spezialisiert war, hatte er einen Kran, um Holzbündel zu verladen. Nach und nach transportierte er damit auch Rundballen.
Damit rutschte Josef Bader allmählich auch ins Baugewerbe. Das wurde wegen der grünen Landwirtschaftskennzeichen problematisch. Deshalb sind die Traktoren heute alle mit weissen Kennzeichen eingelöst. «Ich habe extra nie auf LKW umgestellt, weil ich mit Traktoren viel flexibler bin und einfacher Chauffeure finde, die keinen LKW-Ausweis benötigen», erklärt Josef Bader. Er selbst fährt nicht mehr so viel, sondern ist mehr mit Telefonieren und Koordinieren beschäftigt.
Das Fahren übernehmen hauptsächlich Teilzeitangestellte. Das Transportunternehmen ist nicht eine separate Firma, sondern läuft über die Betriebsbuchhaltung. «Ende Jahr gibt es jeweils einen Abschluss über alles», erklärt Josef Bader. Das Transportunternehmen will er auch nach der Hofübergabe noch bis zur Pensionierung weiterführen. Wer dieses einmal übernehmen wird, ist noch nicht klar. Josef Bader könnte sich auch vorstellen, es zu verkaufen. Er ist zwar erst 57-jährig, hat sich aber bereits viele Gedanken dazu gemacht. Doch zuerst folgt mal die Hofübergabe.
Betriebsspiegel der Familie Bader
Josef (57) und Sibylle (54) Bader, Mümliswil-Ramiswil SO LN: 36 ha Kulturen: Grünland, 8 ha Wald Tierbestand: 55 bis 60 Aufzuchtrinder, 2 Pferde Weitere Betriebszweige: Transportunternehmen für gewerbliche Transporte und Kranarbeiten, 30-kW-Solaranlage mit Stromspeicher, Verkauf von Holzschnitzeln Arbeitskräfte: Josef und Sibylle Bader

