Karin und Beat Rusch-Raschle bewirtschaften rund 26 ha in Herisau AR. Bei der Betriebsübernahme 2014 waren der Hof und der Milchviehbestand halb so gross wie heute. Karin Rusch erzählt: «Uns war zum Vornherein klar gewesen, dass wir von der Landwirtschaft nicht leben können. Unser Ziel war ein Haupterwerbsbetrieb, wo niemand von uns zwei auswärts arbeiten muss.» Sie arbeitete anfangs noch 100 Prozent auswärts als KV-Angestellte.
Mit sorgfältigem Abwägen den Betrieb entwickeln
Mit Beat und Karin ist die vierte Generation der Familie Rusch am Ruder. Für die Betriebsentwicklung prüften sie verschiedene Varianten und gingen bzw. gehen mit ihren Betriebszweigen neue Wege. An der Biolandwirtschaft rütteln sie allerdings (noch) nicht.
«Auch konventionelle Landwirte machen einen guten Job», sagt Beat Rusch. Beats Vater Armin Rusch trat 1993 der Knospe-Produktion bei. Der Grund dafür war die hohe Nachfrage nach Biomilch von der Molkerei Forster.
Ruschs kritisieren die Bio-Richtlinien in gewissen Punkten, so beispielsweise bei der Fütterungsrichtlinie. «Mit nur einem Kraftfutteranteil von 5 % war ich noch nie einverstanden», bemerkt Beat Rusch. Selbst seine OB-Kühe hätten ihr Leistungspotenzial nicht mehr ausschöpfen können. Darum stellen sie immer mehr um – unter anderem auf Swiss Fleckvieh und auch auf robuste und breite österreichische Simmentaler (Rasse-Code 70). «Da macht es wieder Freude, zu melken», sagt er und seine Frau stimmt ihm kopfnickend zu. Denn das Melken obliegt Karin Rusch, abwechslungsweise mit einem Teilzeitangestellten.
Tritt für Tritt ans Ziel
Ihr Ziel, vom Betrieb zu leben, haben Beat und Karin Rusch erreicht. Sie konnten 2021 einen Betrieb dazukaufen, der sich einen Kilometer vom Hauptbetrieb entfernt befindet. Zufrieden sind die beiden mit dem Milchpreis.
Sie beteiligen sich am Nachhaltigkeitsprogramm SwissFamilyMilk der Züger Frischkäse AG und profitieren von Prämien für besonders tierfreundliche, ressourcenschonende und regionale Milchproduktion. Ihr Milchvieh halten sie im zugekauften Anbindestall.

Den Kuhstall beim Hof stellten sie dieses Jahr einem Viehhändler als Quarantänestall zur Verfügung, der Kühe und Rinder aus dem Ausland importiert. «Das ging wild zu und her», erzählt Karin Rusch. «Verschiedenste Rassen, grosse und kleine, mit und ohne Hörner, solche zu melken, oder mit Kalb beifuss, andere galt.»
Damit hören sie jetzt auf. «Auf den Herbst werden wir unsere Kälber und Rinder, die wir bisher im Aufzuchtvertrag extern hatten, selbst aufziehen», sagt der Betriebsleiter.
Bewusster Entscheid für Zweinutzungshühner
Viel früher, nämlich 2015 – ein Jahr nach der Betriebsübernahme – entschieden sich Rusch, in die Legehennenhaltung einzusteigen und einen Stall für 2000 Hühner zu bauen. Bei den Legehennen entschieden sie sich 2023, auf Zweinutzungshühner zu setzen statt auf herkömmliche Legehennen-Rassen wie Sandy oder LB. Drei Faktoren waren für die beiden ausschlaggebend:
- Die gute Futtereffizienz und somit tiefere Futterkosten.
- Die Rasse passt in ihren Jahresumtrieb.
- Ihre Lohmann-Dual-Legehennen sind handzahm.
Beat Rusch verschweigt aber auch nicht die Herausforderungen: «Zweinutzungshühner legen weniger Eier und die Legeleistung kann stark schwanken.» Auch sei der Mistanfall aufgrund der geringeren Futteraufnahme als bei herkömmlichen Legehennen tiefer. «Das wird aber in der Düngerbilanz nicht berücksichtigt, sodass wir gemäss den Standardzahlen trotzdem noch gleich viel Mist wegführen müssen», sagt Rusch.
Bio-Richtlinien sind eng geschnallt
«Die Bio-Suisse-Delegierten haben beim Entscheid gegen das Kükentöten zu wenig daran gedacht, dass man die gesamte Wertschöpfungskette von der Kükenaufzucht bis hin zu den Abnehmern im Blick haben muss», bemängelt er. Die Bruderhähne würden oft in Aufzuchtställen von Legehennen-Küken gehalten.
«Damit blockiert man die Aufzuchtställe für neue Legehennen.» Handkehrum fehle der Platz für Legehennen-Küken, die später Eier produzierten und am Markt sehr gefragt seien. Statt in Aufzuchtställen könnte man Bruderhähne auch gut in einem leer stehenden Gebäude eines Landwirts unterbringen, der einfach mit einem Futterband und einer Tränkeanlage ausgerüstet werden könnte.

«Damit wäre allen gedient. Aber das lassen die engen Biorichtlinien nicht zu», sagt er bedauernd. Die Abnehmer hätten keine Freude an den Bruderhähnen, auch wenn die neuen Legehennen-Linien etwas mehr Fleisch am Knochen hätten als die Hähne von herkömmlichen Legehennen-Rassen.
Karin und Beat Rusch liefern ihre Eier der Ei AG in Sursee, die sie vor allem an Coop liefert. Die Legehennen werden nach dem Jahresumtrieb von der Genossenschaft Gallocircle verwertet.
Ferien, um Kraft zu tanken
«Wenn ich etwas in der Landwirtschaft vermisse, dann ist es die Wertschätzung», sagt Beat Rusch. Früher, als er für ein Kiesabbauunternehmen Lastwagen fuhr, seien alle froh gewesen, wenn er Beton lieferte. Heute sei man als Landwirt oft allein am Werken. Oft habe man das Gefühl, dass die Branche nur kritisiert werde.
Aber Karin und Beat Rusch sind zufrieden, wie es läuft. Das andere käme ganz von alleine – manchmal doppelt und dreifach. Damit sprechen sie Schicksalsschläge an. Auch erkrankte Beat am Pfeifferschen Drüsenfieber und litt unter Long-Covid. «Gelernt haben wir aus solchen Erfahrungen, dass das Leben weitergeht – und auch, dass man sich wieder aufbauen kann», sagen sie.

Immer Vollgas geben, sich komplett auspowern, das kommt für sie nicht mehr infrage. «Eigentlich sind wir seit der Hofübernahme ständig am Planen, Bauen und Umbauen – und zwar mit enormer Eigenleistung», sagt Beat Rusch. Zurzeit sind sie noch daran, das grosszügige, traditionelle Mehrfamilien-Bauernhaus zu sanieren. Aber sie gönnen sich auch mal eine Auszeit vom Betrieb. Eine Woche Sommerferien ist fest eingeplant. Etwas, das weder Karin noch Beat Rusch in ihrer Kindheit je hatten. «Unsere Kinder Jonas und Johanna geniessen es», fügt Karin an.
Betriebsspiegel
- Familie Karin und Beat Rusch, Jonas (10) und Johanna (9)
- Ort Herisau AR
- LN 26 ha
- Tierhaltung 32 Milchkühe, 2000 Legehennen, 3 Alpakas, teilweise bis zu 26 Quarantäne-Rinder und -Kühe

