Die überarbeitete Kooperationsvereinbarung tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. Getragen wird Agrovet-Strickhof von der ETH Zürich, der Universität Zürich und dem Strickhof, dem Landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum des Kantons Zürich. Was sich ändert, kam bisher nur in Etappen ans Licht, jedes Mal auf Nachfrage.
Der stille Rückbau des einstigen Vorzeigeprojekts Agrovet-Strickhof
Neun Jahre nach der gefeierten Eröffnung ordnen ETH, Universität Zürich und Strickhof ihre Nutztier-Kooperation neu. Auskunft gab es erst auf mehrfache Nachfrage – und über einen Umweg via Kanton, nachdem die ETH die Rückzugs-Gerüchte im Frühling brüsk vom Tisch gewischt hatte.LesenAm 21. Juli 2026 fragte die BauernZeitung beim Strickhof nach. Gut drei Wochen später, am 12. August, antwortete die Baudirektion des Kantons Zürich: Früebüel und Alp Weissenstein werden ab 2027 von der ETH betrieben, Wülflingen wird aus der Kooperation herausgelöst und vom Strickhof auf Bio umgestellt, beim Strickhof fallen drei Stellen weg. Zum Hauptstandort Lindau ZH lagen damals keine Angaben vor.
Drei von fünf ETH-Stellen im Team Leitung Forschung fallen weg
Auf die Anfrage der BauernZeitung vom 18. August 2026 bestätigt die ETH-Medienstelle, dass der Aufgabenbereich des ETH-Teils im Team Leitung Forschung angepasst wurde. Es entfallen drei der fünf ETH-Stellen, also mehr als die Hälfte. Es sind weitere drei Stellen, diesmal bei der ETH und nicht beim Strickhof. Die Betroffenen seien persönlich informiert worden, die ETH suche für sie prioritär nach internen Lösungen. Der Kanton hatte für den Strickhof eingeräumt, dass eine Weiterbeschäftigung nicht in allen Fällen möglich ist.
Als Grund nennt die ETH veränderte Bedürfnisse der Forschung innerhalb der Kooperation und den Bedarf nach einer klareren «Governance». Gemeint ist die Aufteilung von Zuständigkeiten und Entscheidungswegen zwischen den drei Trägern.
Grosse Kammern bleiben, kleine und mittlere stehen still
Auch die Infrastruktur in Lindau ist betroffen: die Respirationskammern, oft Stoffwechselkammern genannt. In diesen abgeschlossenen Räumen werden Sauerstoffverbrauch sowie Kohlendioxid- und Methanabgabe einzelner Tiere gemessen. Das liefert Grundlagen für Fütterungsversuche, etwa zur Methanreduktion.
Laut ETH wurden die Kammern nahezu ausschliesslich von ETH-Forschenden genutzt. Deren Arbeit konzentriere sich auf Rinder, dafür genügten die grossen Kammern. Die kleinen und mittleren werden stillgelegt, ein Rückbau ist derzeit nicht vorgesehen, bei Bedarf könnten sie reaktiviert werden. Nach der Beschreibung auf der Website von Agrovet-Strickhof sind die mittleren Kammern für Tiere wie Ziegen, Schafe, Schweine und Jungvieh gedacht, die kleinen für Geflügel oder Kaninchen. Ob solche Messungen künftig wegfallen, sagt die ETH nicht.
Ausbildung sei «gar nicht» betroffen, sagt die ETH
Auf die Frage nach den Folgen für die Studierenden antwortet die ETH-Medienstelle mit: «Gar nicht.» Exkursionen und praktische Übungen für Studierende der Agrarwissenschaften würden wie bisher durchgeführt, die Exkursionen zu den Aussenstandorten weitergeführt oder ausgebaut. Auch Agroscope und andere Institutionen könnten die Anlagen weiter nutzen. Das ist die Darstellung der ETH.
Erst Schweigen, dann Bestätigung in Etappen
Am 26. Mai 2026 fragte die BauernZeitung die ETH, ob sie aus der Kooperation aussteigen wolle, welche finanziellen und personellen Verpflichtungen sie hat und ob ein Sparprogramm oder eine inhaltliche Neuausrichtung dahintersteckt. Zwei Tage später schrieb Rainer Borer von der ETH-Kommunikation, er könne die Fragen beantworten, die Antworten nützten aber nichts, weil die These nicht stimme: Die ETH ziehe sich nicht aus Agrovet-Strickhof zurück. Er bat um einen Rückruf. Schriftliche Antworten auf die Fragen folgten nicht, auch eine Nachfrage der BauernZeitung am 3. Juni blieb unbeantwortet.
Dass die ETH nicht aussteigt, trifft zu. Zu den Verpflichtungen, zur Neuausrichtung und zu den Folgen für Forschung und Ausbildung erfuhr die Redaktion damals nichts. Erst im August lieferte der Kanton Fakten, und die Stellen in Lindau bestätigten die ETH erst, als die BauernZeitung gezielt danach fragte. Die Universität Zürich, dritte Trägerin der Kooperation, kommt in diesem Bericht nicht zu Wort.

Sechzig Millionen und kein Wort
Kommentar von Simone Barth
2017 strahlten in Lindau ein ETH-Präsident, ein Regierungsrat und ein Uni-Rektor um die Wette. Agrovet-Strickhof, eine «Kooperation mit Vorzeigecharakter», gut 60 Millionen Franken, je etwa zur Hälfte von Bund und Kanton bezahlt. Also Steuergeld.
Neun Jahre später wird das Vorzeigeprojekt zurückgebaut, und keiner strahlt. Es gibt keine Mitteilung und keine Erklärung. Was wir wissen, wissen wir, weil wir gefragt haben. Im Mai hiess es, die Antworten der ETH nützten nichts, unsere These stimme nicht. Der Ausstieg stimmte tatsächlich nicht, der Rest blieb unbeantwortet. Im August lieferte der Kanton die Fakten, jetzt räumt die ETH ein, dass es auch Lindau trifft. Drei Etappen, jede erst zugegeben, als jemand nachhakte.
Sechs Stellen fallen weg, drei beim Strickhof, drei bei der ETH. Hinter jeder steht ein Mensch. Eine betroffene Person hat uns geschrieben: Sie verliere Anstellung und Lebensmittelpunkt. Dass es ausgerechnet die im operativen Tagesgeschäft trifft, macht Betroffene fassungslos. Hier kann man sich nun fragen, ob Bundesmittel für eine solche Neuausrichtung gerechtfertigt sind.
Die ETH sagt, die Betroffenen seien persönlich informiert, man suche interne Lösungen. Das ist anständig, aber keine Begründung. «Veränderte Bedürfnisse der Forschung» und «klarere Governance» erklären nicht, warum eine Anlage, die Menschen an einen Ort gebunden hat, nach neun Jahren umgebaut wird.
Wer öffentliches Geld verbaut, schuldet Rechenschaft, nicht nur beim Bänderdurchschneiden, sondern auch beim Umbauen. Die Hälfte der Baukosten kam vom Bund. Was kostet die Neuordnung, was spart sie, wer hat entschieden? Diese Fragen stellt sich hier nicht nur die Landwirtschaft. Es ist die Frage, wie der Bund mit dem Geld umgeht, das er einsammelt und in Forschungsprojekte steckt: Wer bezahlt, wenn ein Projekt schrumpft, und wer erfährt es?

