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Raufutter knapp? Diese Massnahmen helfen jetzt

Nebst Futterzukauf und dem Verkauf von Schlachtkühen gibt es noch viele weitere kleine Stellschrauben, um Futter zu gewinnen und langfristig Futtervorräte anlegen zu können. Nicolas Marti vom BBZN Hohenrain und Mike Bauert von UFA Samen zeigen verschiedene Möglichkeiten auf.

Der extreme Hitzesommer 2026 führte vielerorts zu Raufutterknappheit. Kühe mussten frühzeitig geschlachtet werden und die Betriebe bestellten Futter, sofern überhaupt verfügbar (siehe auch Artikel «Die Tiere fehlen nächstes Jahr» auf Seite 38).

«Die Auswirkungen der Trockenheit werden uns noch länger begleiten», sagt Mike Bauert, Berater bei UFA-Samen. Wer jetzt nicht handelt und seine Futterflächen fit für den Frühling macht, wird es nächstes Jahr büssen.

Nicolas Marti, Lehrer und Berater im Bereich Futterbau vom BBZN Hohenrain, sieht verschiedene Möglichkeiten, um die Futterkrise zu überstehen. «Es gibt mehrere Schrauben, um mehr Raufutter zu generieren, als Raufutterzukauf und Tierbestands-Reduktion», betont er.

Auf den nächsten Seiten folgt eine Zusammenstellung verschiedener Massnahmen, um kurzfristig Futter zu produzieren, aber auch, um längerfristig Futterkrisen wie diese zu vermeiden.

Vorsicht bei Kartoffeln und höherem Anteil an Mais in der Ration. Zu viel Stärke kann zu Dickdarmazidose führen und erhöht das Risiko von Mastitis durch E.-coli-Bakterien. (Bild: Jasmine Baumann)

Alternative Futtermittel

Um die Ration etwas zu «strecken», können Karotten, Kartoffeln, Kakaoschalen, Rapskuchen, Maismehl, weitere Nebenprodukte der Lebensmittelherstellung sowie hochwertiges Stroh oder Ökoheu eingesetzt werden. Wer Stroh und Ökoheu ab Feld kauft, zahlt weniger als bei einer späteren Beschaffung ab Lager.

Wird der Anteil an Maissilage aufgrund von Raufuttermangel erhöht, besteht die Gefahr von Stärkeüberschuss – besonders wenn noch Kartoffeln ergänzt werden. Zu viel Stärke in der Ration bei zu geringem Strukturanteil kann zu Verdauungsstörungen und Dickdarmazidose führen. Das wiederum erhöht das Risiko von Mastitis durch E.-coli-Bakterien, weil sich diese im gestörten Darm besser vermehren und über den Kot ins Eutergewebe gelangen können. Daher müssen Betriebe den Futterplan mit abgeänderten Rationsanteilen unbedingt neu berechnen.

Beim Verfüttern von Gründüngungen ist Vorsicht geboten. Nicht alle Arten werden gut vertragen. (Bild: Benjamin Denzler)

Gründüngungen verfüttern

Aus der Not heraus verfüttern Betriebe dieses Jahr häufig auch Gründüngungen. Mike Bauert meint, dass grundsätzlich alle Gründüngungsmischungen verfüttert werden können. Bei gewissen Arten sei aber Vorsicht geboten.

Die Süssgräser Sorghum und Sudangras enthalten giftige Blausäure, besonders im Jugendstadium. Daher sollten Landwirte diese Pflanzen erst ab einer Höhe von 60 cm ernten.

Phacelia hat einen behaarten Stängel, weshalb sie frisch weniger gerne gefressen wird. Das Problem lässt sich mit ausreichender Anwelkzeit beheben. Ausserdem entwickelt sie während der Blütezeit einen scharfen Geschmack.

Selbst Ausfallraps kann futterbaulich genutzt werden, zum Beispiel zum Eingrasen oder Beweiden. Der Anteil in der Ration sollte nicht zu hoch sein, da wegen der Öle sonst die Milch unangenehm riechen kann. Auch Ausfallgetreide bietet sich als Futter an. Anstatt es zu mulchen, könnte man es sogar silieren.

Sandhafer ist eine trockenheitstolerante Pflanze, die sich gut als Zwischenbegrünung, aber auch als Zwischenfutter eignet. Sandhafer ist fruchtfolgeneutral und wächst schnell auf, womit er Unkraut gut unterdrückt. Der Anbau von Weizen direkt nach Sandhafer wird nicht empfohlen, da sich die Wurzelausscheidungen vom Sandhafer negativ auf den Weizenertrag auswirken.

Einige Gründüngungen enthalten Buchweizen. Dieser enthält besonders in der Blüte und in den Blättern den phototoxischen Stoff «Fagopyrin», der die Haut besonders empfindlich gegenüber Sonnenlicht macht. Bei hellhäutigen Tieren wie Simmentaler ist in den Sommermonaten besondere Vorsicht geboten. Die Verfütterung als Silage im Winter ist daher weniger problematisch.

Hafer-Erbsen-Wicken-Gemenge läuft unter trockenen Bedingungen besser auf als eine Kunstwiesenmischung. Damit kann nach der Getreideernte schnell Futter generiert werden. (Bild: Geraldine Zutter)

Zwischenfutter einplanen

Nach Getreide oder vor einer Frühlingskultur bietet sich der Anbau einer geeigneten Zwischenfuttermischung an, um noch schnell Futter zu produzieren.

Vielerorts haben Landwirte ein Hafer-Erbsen-Wicken-Gemenge gesät. Sie müssen es gut anwelken, um eine Buttersäuregärung wegen zu feuchter Eiweisserbsen zu vermeiden. Nicolas Marti empfiehlt allenfalls den Einsatz von Siliermitteln in Form von Säuren oder Salzen, nicht aber Milchsäurebakterien. Denn das Hafer-Erbsen-Wicken-Gemenge enthält viel Protein und wenig Zucker, weshalb es schwierig wird, den pH-Wert in der Silage genügend zu senken.

Grünschnittroggen dient ebenfalls als Zwischenfutter. Wird er früh im Herbst gesät, kann er im Herbst einmal und im Frühling zum Beispiel vor der Maissaat ein zweites Mal genutzt werden. Bei der Herbstnutzung muss Roggen mindestens 8 cm hoch gemäht werden.

GPS (Ganzpflanzensilage) ist eine sinnvolle Winterbegrünung und Futterlieferant. Das Getreide wird im Oktober gesät und zwischen Mai und Juni kurz vor der Teigreife geerntet. Wird GPS früher, bereits vor dem Ährenschieben geerntet, ist es weniger faserreich. Die Schwierigkeit ist aber, nach der Ernte von GPS noch eine sinnvolle Hauptkultur anzusäen. Eine Möglichkeit wäre der Anbau einer Luzernemischung oder Sorghum, die gut mit Trockenheit zurechtkommen. Grünschnittroggen kann etwas früher geerntet werden.

Nicolas Marti appelliert generell daran, mehr mit anderen Landwirten zusammenzuarbeiten. So können Viehbetriebe in Absprache bei reinen Ackerbaubetrieben gezielt Zwischenfutter anbauen, das entweder als Gründüngung oder im Notfall eben futterbaulich genutzt werden kann. Auf diese Weise ist dem Boden und den Nutztieren geholfen.

Die Luzerne hat sich 2026 bewiesen und teilweise die Trockenheit fast als Einzige neben Rotklee überlebt. (Bild: Stephanie Bürgy)

Trockenheitstolerante Arten

Folgende Pflanzenarten können besser mit Trockenheit umgehen:

  • Luzerne
  • Mattenklee
  • Rohrschwingel
  • Rotschwingel
  • Knaulgras
  • Wiesenrispe
  • Spitzwegerich
  • Sorghum
  • Sudangras
  • Teffgras

Mike Bauert empfiehlt, möglichst auf Mischungen mit verschiedenen Arten und einigen trockenheitstoleranten Arten zu setzen. Denn der Futterbau reagiert sofort stark auf Trockenheit. Rot- und Rohrschwingel eignen sich für intensive Kurzrasenweiden. Mittlerweile gibt es gut verdauliche Sorten auf dem Markt, die gerne gefressen werden.

Teffgras ist eine Zwerghirsenart aus Ostafrika (C4-Pflanze), die besonders gut mit der Trockenheit zurechtkommt. Bereits 35 bis 40 Tage nach der Saat kann Teffgras erstmals geerntet werden. Die wärmeliebende Pflanze wird idealerweise zwischen Mai und Juli gesät, zum Beispiel nach der Ernte von GPS oder Getreide. In der Praxis hat sich die Breitsaat bewährt, da die äusserst kleinen Samen nicht zu tief gesät werden dürfen. Teffgras ist proteinreich und sehr zuckerarm ‒ eine Ergänzung zu Maissilage. Weitere trockenheitstolerante Alternativen wären Sudangras oder Sorghum.

Die Suisse-Bilanz und das GMF können als Planungsinstrument zur Berechnung von Futterreserven dienen. Der Landwirt muss sie ja sowieso ausfüllen und so hat sie einen Zweitnutzen. (Bild: Inforama / Amanda Steinböck)

Futterreserven einplanen

Zukünftig sollten mindestens 25 bis 30 Prozent Futterreserven eingeplant werden. Anders gesagt sollte das Futter für mindestens 3 bis 6 Monate Stallfütterung ausreichen. Reserven müssen nicht zwingend ausschliesslich in Form von Heu und Grassilage sein. Auch günstiges Futter wie Ökoheu und qualitativ hochwertiges Stroh eignen sich als Reserve.

Die Suisse-Bilanz und das GMF dienen nicht nur für die Düngerbilanz, sondern können auch als Planungstool für Futterreserven genutzt werden. Als Vorbereitung für das kommende Jahr sollten Landwirte eine Planbilanz berechnen. Wichtig ist, mit realistischen Flächenerträgen und durchschnittlicher Milchleistung oder Tageszuwachs zu rechnen. Anhand dessen kann der TS-Verzehr vom ganzen Jahr abgelesen werden.

Das knappe Futter sollte unbedingt vor Schädlingen geschützt werden, um die Qualität zu bewahren. (Bild: BauernZeitung / Ruth Aerni)

Vorhandenes Futter schützen

Raufutter ist heuer rar, daher sollten Landwirte überall dort, wo es möglich ist, Verluste vermeiden. Dazu gehört der Schutz vor Mäuse- und Krähenfrass sowie Schimmelbefall.

Fix eingeplante Krippenreste in der Höhe von 10 bis 15 Prozent können reduziert werden. Besonders, wenn die Krippenreste nicht weiterverfüttert werden, sondern auf dem Mist landen.

Futterreserven müssen nicht zwingend nur in Form von Dürrfutter angehäuft werden. Auch Grassiloballen können problemlos 3 bis 4 Jahre lang gelagert werden, ohne Qualitätsverlust. Ausschlaggebend dafür sind die Qualität und die Anzahl Lagen der Folie. Folie kann sich über die Jahre durch die Sonneneinstrahlung schrittweise zersetzen. Daher sollten Betriebe möglichst UV-stabile Folie einsetzen und besser acht- als nur sechslagig wickeln.

Wichtig ist auch die konsequente Lagerbewirtschaftung. Das Futter möglichst so lagern, dass die ältesten Ballen zuerst verfüttert werden.

Auch Grasland sollte regelmässig aufgekalkt werden. Pro Jahr gehen um die 300 kg Kalk pro Hektare verloren. (Bild: Geraldine Zutter)

Fitte Wiesen und Weiden

Grundsätzlich gilt, dass gut versorgte und gepflegte Grünflächen die Trockenheit besser überstehen als bereits stark übernutzte. Nebst Wasser brauchen fitte Wiesen und Weiden folgende Pflegemassnahmen:

  • Ausreichende Nährstoffversorgung: nicht nur mit Stickstoff, Phosphor und Kalium, sondern auch mit Magnesium, Kalzium und Schwefel.
  • Regelmässig kalken: Kalk verbessert die Bodenstruktur und somit den Wasserhaushalt und die Tragfähigkeit des Bodens. Je nach Niederschlagsmenge gehen im Grünland pro Jahr rund 300 kg/ha Kalk verloren.
  • Striegeln und Walzen im Frühjahr fördert die Bestockung und schwächt unerwünschte Gräser, Unkräuter und Moos.
  • Übersaaten im Frühling oder Herbst bei lückigen Beständen oder nach längerer Trockenheit.
  • Bestände nicht zu tief mähen: Mindestens 8 bis 10 cm hoch, damit sie schnell wieder austreiben.
  • Neuansaaten walzen für guten Bodenschluss.
  • Bestände im Herbst nicht mehr zu lange nutzen, dieses Futter fehlt im Folgejahr. Besser im Frühling früher mit Weiden beginnen. Das Gras mindestens 8 bis 10 cm hoch einwintern.
  • Dem Standort angepasste Gräserarten wählen.

Mike Bauert empfiehlt bei Naturwiesen, jedes Jahr einen Drittel der Fläche zu übersäen. Das mindert Kosten, Risiken und Arbeitsspitzen.

Untersaaten im Getreide bieten schneller Futter und bedecken den Boden nach der Ernte. (Bild: Mike Bauert)

Untersaaten für Futter

Die Zeit nach der Getreideernte wäre wertvoll, um Futter zu generieren. Eine direkt anschliessende Ansaat ist häufig zu riskant, wegen des Vertrocknens junger Pflanzen. Dem kann eine Untersaat entgegenwirken. Die Begrünung unterdrückt das Unkraut und bietet bereits kurz nach der Getreideernte wertvolles Raufutter.

Für Untersaaten eignet sich herbizidfreies und nicht zu dicht gesätes Extenso-Getreide. Die Untersaat wird entweder beim letzten Striegeldurchgang oder etwa ein Monat vor der Ernte mit der Drohne gesät. Als Untersaat eignen sich auch normale 300er-Futterbaumischungen und Leguminosen.

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