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Kinder und ältere Menschen treffen sich auf dem «Burehof Seelefride»

Green Care auf Bauernhöfen ist gefragt, die Umsetzung ist anspruchsvoll. Corinne Hadorn hat auf ihrem Hof im bernischen Bleienbach ein Angebot für ältere Menschen und Kinder aufgebaut. Mittlerweile ist es ausgebucht und ein Ausbau steht im Raum.

Kurz & bündig

-Corinne Hadorn bietet auf ihrem Hof eine Spielgruppe und Tagesstrukturen für ältere Menschen an. - Betreuungsarbeit betrifft den ganzen Betrieb und stellt Anforderungen an Menschen und Infrastruktur. - Die Entschädigungen variieren stark und müssen im Einzelfall verhandelt werden.

Eine Frau kann sich wegen ihrer Demenz nicht mehr ausdrücken – aber wenn sie auf dem Bauernhof mit Kindern zusammen ist, findet sie wieder einige Worte. Ein Senior blüht auf, sobald er bei den Tieren ist. Eine Seniorin erklärt beim Abschied oft, wie gerne sie den Kindern Geschichten erzählt hat. «Und die Kinder mögen das genauso», erzählt Corinne Hadorn, die Betriebsleiterin vom «Burehof Seelefride» in Bleienbach im Kanton Bern.

Auf ihrem Hof treffen sich zweimal pro Woche vier ältere Menschen und acht Kinder im Vorschulalter. Sie singen und spielen zusammen, besuchen die Tiere, werken in der Küche. Die Seniorinnen und Senioren werden in Halbtages- oder Tagesstrukturen betreut, die Kinder besuchen für zweieinhalb Stunden die Spielgruppe, nach Wahl mit Mittagstisch. Zwei bis drei Personen kümmern sich jeweils um die Gäste. Corinne Hadorn wird von einem Team von Frauen und einem Mann unterstützt, die eine Ausbildung im Sozial-, Pflege- oder Aktivierungsbereich haben und im Stundenlohn angestellt sind. Auch die Mutter der Betriebsleiterin hilft manchmal mit.

Den Hof mit Betreuungsangeboten öffnen

Corinne Hadorn übernahm den elterlichen Betrieb vor zehn Jahren. Ihr Betreuungsangebot lancierte sie vor zweieinhalb Jahren, heute ist es ausgebucht.
Corinne Hadorn übernahm den elterlichen Betrieb vor zehn Jahren. Ihr Betreuungsangebot lancierte sie vor zweieinhalb Jahren, heute ist es ausgebucht.

Corinne Hadorn, von Beruf Kauffrau und Bäuerin mit Fachausweis, übernahm den elterlichen Betrieb vor zehn Jahren. Während sie die Bäuerinnenschule besuchte, wuchs ihr Interesse an Betreuungsangeboten. Sie fand: «Unser Hof ist so schön gelegen, zum Ankommen und Durchatmen, den möchte ich für andere Menschen öffnen.»

Sie tat sich mit einer Sozialpädagogin und einer Pflegefachfrau zusammen. Zu dritt begannen sie zu träumen, zu planen und ein Angebot aufzubauen. «Kinder und ältere Menschen können einander so viel geben», begründet die Bäuerin die gewählte Kombination.

Kantonal geregelt, ob Angebote eine Bewilligung brauchen

Die Spielgruppe und die Tagesstrukturen für nicht pflegebedürftige Menschen waren nicht bewilligungspflichtig; dies ist kantonal unterschiedlich geregelt. Raumplanungsrechtlich gilt das Betreuungsangebot als landwirtschaftlicher Nebenbetrieb mit engem sachlichem Bezug zum landwirtschaftlichen Gewerbe.

Soziale Dienstleistungen und Raumplanung

Soziale Dienstleistungen auf dem Bauernhof gehören raumplanungsrechtlich in dieselbe Kategorie wie agrotouristische und pädagogische Angebote: Sie gelten als nichtlandwirtschaftliche Nebenbetriebe und erfordern eine Ausnahmebewilligung. Der Gewerbestatus des Landwirtschaftsbetriebs ist eine Voraussetzung. Wenn das Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof wichtige Bestandteile des Betreuungsangebots sind, gilt das als nichtlandwirtschaftlicher Nebenbetrieb mit engem sachlichem Bezug zum landwirtschaftlichen Gewerbe. Es ist erlaubt, Personal ausschliesslich für einen solchen Nebenbetrieb anzustellen, die Betriebsleiterfamilie muss aber den überwiegenden Teil der Arbeit selbst leisten. Die Einnahmen aus dem Nebenbetrieb dürfen das landwirtschaftliche Einkommen nicht übersteigen. Anbauten oder Fahrnisbauten bis zu 100 m² sind möglich, wenn der Platz in bestehenden Bauten fehlt. Diese Limite kann für verschiedene Angebote nicht mehrfach ausgeschöpft werden. Merkblatt des Kantons Aargau

Corinne Hadorn konnte den ehemaligen Schweinestall umnutzen. Darin befinden sich heute ein Raum zum Kochen und Essen, ein Spielzimmer und eine rollstuhlgängige Toilette. Stiftungen leisteten beim Aufbau des Angebots finanzielle Unterstützung. Die Kinder bezahlen pro Besuch 30 bzw. 60 Franken mit Mittagstisch, die Seniorinnen und Senioren je nach Aufenthaltsdauer 60 bis 120 Franken.

Die Hoftiere werden in das Betreuungsangebot auf dem Burehof Seelefride einbezogen.
Die Hoftiere werden in das Betreuungsangebot auf dem Burehof Seelefride einbezogen.

«Die Herausforderung ist es, allen gerecht zu werden», erzählt Corinne Hadorn aus dem Betreuungsalltag. Besonders bei den demenzbetroffenen Menschen brauche es «Gspüri» und Fachwissen. Darum, und auch wegen der Abgabe von Medikamenten, ist immer eine Fachperson im Betreuungsteam eingeteilt.

Eine weitere Herausforderung ist die Wirtschaftlichkeit des Angebots. Noch kann sie ihrem Nebenbetrieb keine Raummiete verrechnen oder angemessene Löhne zahlen. Um den Aufwand realistischer abzudecken, plant die Betriebsleiterin ab Sommer 2026 abgestufte Tarife je nach Betreuungsbedarf.

Die Werbung war erfolgreich, das Angebot ausgebucht

Im Sommer 2023 empfing Corinne Hadorn zum ersten Mal Kinder und ältere Menschen auf dem Hof. «Wir gaben uns vier Jahre Zeit, um die Sache in Gang zu bringen», schaut sie zurück. Sie machte ihr Angebot auf den sozialen Medien bekannt, meldete es bei der Spitex und Pro Senectute, legte Flyer in Arztpraxen und Geschäften auf. Auch diverse Anlässe auf dem Betrieb wie Generationen-Chilbi und Hoffest boten Gelegenheit für Werbung.

Jetzt, zweieinhalb Jahre nach dem Start, ist das Betreuungsangebot ausgebucht und das Team denkt über einen Ausbau nach.

Das ist der Maschinenpark der Bauernhof-Spielgruppe.
Das ist der Maschinenpark der Bauernhof-Spielgruppe.

Betriebsspiegel Burehof Seelefride

Corinne Hadorn, Bleienbach BE LN: 10 ha Kulturen: Grünland, wenig Ackerbau Tierbestand: 10 Kühe (5 eigene, 5 Plätze vermietet), 2 Esel, 2 Ponys, 4 Ziegen, 2 Hängebauchschweine. Eigene Tiere mit Patenschaften. Weitere Betriebszweige: Intergenerative Betreuung Arbeitskräfte: Betriebsleiterin, Fachpersonen für Betreuungsangebot im Stundenlohn, Mitarbeit der Eltern