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Freihandelsabkommen: Deal oder kein Deal mit den USA?

Ein Blick auf die amerikanische Landwirtschaft zeigt: Ein bilaterales Freihandelsabkommen ist möglich, aber die Risiken sind beträchtlich, denn die Schweiz hat einen Handelsüberschuss und die USA möchten mehr exportieren.


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brugg Die Grundlage sämtlicher zuverlässiger handelspolitischer Entscheidungen ist ein umfassendes Verständnis der wirtschaftlichen und sozialen Rolle der Landwirtschaft in den USA. Nicht nur kulturelle und geografische Unterschiede, sondern auch die unterschiedliche Landwirtschaftspolitik der Schweiz und der USA spielen dabei eine wichtige Rolle.

Beiderorts nur 1% des BIP

Das Erkennen dieser Unterschiede ist zwingend notwendig, um zu verstehen, wie die Landwirtschaft auf nationaler Ebene in den beiden Ländern funktioniert. Solche Unterschiede dürfen keinesfalls ignoriert werden, spielen sie doch eine zentrale Rolle in der internationalen Handelspolitik.

«Die Schweiz importiert aus den USA vor allem Früchte und Nüsse.»

Eine Gemeinsamkeit beider Länder ist, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft für das Bruttoinland-produkt (BIP) – wie in allen Industrienationen – lediglich bei zirka 1 Prozent liegt. Die Schweizer Landwirtschaft setzt jedoch mehr auf Multifunktionalität, während die US-Landwirtschaft stark exportorientiert ausgerichtet ist.

Schweiz investiert gross

Inmitten dieser Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegt aus gesamtheitlicher Perspektive ein bilaterales Freihandelsabkommen (FHA) durchaus im Bereich des Möglichen. Aus Sicht der Landwirtschaft birgt ein solches Abkommen aber auch gewichtige Risiken.

Die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz sind sehr eng. Die beiden Parteien haben bisher ­jedoch noch kein formellesFHA ausgehandelt. Obwohl die Schweiz flächenmässig weniger als 1% der USA ausmacht, ist sie mit einem Betrag von 310 Mrd $ der sechstwichtigste ausländische Investor in den USA.

USA: 20% werden exportiert

Die grosse wirtschaftliche Bedeutung der beiden Länder füreinander ist unbestreitbar. Der Handel ist für den US-Agrarsektor von wesentlicher Bedeutung, da die Agrarexporte mehr als 20% des Volumens der US-Agrarproduktion ausmachen. 2018–2019 waren die USA bei sechs von neun global gehandelten Getreidesorten unter den fünf grössten Exporteuren.

Den höchsten Wert erzielte sie mit einem Exportvolumen von 52,3 Mio t beim Mais. In den letzten Jahren waren die betrags-mässig führenden Agrarexportprodukte stets Massengüter wie Sojabohnen, Mais und Weizen. Zu den wichtigsten US-Exporten hochwertiger Produkte gehören Futtermittel, Rind- und Kalbfleisch sowie Mandeln.

Mehr als 30 Schokoladen

Die Schweiz importiert eine weitaus breitere Palette an Rohstoffen, als sie in die USA exportiert. Der grösste Teil der importierten Produkte besteht aus Früchten und Nüssen, insbesondere Zitrusfrüchten und Mandeln. Getränke machen 17% der Importe aus, hauptsächlich Rot- und Weisswein. Die 15% der importierten Milchprodukte betreffen fast ausschliesslich Molke. An Getreide wird v. a. Reis und Mais importiert (11%).

Umgekehrt wird bei den Milchprodukten vor allem Käse exportiert. Beim Kakao werden über 30 verschiedene Schokoladensorten exportiert. Zucker wird meistens in Form von weisser Schokolade ausgeführt. Beim Kaffee ist es vor allem geröstete Ware.

Klarer Handelsüberschuss

Die Schweiz importiert 21 000 t Güter und exportiert 29 000 t Güter. Sie exportiert also 8000 t mehr als sie importiert. Noch grösser als der Volumenunterschied ist jedoch die finanzielle Differenz. Die Schweiz importiert Produkte im Wert von 99 Mio Fr. aus den USA und exportiert Produkte im Wert von 421 Mio Fr. in die USA. Die finanzielle Differenz beträgt zirka 322 Mio Fr. zugunsten der Schweiz.

«Die Schweiz hat wert- und mengenmässig einen Handelsüberschuss.»

Damit ergibt sich für die Schweiz sowohl wert- als auch güterspezifisch ein Handelsüberschuss. Die USA sind für die Schweizer Agrar- und Lebensmittelbranche also ein sehr wichtiger Markt. Auch eine Analyse der gehandelten Agrarprodukte zeigt, dass vor allem die Industrie davon profitiert, vornehmlich bei Kaffee und Schokolade. Im Landwirtschaftssektor profitiert die Milchindustrie mit ihren verarbeiteten Käseprodukten am stärksten. Es bleibt aber weiterhin auch Spielraum für andere Branchen.

Bundesräte auf Reisen

In den beiden letzten Jahren weilten mit Johann Schneider-Ammann, Ignazio Cassis und Ueli Maurer drei Schweizer Bundesräte in den USA, um über das FHA zu verhandeln. Ueli Maurer sagte, er habe im Mai 2019 von Donald Trump sehr positive Signale für die Aushandlung eines FHA zwischen der Schweiz und den USA erhalten. So ist er überzeugt, dass selbst Agrarkreise inzwischen erkennen, dass ein solches Abkommen auch eine Chance für die Schweiz sei.

An der letzten Konferenz des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zum Thema Freihandel im November 2019 wurde auch über ein mögliches FHA mit den USA diskutiert. Es wurde bekräftigt, dass die grundlegenden Gespräche abgeschlossen sind und nun die Rahmenbedingungen diskutiert werden, unter denen ein konkretes Abkommen ausgearbeitet werden kann und welche Güter die USA in die Schweiz exportieren könnten.

Steigende Exportvolumen

Im folgenden Monat erschien in der NZZ ein Bericht, nach welchem die USA Deutschland womöglich bald als stärksten Handelspartner der Schweiz ablösen könnte. In diesem Zusammenhang sei der Abschluss eines FHA mit den USA eine Priorität, sagte darin der Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer.

Gemäss dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sind die Exporte in die USA in den letzten 10 Jahren um durchschnittlich 10% pro Jahr gestiegen und boomen weiterhin. Im Jahr 2016 erreichten die Warenexporte mit 37,7 Mrd $ einen neuen Höchststand. Die Dienstleistungs-Exporte beliefen sich auf 23,7 Mrd $. Die Schweiz ist somit der zwölftwichtigste Exportmarkt für US-Güter. Das bilaterale Handelsvolumen mit Gütern und Dienstleistungen zwischen der Schweiz und den USA beträgt insgesamt 110 Mrd. $.

Trump will Bilanz ausgleichen

Am Rande des Davoser Weltwirtschaftsforums im Januar 2020 traf sich Bundespräsidentin Sommaruga mit US-Präsident Trump, um erneut die Aufnahme von Verhandlungen anzustossen. Trump bekundete Interesse an einer Vertiefung der Handelsbeziehungen. Jedoch stehen der Aufnahme von Verhandlungen laut Medienberichten diverse Stolpersteine im Weg, insbesondere der Wunsch der Amerikaner nach einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Der massive Bilanzüberschuss kann aber nicht durch Lebensmittelimporte ausgeglichen werden.

Dafür müsste wohl die Pharmaindustrie ihre Exporte reduzieren, was unsinnig wäre. Die Handelsbeziehungen mit den USA funktionieren heute bereits sehr gut und das Potenzial ist mehrheitlich ausgeschöpft. Daher stellen sich die wirtschaftlichen und politischen Akteure die Frage, ob ein umfassendes Abkommen überhaupt erstrebenswert ist oder ob sich die Schweiz besser auf punktuelle Abkommen zu einzelnen Bereichen wie E-Commerce konzentriert.

Kurzfassung eines Berichts von Rachel Keller vom Schweizer Bauernverband, Red. akr

Den gesamten Bericht finden Sie hier.

Die USA und ihre Landwirtschaft

Die USA bestehen aus 50 Bundesstaaten und einem Distrikt (Hauptstadt Washington D.C.). Mit einer Bevölkerung von 330 Millionen und einer Fläche von 9,3 Mio km2 sind sie bezüglich Bevölkerung und Fläche das drittgrösste Land der Welt.

Die Bodennutzung setzt sich wie folgt zusammen: Grünland, Weide- und Weideflächen 29%, Wald 28%, Ackerland 17%, Parks und Wildtiergebiete 14%, Feuchtgebiete, Tundra und unproduktive Wälder 9% und städtische Flächen 3%. Die landwirtschaftliche Nutzfläche belegt 46% des Territoriums.

Bei den landwirtschaftlichen Gütern erwirtschaftet allein der Spitzenreiter Kalifornien mit Früchten, Nüssen und Beeren 17,7 Mrd $ pro Jahr (s. Grafik). 2001 betrug das landwirtschaftliche Einkommen total 250 Mrd $. 2018 erhöhte sich dieser Wert auf 433 Mrd $. Die USA sind der weltweit führende Agrarexporteur. Diese Rolle haben die USA seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg inne.

Wichtigste Treiber der Effizienzsteigerung waren der Strukturwandel, gepaart mit einer Strategie der Spezialisierung. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) wurde 1852 gegründet. Das USDA beantragte für das Jahr 2020 insgesamt 123 Mrd $ an verfügbaren Mitteln. Verglichen mit dem Finanzjahr 2019 bedeutete dies einen Rückgang um 38 Mrd $. rk

 

Die amerikanischen Betriebe

2018 gab es etwas über 2 Mio Betriebe in den USA. Die durchschnittliche Grösse der Betriebe erhöhte sich von durchschnittlich 63 ha im Jahr 1935 auf 180 ha im Jahr 2017. Zwischen 1948 und 2015 hat sich das gesamte Produktionsvolumen der Landwirtschaft mehr als verdoppelt – trotz abnehmender Fläche und Arbeitskräfte-Zahl.

Das Durchschnittsalter der Landwirte liegt bei 57,5 Jahren. 321 261 Landwirte sind 35 Jahre alt oder jünger. Von jungen Landwirten geführte Betriebe liegen i. d. R. bezüglich der Grösse der Anbaufläche und des Umsatzes über dem Durchschnitt. Jeder vierte Produzent ist ein angehender Landwirt mit 10 oder weniger Jahren Erfahrung und einem Durchschnittsalter von 46 Jahren. 36% aller Produzenten sind Frauen.

Betriebe mit einem Bruttoeinkommen von mindestens 1 Mio $ machen heute 54% der landwirtschaftlichen Produktion aus. 93% dieser 64 800 Betriebe sind Familienbetriebe. Das ist immer noch die klar dominierende Betriebsform in den USA.

Die landwirtschaftlichen Haushalte gehören nicht zu den einkommensschwachen. 2018 erzielten 57% der landwirtschaftlichen Haushalte ein Einkommen, das dem US-Durchschnittseinkommen von 63 179 $ entsprach oder dieses übertraf. rk

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