Kaspar Hunziker macht keine grossen Umschweife. Er kommt schnell auf den Punkt und denkt vorwärts. Und genau das kann die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten gut gebrauchen.


«Es gibt auch welche, die sind nicht begeistert von der Erhaltung alter Obstsorten», weiss Kaspar Hunziker. Schliesslich seien diese nicht ohne Grund vom Markt verschwunden. Diesen Kritikern  pflege er jeweils zu sagen, dass die Vielfalt künftig vor Schädlingen und Krankheiten schützen kann. Und dass durch die Erhaltung möglichst verschiedener Sorten auch ganz verschiedene wertvolle Eigenschaften von Obstbäumen erhalten bleiben.


Denn die meisten Apfelsorten im Handel sind auf den Golden Delicious zurückzuführen und damit genetisch sehr nahe beieinander. Nicht zuletzt haben sich die alten Sorten in der Schweiz über Jahrhunderte den klimatischen Bedingungen angepasst.

Erst Projektbeauftragter und jetzt Präsident


2009 hat Kaspar Hunziker den elterlichen Obstbaubetrieb in Feldbach ZH übernommen. Nach der Lehre zum Obstbauern und dem Ingenieur-Diplom in Hortikultur hat er im Rahmen eines Praktikums bei der Apfelzüchtung der Agroscope in Wädenswil einen Stand entwickelt

für eine Fructus-Sortenschau in Frauenfeld. Dabei ist er das erste Mal mit Fructus in Berührung gekommen und sofort beigetreten. Vor fünf Jahren wurde er dann auch in den Vorstand gewählt und seit diesem Frühling ist er Präsident.

Sein Alter als Vorteil nutzen


Mit 36 Jahren ist er das jüngste Vorstandsmitglied und weiss dies auch zu nutzen. Er kennt die neuen Medien und das neue Spenderverhalten. Durch seinen Bildungsweg und die privaten Interessen hat er Zugang zur jungen, urbanen Bevölkerung und sieht dort ein grosses Potenzial an Neumitgliedern und Spendern. «Die Themen Biodiversität, Ernährung und umweltschonende Landwirtschaft sind gerade in der Stadt immer wichtiger.» Kaspar Hunziker möchte Fructus als grösste Organisation, die sich ausschliesslich der Erhaltung von Obst widmet, auch in der landwirtschaftsfernen Bevölkerung bekannt machen. «Jeder kennt Pro Specie Rara, bald kennt jeder auch Fructus», visioniert er.

Aufgeschlossen und bodenständig


Den Hof führt er nun in dritter Generation. Wobei sein Grossvater bereits sehr offenherzig Obst anbaute. Er war einer der Ersten, der Feigen in der Schweiz anbaute. An diesen merkt Kaspar Hunziker auch den Klimawandel. Während die Feigenbäume früher im Winter an den Boden gebunden wurden, überstehen sie heute den Winter auch so.


Unter anderem 8 Birnen- und 22 Apfelsorten sowie Zwetschgen, Kirschen, Pfirsiche, Kiwi, verschiedene Beeren und Kaki pflegt Hunziker mit seiner Familie auf rund 2 Hektaren. Fast alles wird im eigenen Keller gelagert und nicht in einem CA-Lager, in dem die Aromaentwicklung nicht vergleichbar vonstatten gehe. Am Markt in Rapperswil und ab Hof wird alles direkt vermarktet. Neu unterhält Hunziker auch einen Obstautomaten, der 24 h läuft.

Er setzte aber nie ganz auf die Karte Hof, hatte immer einen Nebenerwerb. In Zukunft sind es 30 Stellenprozent für Fructus. Seine Lieblingsapfelsorte übrigens ist der Feldbacher Seeapfel, verrät er. Säuerlich-würzig und sehr aromatisch sei die Sorte, die nur am rechten Zürichseeufer wächst. Und sie weist natürlicherweise eine Eigenschaft auf, die in Nordamerika erst gerade mit gentechnischen Methoden einem Golden verpasst wurde: Das Fruchtfleisch wird nicht braun nach dem Aufschneiden.


Auf seinem Hof hält Kaspar Hunziker neu eine Kirschensammlung im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen (NAP-GREL). 75 Kirschensorten wurden mit finanzieller Unterstützung des BLW gepflanzt. Er hat bei der Sortenwahl auf möglichst leichte Schüttelbarkeit geachtet. Nun pflegt er sie und erhält die Sorten für die Nachwelt.


Nadine Baumgartner