Kurz & bündig
- Die Zahl der Schweizer Höfe nimmt ab, während ihre Durchschnittsgrösse wächst. - Betriebsleitende steigen aufgrund komplexer Betriebe und längerer Ausbildungen später ein. - Höhere Fixkosten und wachsender Investitionsbedarf erhöhen den wirtschaftlichen Druck.
Dass Liliane Bader den Betrieb in Mümliswil SO von ihren Eltern übernimmt, ist heutzutage keine grosse Sache mehr.
Markus von Gunten, Berater, Coach und Standortleiter am Inforama Emmental in Bärau, beobachtet seit Jahren, was im Agrarbericht 2025 mit Zahlen belegt wird: Die Zahl der Betriebe, die von Frauen geführt werden, nimmt zu. Zwar sind 7,7 Prozent noch immer wenig. Doch auch die Vollzeitbeschäftigung steigt bei den Frauen, während sie bei den Männern rückgängig ist. Bei den Lernenden im Beruf LandwirtIn EFZ liegt der Frauenanteil bei 25 Prozent (Schuljahr 2025/26).
«In der Tendenz sind es aber nicht Bäuerinnen, die übernehmen», sagt Markus von Gunten. Die Erstausbildung als LandwirtIn EFZ sei verbreitet und eröffne mit den Möglichkeiten der höheren Berufsbildung, sich in der vor- oder nachgelagerten Branche ein Standbein aufzubauen.
Komplexe Betriebe brauchen gut ausgebildete Betriebsleitende
In der Tendenz werden die Betriebe komplexer, die Anforderungen an die Betriebsleitenden steigen: Sie sind länger mit Ausbildungen beschäftigt und übernehmen später. Das beobachtet Hansjürg Jäger, Dozent für Agrarpolitik und -märkte an der BFH-HAFL. «Wenn mit 35 statt mit 25 Jahren übernommen wird, müssten die Rahmenbedingungen, etwa für die Starthilfe, angepasst werden», schlägt er vor.
Mit einem Blick auf die Alterspyramide sagt Jäger, dass es wohl nie mehr so einfach sein werde, einen Betrieb zu übernehmen, wie in den nächsten zehn Jahren.

In den Jahren 2026 bis 2030 erreichen gemäss der Agroscope-Studie zur Altersstruktur von Alexander Zorn (Januar 2025) rund 7000 Betriebsleitende das Pensionsalter. Spannend ist ein kurzer Blick über die Grenze: 2020 war ein Drittel der BetriebsleiterInnen in der EU 65-jährig oder älter. Die Überalterung ist in den Nachbarländern also noch deutlich höher.
Was die Herausforderungen aber nicht einfacher macht: Das erlebt Markus von Gunten in seinem Alltag als Berater. «Die Betriebe sind dynamisch und passen sich an.» Doch wenn es darum gehe, das Budget zu berechnen, komme der eine oder andere ins Staunen und frage sich, wie die abgebende Generation über die Runden gekommen ist. «Die ältere Generation investiert tendenziell zurückhaltender und lebt bescheiden», sagt er.
Höhere Fixkosten und Investitionen brauchen mehr Einkommen
Sobald eine Familie übernehme, brauche es durch höhere Fixkosten (Schuldzinsen, Amortisationen usw.) mehr Einkommen. Dazu komme der Investitionsbedarf. Von Gunten unterscheidet zwischen objektivem und subjektivem Bedarf: Objektiv nötig seien Investitionen wie den Vorgaben entsprechende Ställe oder Mistplätze. Subjektiv sei zum Beispiel der Standard der Mechanisierung oder der Wohnkomfort, also etwa der Wunsch nach einem neuen, grösseren Traktor oder einem moderneren Bad.
Das Fazit sei oft, dass es ein Einkommen brauche, das ausserhalb des Betriebs erwirtschaftet werde, um die Investitionen zu ermöglichen. Als Folge werde dann ein Betrieb, der von den Eltern noch hauptberuflich bewirtschaftet werde, zum Nebenerwerbsbetrieb.
Klare Tendenz zu weniger, aber grösseren Betrieben
Die Zahlen aus der Strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik stützen auch diese Beobachtung: Die Gesamtanzahl der Betriebe nimmt seit Jahren ab, der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe liegt mittlerweile bei knapp 30 Prozent. Definiert ist ein Haupterwerbsbetrieb so: Der Betrieb hat ein Arbeitsvolumen von mindestens 1500 Stunden/Jahr (gemäss ART-Normen) und die Betriebsleitenden sind zu mindestens 50 Prozent der Erwerbstätigkeit auf dem Betrieb angestellt.

Wird ein Betrieb im Nebenerwerb bewirtschaftet, verändert das die Betriebszweige. «Im Emmental gibt es eine klare Tendenz von der Milchwirtschaft zur Mutterkuhhaltung», sagt Markus von Gunten. Dies ermögliche den Betrieben, weiterhin etwas zur Lebensmittelversorgung beizutragen, gebe aber die Flexibilität, auswärts zu arbeiten. Im Emmental finden viele Landwirte auf dem Bau Arbeit, aber auch bei den Gemeinden im Strassen- oder Betriebsunterhalt. Das helfe, die Maschinen auszulasten, etwa im Winterdienst.
Die Milchproduktionsbetriebe haben gemäss Agrarbericht 2025 in den letzten 25 Jahren um die Hälfte abgenommen, 2024 gab es noch 8290 Betriebe im Tal- und 8358 im Berggebiet. Die durchschnittliche Grösse ist aber von 19,1 auf 29,7 ha gestiegen. Auffällig ist, dass die Anzahl der grösseren Betriebe mit über 50 ha um rund drei Prozent zugenommen hat.
Angepasste Organisationsformen und Vielfalt sind gut fürs System
Erfreulich findet Hansjürg Jäger, dass 2024 das Einkommen überall über der Teuerung liege. Dennoch sei der Trend da, dass es einen Zuerwerb brauche. Die grossen Betriebe seien diversifiziert und stellten durch ihre Komplexität hohe Anforderungen an die Betriebsleitenden: Das bedinge eine gute Ausbildung und auf den Betrieb angepasste Organisationsformen.
«Die Vielfalt der Betriebe ist gut fürs Gesamtsystem und beugt Versorgungsengpässen vor», sagt Hansjürg Jäger. Er befürwortet, dass ganz unterschiedliche Betriebsformen (vom Familienbetrieb bis zu Genossenschaftsmodellen) nebeneinander existieren können. Mit Blick auf die Teilrevision des bäuerlichen Bodenrechts hofft er, dass mehr Optionen geschaffen werden, damit jeder Betrieb die optimale Organisationsform für seine Strategie finden kann.

