Trockenheit, Überschwemmungen oder Starkregen stellen die LandwirtInnen vor Herausforderungen. 2024 hat Agroscope im Auftrag von Schweizer Hagel, Fenaco und dem Schweizer Bauernverband (SBV) die Studie «Klimaresilienter Ackerbau 2035» erstellt. Dabei stand das Thema Trockenheit im Zentrum.
Die Studie geht davon aus, dass die konsequente Umsetzung der guten landwirtschaftlichen Praxis den Boden bereitet für einen Ackerbau, der sich an den Klimawandel anpasst. Als Pfeiler nennt die Studie die Züchtung von trockenheits- und hitzeresistenten Sorten, deren Anbau und das Weiterentwickeln von Anbausystemen- und -techniken. Bewässerung spielt eine Rolle, doch immer als zusätzliche Massnahme und nicht als alleinige, um dem Klimawandel zu begegnen.
Versicherungen als Schutz bei Wetterextremen
Dennoch braucht es in Jahren mit ausgeprägten Wetterextremen für diesen Ackerbau ein schützendes Dach in Form von Versicherungen. In der Schweiz haben alle Versicherer eine Elementarschadenversicherung im Angebot. Diese deckt Schäden an Gebäuden und grossen Teilen des Inventars zu vorgeschriebenen Konditionen. Kulturen gehören nicht dazu.
Bei der Mobiliar lassen sich einjährige Kulturen versichern, bei der Schweizer Hagel Ackerbau, Baumschulen, Garten- und Gemüsebau, Gras, Obst und Beeren, Tabak und Wein. Die Schweizer Hagel stellt jedoch klar, dass sie nicht jedes Risiko bei jeder Kultur versichere: So ist der Versicherungsschutz für Staunässe nur bei Kartoffeln und Zuckerrüben im Angebot. Die Schadenssummen von Naturereignissen sind hoch. Esther Böhler von der Schweizer Hagel sagt, dass bei den Wasserereignissen Überschwemmungen und Staunässe die grössten Schäden verursachten. Die Ertragseinbussen seien bei Erdrutschen relativ gering, dafür fallen Kosten für die Wiederherstellung des Kulturlandes an. Diese können ebenfalls versichert werden.
Andreas Stucki von der Emmental Versicherung sagt, dass die letzten grossen Elementarereignisse in den Kantonen Wallis und Tessin stattgefunden hätten. «Davon waren nur wenige unserer Kunden betroffen», so Stucki. Über den Elementarschadenpool hingegen leistet die Emmental Ausgleichszahlungen, welche die Millionengrenze überschreiten.
Jürg Thalmann von der Mobiliar sagt, dass kleinräumige, aber massive Überschwemmungen in den letzten Jahren zugenommen hätten.
Vorbeugen durch Forschung, Beratung und Anpassung
Präventionsarbeit ist bei allen drei Versicherungen ein Thema, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Während die Emmental Versicherung nicht direkt mit Forschungsstellen zusammenarbeitet, beteiligt sie sich mit Verbands-Kommissionsarbeit indirekt daran.
Anders sieht es bei der Mobiliar aus: So erforscht das Mobiliar Lab für Naturrisiken an der Universität Bern die an Hagel, Hochwasser und Sturm beteiligten Prozesse und die Schäden, die daraus entstehen. Die Erkenntnisse münden zum Beispiel im Handbuch «Entscheidungshilfe Oberflächenabfluss». Darin steht konkret, welche Werkzeuge Akteure aus der Landwirtschaft darin unterstützen, mit der Gefahr von Oberflächenabfluss umzugehen. Ausserdem engagiert sich die Mobiliar stark in der Hagelforschung, die zu einem besseren Verständnis von Hagel und Präventionsstrategien führen soll.
Bettina Koster ist bei der Schweizer Hagel für Nachhaltigkeit verantwortlich und für das Förderangebot Hagel Adapt zuständig. «Ziel ist, mit Hagel Adapt unsere Versicherten sowie auch Partner im landwirtschaftlichen Netzwerk bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen», so Koster. Dabei geht das Angebot davon aus, dass Versichern alleine nicht ausreichend ist, um sich an den Klimawandel anzupassen.
«Der Fokus der Betriebe muss auf der Anpassung liegen, um Erträge zu sichern und damit sicherzustellen, dass die vom Klimawandel getriebenen Risiken wie Trockenheit, Spätfrost und Starkregen auch zukünftig versicherbar bleiben.» Wer bei Hagel Adapt mitmacht, profitiert von Rabatt auf Weiterbildungen und kann Unterstützungsgesuche für Projekte auf dem Betrieb einreichen, die sich zum Beispiel mit Wassermanagement oder Bodenaufbau befassen.
Die Schweizer Hagel arbeitet immer wieder in Projekten mit Forschungsorganisationen zusammen und engagiert sich im «Forum für nachhaltiges Wassermanagement in der Landwirtschaft».
Das Wasser im Boden halten und für die Landwirtschaft nutzen
Auch «Slow Water» ist ein Projekt, das versucht, die Schweizer Landwirtschaft auf den erhöhten Wasserbedarf vorzubereiten. Das Projekt wird vom BLW unterstützt und vom Ebenrain-Zentrum (BL) sowie dem Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Luzern getragen. Sereina Grieder vom Ebenrain erklärt, dass das Projekt in einem Projektperimeter durchgeführt (elf Gemeinden Basel-Landschaft, sechs Gemeinden Luzern) werde. Gemeinsam mit rund 50 Landwirtschaftsbetrieben wird ein Retentionskonzept mit Massnahmen erstellt. Es gibt sowohl bewirtschaftungstechnische (etwa Untersaaten im Getreide oder Humusaufbau) als auch hydrotechnische und bauliche Massnahmen (etwa Retentionsteiche mit/ohne Versickerung, Regenwassersammlung von Dächern oder Versickerungsgräben), die im Projekt unterstützt werden.
Welche Präventions- oder Versicherungslösungen für den eigenen Betrieb sinnvoll sind, bleibt eine individuelle Entscheidung. Auf jeden Fall braucht es Beratung, sei es von den landwirtschaftlichen Schulen oder den Versicherungen.
Die Elementarschadenversicherung
Weil Naturereignisse enorme Schäden anrichten können und dadurch eine hohe sozialpolitische und wirtschaftliche Bedeutung haben, ist die private Elementarschadenversicherung detailliert gesetzlich geregelt. Alle Gesellschaften, die in der Schweiz eine Feuerversicherung anbieten, müssen gleichzeitig die Elementarrisiken in der Versicherung einschliessen. Die neun versicherten Gefahren sind Hochwasser, Überschwemmung, Sturm, Hagel, Lawinen, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag und Erdrutsch. Versichert sind alle Gebäude und die Fahrhabe (Hausrat und Inhalt der Gebäude). In 19 Kantonen gibt es kantonale Gebäudeversicherungen, in den Kanonen Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis und Obwalden sowie im Fürstentum Liechtenstein sind die Gebäude bei den Privatversicherungen versichert. Da die Schäden enorm hoch sein können, gibt es für den Schadenausgleich unter den Versicherungsunternehmen einen Elementarschadenpool. Dieser ermöglicht auch eine Einheitsprämie für die Versicherten. Der Schweizerische Versicherungsverband SVV hat eine ausführliche Broschüre zur Elementarschadenversicherung publiziert.

