Kaum Biokartoffeln im Jahr 2024, extrem trockene Felder im Sommer 2023, überschwemmte Flächen 2021, trockener Juni im Jahr 2025: Wer an die letzten Jahre zurückdenkt, wird sich an die Extremereignisse zurückerinnern. Für das Schweizer Mittelland lässt sich festhalten, dass das Sommerhalbjahr 2025, bezogen auf Temperatur und Niederschlag, im Vergleich eher warm und feucht war, das Sommerhalbjahr 2023 eher warm und trocken.
Wetterextreme sind für die Landwirtschaft herausfordernd. Der Ruf nach robusten Sorten, angepasster Bewirtschaftung und allenfalls sogar neuen Tierarten mag verständlich sein, ist aber nicht für alle Betriebe gleich einfach zu erfüllen.
Gerade Wasser spielt bei Extremereignissen eine grosse Rolle: Gemäss den Anfang November 2025 veröffentlichten Klimaszenarien für die Schweiz werden Starkniederschläge langfristig in allen Jahreszeiten zunehmen. Erwartet werden vor allem heftige Gewitterniederschläge, die in kürzester Zeit fallen: eine Albtraumvorstellung, wenn die Getreideernte bevorsteht.
Doch auch das Gegenteil droht: Hitzeereignisse betreffen besonders Regionen in tieferen Lagen. Wegen trockenerer Sommer werden die Böden zunehmend austrocknen. Das war in den letzten rund 40 Jahren schon der Fall und wird intensiver.
Kaum Zahlen zur landwirtschaftlichen Wassernutzung
Was also sollen LandwirtInnen tun? Denn wenn Wasser knapp wird, nehmen die Nutzungskonflikte zu. Um das wertvolle Gut gerecht zu verteilen, braucht es Zahlen als Grundlage: Welche Kulturen werden wo wie intensiv bewässert?
Doch Zahlen zur landwirtschaftlichen Wassernutzung für Bewässerung sind bislang sehr lückenhaft. Agroscope hat im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt eine Methode zur Schätzung der Verbrauchsmengen entwickelt. Die Kulturen mit dem grössten Wasserverbrauch waren Gemüse, Obst und Grünflächen. Annelie Holzkaemper von Agroscope erklärt, dass mit Grünflächen Wiesen und Weiden und auch Kunstwiesen gemeint seien. «Diese Flächen werden in den meisten Teilen der Schweiz wenig bewässert. Bewässert werden Kunstwiesen hauptsächlich bei der Ansaat.» Im Wallis würden Grünlandflächen aber traditionell bewässert, und auch im Engadin sei das nicht unüblich, so die Forscherin.
Die Agroscope-Methode hat sich für warm-trockene Jahre (2022 und 2023) als gute Schätzung erwiesen, fürs nasse Jahr 2021 aber nicht. Entsprechend braucht es genauere Informationen zu bewässerten Kulturflächen.
Denn gemäss den Berechnungen auf Basis der Klimaszenarien CH2018 steigt der geschätzte Wasserverbrauch bis Ende des Jahrhunderts im Mittel um 21 Prozent, wenn keine Klimaschutzmassnahmen getroffen werden. Mit moderatem Klimaschutz steigt der Verbrauch um 6 Prozent.
Trockenheitsplattform als Hilfsmittel für die Landwirtschaft
Was tun also? Um kurzfristig etwas besser gewappnet zu sein, können LandwirtInnen seit Mitte 2025 unter www.trockenheit.ch die Trockenheitsplattform des Bundes nutzen. «Zurzeit liegen noch keine sektorspezifischen Nutzerzahlen vor. Gemessen an der Nachfrage nach Präsentationen zum Thema, ist das Interesse an der neuen Plattform vonseiten Landwirtschaft jedoch relativ gross», sagt Fabia Hüsler, die Leiterin des Trockenheitsprogramms beim Bundesamt für Umwelt. «Wir gehen davon aus, dass vor allem die Langfristvorhersagen für Niederschlag und Abfluss interessieren.» Für 2026 seien Verbesserungen beim Trockenheitsindikator und der Nutzerfreundlichkeit geplant.

Auch das «Forum nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft» unterstützt mit Wissen und vernetzt LandwirtInnen, zum Beispiel in den Arbeitsgruppen Bewässerungstechnik oder Bodenfeuchtesensoren. Langfristig braucht es Anpassungen sowie Präventionsmassnahmen. Dazu kann gehören, Wasser im Boden zu speichern oder gezielt Risiken zu versichern.
Informationen, Wissen und Netzwerk
Das «Forum nachhaltiges Wassermanagement in der Landwirtschaft» besteht aus einem Verein und einer Wissensplattform. Die Geschäftsstelle des Vereins ist an der BFH-HAFL angegliedert, die Wissensplattform wird von Agridea betreut. Ziel ist, die LandwirtInnen bei den durch den Klimawandel verursachten Herausforderungen zu unterstützen. Dazu beitragen sollen eine gute Wissensbasis, ein reger Austausch von Wissen und Erfahrungen, die Entwicklung und Vermittlung einer guten Praxis und eine aktive Kommunikation innerhalb der Landwirtschaft und mit der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung.

