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Digitalisierung, wenn sie den Alltag vereinfacht

Familie Kunz hat einen pragmatischen Umgang mit digitalen Hilfsmitteln: Den Brunstkalender auf Papier hat Manfred Kunz durch eine App ersetzt. Sohn Hannes Kunz nutzt für die Suisse-Bilanz eine digitale Unterstützung. Doch ohne Papier geht es in Ersigen (noch) nicht.

Kurz & bündig

  • Familie Kunz hat einen pragmatischen Zugang zu digitalen Hilfsmitteln. Sie nutzen, was für sie und den Betrieb sinnvoll ist.
  • Familie Bader möchte bei den Aufzuchtrindern eine digitale Lösung zur Brunsterkennung und zum Herdenmanagement einführen, damit alle Beteiligten wissen, was im Stall läuft.
  • Barbara Kunz spricht Datenschutzbedenken an und eine gewisse Unsicherheit, was die digitale Abhängigkeit betrifft.

Die Digitalisierung macht auch vor den Betrieben der Jahresserie «Hofübergabe» nicht halt. Während Familie Kunz aus dem bernischen Ersigen bereits mit digitalen Hilfsmitteln arbeitet, will Familie Bader aus dem solothurnischen Mümliswil dies noch vor der Hofübergabe umsetzen.

Im Stall setzt Manfred Kunz auf eine App: Der Brunstkalender auf Papier ist schon länger verschwunden. «Mein Handy leuchtet auf, sobald eine Kuh brünstig werden sollte», sagt er. Diesen Service schätzt er sehr. Die App arbeitet mit den Tierdaten, die Kunz eingibt, und ist mit den Daten des Besamers und des Milchwägens verlinkt.

Auf andere digitale Hilfsmittel wie Halsbänder oder Bolus hingegen verzichten Vater und Sohn Kunz im Stall bewusst: «Wir sind die Überwachung.» Das Behandlungsjournal führten die beiden eine Zeit lang digital. Da es aber im Stall keinen Computer gebe, seien er und sein Vater viel schneller, wenn sie die Daten in den Ordner eintragen, sagt Hannes Kunz. Jedes Tier habe eine eigene Excel-Liste, da gehe nichts verloren. «Natürlich ist das Zettelwirtschaft», sagt Hannes Kunz. Doch es sei eine pragmatische Lösung für ihren Betrieb.

Manfred Kunz nutzt eine App, die ihm anzeigt, wenn eine Kuh brünstig werden sollte.(Bild: «die grüne» / Pia Neuenschwander)

Liliane Bader hingegen möchte diese Zettelwirtschaft im Stall aus der Welt schaffen und zukünftig eine digitale Lösung für die Brunstüberwachung der Aufzuchtrinder einführen. «Für mich ist es schwierig, zu sehen, ob ein Rind brünstig ist, wenn ich tagsüber arbeite und nur morgens und abends im Stall bin.» Deshalb schwebt ihr ein digitales Hilfsmittel in Form eines Halsbandes oder einer Ohrmarke vor, das die Aktivität der Rinder aufzeigt, bei dem im Fall einer Brunst eine Meldung aufs Handy kommt. Das würde die Brunsterkennung und das Herdenmanagement massiv vereinfachen. Wie Familie Kunz nutzt auch Sibylle Bader bereits die App «Smart Cow» zum Verwalten der Herde, diese hat aber keinen Brunsterkennungssensor. Das Ziel wäre eine digitale Lösung, die beide Funktionen vereint.

Baders haben fünf verschiedene, nach Alter eingeteilte Rindergruppen. Die Tiere wechseln alle paar Wochen die Gruppe, sobald neue junge Rinder auf den Hof kommen und die hochträchtigen den Betrieb verlassen. Für Liliane Bader und ihren Partner Thomas Ackermann, die wegen ihrem 100-Prozent-Arbeitspensum nicht so viel im Stall sind, ist es daher schwierig, den Überblick über die Gruppen zu halten. Eine Brunsterkennungs-App würde das Herdenmanagement massiv vereinfachen.

«Wir brauchen eine Lösung, auf die wir alle vier Zugriff haben», erklärt Josef Bader. Das würde auch die Ferienvertretung vereinfachen. «Als wir alle zusammen in die Skiferien gefahren sind, haben unsere Nachbarn den Stall gemacht. Mit Zugriff auf die App wüssten auch sie besser, was bei den Rindern läuft», erzählt Thomas Ackermann.

Welches System passt für den Betrieb?

Familie Kunz ist nicht nur im Stall teilweise noch analog unterwegs, sondern auch nach wie vor bei der Personalführung. Hannes Kunz kennt zwar digitale Lösungen von seiner Arbeit für das Lohnunternehmen: Er buche die Zeit auf den jeweiligen Auftrag. «Das klappt, wenn ich nicht vergesse, die Zeit zu stoppen», sagt er. Für eine grössere Firma sieht er den Nutzen durchaus, aber auch, dass jedes System Zeit für den Unterhalt braucht. Zudem seien Systeme wie zum Beispiel Agrarmonitor grosse Pakete, die ihren Preis hätten. «Auf unserem Betrieb würden wir nur wenig davon brauchen», sagt er. Daher findet er Papier vorläufig sinnvoll, auch für die Zeiterfassung. Barbara Kunz arbeitet in der Generationengemeinschaft von Vater und Sohn im Stundenlohn mit. Die Abrechnung basiert auf Vertrauen und funktioniert gut.

Bei Familie Bader ist die digitale Arbeitszeiterfassung ebenfalls kein Thema, da bisher gar keine Stunden aufgeschrieben werden und dies auch nach der Hofübergabe nicht geplant ist.

Bisher müssen brünstige Rinder mittels Ohrmarke herausgesucht und die Besamungen analog im Ordner erfasst werden. Das erschwert die Übersicht über die Herde.(Bild: Gian Vaitl / «die grüne»)

Als Gegner der neuen Technologien sieht sich bei Familie Kunz niemand: Manfred Kunz kennt einen vehementen Handygegner. «Ich akzeptiere das natürlich», sagt er. Aber mit dieser Person einen Termin abzumachen, das sei deutlich komplizierter als mit Kollegen, die ein Handy hätten.

Die Eltern unterstützen die Ideen der jungen Generation

Auch die Eltern von Liliane Bader befürworten neue Technologien. «Ich finde es schön, dass sie mich nicht bremsen bei solchen Themen», sagt Liliane Bader. Im Gegenteil: «Wir wollen neue Technologien nutzen, wenn sie uns den Alltag erleichtern können», bestätigt Josef Bader. Die neuste Technik auf dem Hof von Baders ist eine Drohne, mit der sie die Rinder auf der Weide suchen und die Wasserstellen kontrollieren können.

Bereits die vorherige Generation war schon digital unterwegs. «Meine Mutter hat bereits vor 40 Jahren damit begonnen, die Buchhaltung am Computer zu machen. Sie war eine der ersten und die anderen haben alle gesagt, das brauche man doch nicht. Heute könnten wir nicht mehr ohne», erzählt Josef Bader. Sibylle und Josef Bader sind offen für die neuen Ideen der übernehmenden Generation.

Zeitersparnis, aber zu welchem Preis?

«Digitalisierung ist Fluch und Segen», findet Barbara Kunz. Sie nutzt Programme wie Teams für die Terminverwaltung. Künstliche Intelligenz hilft ihr zum Beispiel, Spesenabrechnungen zu erstellen. Sie scannt die Belege ein und beauftragt Chat GPT, diese zu erkennen und in ein angemessenes Format zu bringen. «Das spart Zeit», sagt sie. Zum Einsatz kommt KI auch, wenn sie erste Vorschläge für Reden braucht. «Ich sehe aber auch eine gewisse Abhängigkeit von der modernen Technologie», sagt sie. Zudem hat sie Bedenken, was den Datenschutz anbelangt.

«Was meine persönlichen Daten betrifft – das ist mir völlig egal», sagt Sohn Hannes Kunz. Das sei wohl auch für Konzerne nicht spannend. «Doch bei den Betriebsdaten sehe ich einen grossen Markt für die vor- und nachgelagerte Industrie.» Er habe Vorbehalte, wenn alles bei einer Firma sei, «da entsteht eine Abhängigkeit».

Interessante Auswertungen für die Deckungsbeiträge

Für die Suisse-Bilanz nutzt er Bausteine von Barto. «Die Auswertungen sind interessant», sagt er. Er sehe den Düngerverbrauch der Kulturen auf einen Blick und erkenne, in welche Richtung es bei den Deckungsbeiträgen gehe. Sensorik im Ackerbau setzt er nicht ein, er pflegt die Daten von Hand ein.

Den Nutzen von künstlicher Intelligenz sieht er durchaus: «Sie kann die Effizienz steigern und superschnell zum Beispiel Ertragskartierungen erstellen.» Dennoch ist er überzeugt: «Die Erfahrung von Landwirten wird eine künstliche Intelligenz nicht ersetzen können.»

In Ersigen arbeiten Vater und Sohn Kunz in einer Generationengemeinschaft zusammen.(Bild: «die grüne» / Pia Neuenschwander)

Betriebsspiegel
der Familie Kunz

Manfred und Hannes Kunz, Ersigen BE

LN: 15,7 ha; 5,7 ha Wald

Bewirtschaftung: ÖLN

Kulturen: Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Kunstwiese, Mais, Ökofläche, Erbsen im Vertrags­anbau

Tierbestand: 23 Milchkühe, 6 bis 8 Jungtiere (Aufzucht im Jura), pro Jahr ein Umtrieb Truten (20 Stück)

Weitere Betriebszweige: Direktverkauf Trutenfleisch

Arbeitskräfte: Hannes, Barbara und Manfred Kunz

Hannes Kunz findet die Suisse-Bilanz-Auswertungen interessant.(Bild: «die grüne» / Pia Neuenschwander)
Die 60 Aufzuchtrinder sind in 5 Gruppen unterteilt. Eine Herdenmanagement-App würde helfen, einen besseren Überblick über die einzelnen Tiere und deren Fruchtbarkeit zu erhalten.(Bild: «die grüne» / Gian Vaitl)

Betriebsspiegel
der Familie Bader

Josef (57) und Sibylle (54) Bader, Mümliswil-Ramiswil SO

LN: 36 ha

Kulturen: Grünland, 8 ha Wald

Tierbestand: 55 bis 60 Aufzuchtrinder, 2 Pferde

Weitere Betriebszweige: Transportunternehmen für gewerbliche Transporte und Kranarbeiten, 30-kW-Solaranlage mit Stromspeicher, Verkauf von Holzschnitzeln

Arbeitskräfte: Sibylle und Josef Bader

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