Kurz & bündig
- Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile nicht mehr nur ein interessantes Forschungsgebiet, sondern durchdringt branchenübergreifend den Alltag. - Maschinen oder Überwachungssysteme, die mit oft hohen Investitionskosten einhergehen, eignen sich mitunter nur für Betriebe mit hohen Tierzahlen oder grossen Flächen. Die Maschinen überbetrieblich zu teilen, ist auch eine Option. - KI trägt aber nicht nur zur Effizienzsteigerung bei, sondern verbraucht auch extrem viel Energie. - Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass Rechenzentren weltweit im Jahr 2024 etwa 415 Terawattstunden (TWh) Strom verbrauchten, was ungefähr 1,5 Prozent der globalen Stromnachfrage entspricht.
Im Jahr 1985 erschien der Film «Zurück in die Zukunft». Der Wissenschaftler Doc Brown reiste darin gemeinsam mit Marty McFly unter anderem ins Jahr 2015. Rückblickend ist es interessant, zu vergleichen, wie sich die Filmemacher die Welt 30 Jahre in der Zukunft vorgestellt haben.
Überträgt man dies auf die Landwirtschaft und reist ins Jahr 2025, hätten es sich die Bauern wahrscheinlich auch nicht träumen lassen, was heutzutage möglich ist: im Pflanzenbau mittels künstlicher Intelligenz (KI) Unkräuter automatisch erkennen und bekämpfen oder durch Satellitentechnik exakte Ertragskartierungen der Felder anfertigen lassen; in der Tierhaltung die Wiederkauaktivität der Kühe durch einen Datensensor in deren Pansen überwachen oder durch intelligente kameragestützte Systeme Verhaltensanomalien in den Geflügel- oder Schweinebeständen früh erkennen und verhindern.
Künstliche Intelligenz als neues Werkzeug, das Wissen braucht
All dies hätte für die Landwirte weitab ihrer betrieblichen Realität gelegen. Aber tut es dies nicht für einige, wenn nicht sogar die meisten, heute noch immer? Welche betrieblichen Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit KI-Anwendungen erfolgreich Einzug auf dem heimischen Hof halten können?

«Mit der KI kommt ein neues Werkzeug in den Werkzeugkasten. Dieses benötigt aber, wie jedes Werkzeug, entsprechendes Wissen, hier in Form von digitaler Kompetenz. Und natürlich auch Zeit zur Erhebung von Daten und vor allem auch zu deren Auswertung», sagt Florian Bachmann, Projektleiter der Swiss Future Farm in Ettenhausen TG.
«KI wird alle Lebensbereiche durchdringen.»
Florian Bachmann, Swiss Future Farm
Klar ist auch: Mit der Anwendung von KI können hohe Investitionen verbunden sein. Betriebe, die über grosse Flächen verfügen oder die Maschinen überbetrieblich teilen, sind hier im Vorteil. Denn durch viele Arbeitsstunden amortisiert sich die Investition entsprechend schneller.
Der Projektleiter stellt einen Praxisbezug im Ackerbau her: «Grundsätzlich müssen Betriebe über Mittel verfügen, um die Informationen aus automatisierten Systemen auch zu verarbeiten beziehungsweise zu nutzen. Eine Kartierung von Problemunkräutern ist vor allem dann spannend, wenn auch die Technik vorhanden ist, um diese gezielt behandeln zu können.» Das hiesse, dass der Betrieb über eine Pflanzenschutzspritze mit entsprechender Applikationstechnik verfügt.
Je nach Unkrautdichte könne eine Karte aber auch für die manuelle Bekämpfung nützlich sein und den Zeitaufwand reduzieren. Für die Einzelpflanzenerkennung sei jedoch entsprechend hoch aufgelöstes Bildmaterial nötig. An einer entsprechenden Drohne und Kamera führe daher kein Weg vorbei, so Bachmann. Er ordnet weiter ein: «Preislich landet man da rasch in einem Bereich, in dem es fraglich ist, ob sich die Investition für den einzelnen Betrieb lohnt. Alternativ können Drohnen auch vom Lohnunternehmer kommen.»
Zeitaufwand und Kosten sind nicht zu unterschätzen
Der Zeitaufwand für die Befliegung und Erstellung der Karten dürfe ebenfalls nicht unterschätzt oder verschwiegen werden, gibt Bachmann zu bedenken. Die Drohne wäre unter Umständen auch für die Erstellung von Vegetationsindizes nutzbar. Oft reiche es jedoch, diese über einen Satelliten zu beziehen, was weitaus kostengünstiger sei.
Produkte wie etwa Chatbots, Wettervorhersagen, Bildanalysen oder sonstige Dienste, die Daten online verarbeiten, haben im Vergleich mit Maschinen den Vorteil, dass sie nicht teuer sein müssen. Die Infrastruktur wird nicht selbst angeschafft, einzig ein Internetanschluss und gewisse Kosten des Anbieters entstehen. Um solche Technologie zu nutzen, müssen nicht direkt 10'000 Franken oder mehr investiert werden.
«Man kann die onlinebasierten Dienste ohne grosses Risiko testen. Ein Augenmerk muss in diesem Zusammenhang auf die Datenschutzrichtlinien des Anbieters gelegt werden. Die Frage, was mit den hochgeladenen Daten geschieht, sollte bedacht werden.»
Denkt man bei KI in der Landwirtschaft an eine komplette, neue Maschine, gelten dieselben Regeln wie für jede Investition: Sie muss korrekt berechnet werden und sich lohnen. «Tendenziell ist es schon denkbar, dass kleinere Betriebe mit begrenzteren Investitionsmöglichkeiten hier das Nachsehen haben, verglichen mit Grossbetrieben, welche über andere Flächen und Volumen verfügen. Das ist aber nicht einmal spezifisch für KI. Das ist ein grundsätzliches Problem von immer umfangreicheren und damit auch teureren Maschinen», sagt Florian Bachmann.
KI hilft im Alltag, kritisches Hinterfragen ist aber nötig
In der Schweiz sind (im internationalen Vergleich) viele Betriebe kleinstrukturiert. Grosse, weitläufige Flächen gibt es in vielen Regionen nicht. Der Agrarbericht 2025 schreibt, dass die Betriebe 2024 ihre durchschnittliche landwirtschaftliche Nutzfläche um 30 Aren auf 22,1 Hektaren vergrösserten. Gemäss SMP halten milchproduzierende Betriebe im Durchschnitt 29 Kühe. Passt der KI-Einsatz überhaupt zur Schweizer Landwirtschaft?
«Ich denke, KI wird über kurz oder lang, direkt oder indirekt, alle Lebensbereiche durchdringen. Auch die Schweizer Landwirtschaft», erklärt Bachmann. Denn abseits von Maschinen, automatisiertem Herdenmanagement oder kameragestützter Überwachung gibt es Bereiche, in denen KI im Alltag nützlich ist, egal, wie die betriebliche Situation ist: zum Beispiel mit KI-optimiertem Text für den Hofladen oder die Website oder der KI-gestützten Vereinfachung von Verwaltungstexten oder Gesetzesänderungen. Auch zu Recherchezwecken oder zum Zusammenfassen von Vorträgen oder Newslettern ist die KI von Nutzen.
«Man muss einfach das Rüstzeug und Wissen haben, um die generierten Antworten kritisch zu hinterfragen. Denn fachliche Fehler schleichen sich noch oft ein», gibt Bachmann zu bedenken. Obwohl sie nicht fehlerfrei ist, ist die KI-Nutzung bereits in der Gesellschaft angekommen. Sie hat sich von einem futuristischen Forschungsthema in zahlreichen Branchen zu einer Fähigkeit entwickelt, etwas grundlegend zu verändern und neu zu gestalten.
KI braucht Strom und eine spezielle Klimaanlage
Spartenübergreifend geht damit das Versprechen einher, effizienter und ressourcenschonender arbeiten zu können. Doch welche Infrastruktur ist zur Bereitstellung von KI-Anwendungen überhaupt notwendig?
KI-Anwendungen werden durch die Leistung von Rechenzentren ermöglicht. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von miteinander verbundenen Rechnern. Dieses wiederum benötigt unter anderem eine zuverlässige Stromversorgung und eine spezielle Klimaanlage, um Daten effizient und sicher zu verarbeiten und bereitzustellen. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass Rechenzentren weltweit im Jahr 2024 etwa 415 Terawattstunden (TWh) Strom verbrauchten, was ungefähr 1,5 Prozent der globalen Stromnachfrage entspricht. Ein einzelnes Rechenzentrum mittlerer Grösse (zwischen 1000 und 5000 m2) kann eine Leistung zwischen 500 kW und 2 MW benötigen, was einem jährlichen Verbrauch von etwa 0,7 bis 8,8 Gigawattstunden (GWh) entspricht.
SRF berichtete Ende Juni 2025, dass auch in der Schweiz, angetrieben durch die digitale Transformation, immer mehr Rechenzentren gebaut werden. Flächen, die sich dafür anbieten, eignen sich topografisch auch zur landwirtschaftlichen Nutzung. «Von der Landwirtschaft zur Datenwirtschaft», schreibt SRF dazu. Microsoft investiert aktuell 400 Mio US-Dollar in den Bau von Rechenzentren in der Nähe von Genf, die Firma Green Datacenter baut in der Nähe von Zürich und das Unternehmen NorthC investiert in einen Standort bei Basel.

«Diese Infrastruktur muss den gesamten KI-Lebenszyklus unterstützen: von der Datenerfassung und -vorverarbeitung über das Modelltraining, die Datenvalidierung und den Einsatz bis zum langfristigen Monitoring. Da KI-Modelle zunehmend komplexer werden und insbesondere Robotik und intelligente Systeme Echtzeitleistungen erfordern, wird die Infrastruktur sowohl zu einer technischen als auch zu einer strategischen Grundlage», ordnet Dejan Šeatović, Leiter des Instituts für Intelligente Systeme und Smart Farming an der Ostschweizer Fachhochschule, ein.
«Infrastruktur ist die technische und strategischeGrundlage von KI.»
Dejan Šeatović, Ostschweizer Fachhochschule
Er erklärt, dass die Infrastruktur der KI-Anwendungen im landwirtschaftlichen Bereich jener aus anderen Bereichen wie dem Gesundheits- oder Bauwesen sehr stark ähnelt. Der Energieverbrauch der Rechenzentren sowie die Wiederverwendung von Energie für sekundäre Zwecke – etwa zum Heizen von Sporthallen, Schwimmbädern oder Schulen – sollen in Zukunft insgesamt erschwinglicher werden, so Šeatović.
Den CO2-Fussabdruck von KI im Auge behalten
Der Institutsleiter weist darauf hin, dass der CO₂-Fussabdruck von KI ein wachsendes Problem sein kann und grossflächige KI-Einsätze im Kontext der Rechenzentrumsinfrastruktur zum Beispiel in Sachen Kühlung näher betrachtet werden müssen. Effizienzsteigerungen in den Bereichen Hardware, Software, Kühlung und Dekarbonisierung des Stromnetzes werden künftig entscheidend sein, um den CO₂-Fussabdruck bei zunehmender Nutzung von KI beherrschbar zu halten, damit die durch den KI-Einsatz an einem Ende eingesparten Ressourcen nicht am anderen Ende wieder doppelt und dreifach verbraucht werden.

