Auch auf den Schwyzer Alpen ist der trockene Sommer 2026 etwas zu spüren. Rund zehn Tage früher als üblich, bereits Mitte August, müssten die Kühe von hier abgetrieben werden, sagt Eva Ott von der Alpkäserei Gummen. Die liegt auf 1400 Metern über Meer, oberhalb des Talkessels Schwyz auf der Haggenegg am Fusse des kleinen Mythen.
Angenehm warm, aber etwas trockener
Allerdings sei so ein früher Alpabtrieb schon im ebenfalls trockenen Sommer 2018 nötig gewesen. Die Weiden präsentieren sich hier Anfang August aber noch sehr grün, schliesslich habe es immer wieder etwas geregnet. Die seien einfach etwas weniger wüchsig als sonst. Alpauffahrt war am 21. Mai 2026 – in der Regel bleiben die Kühe rund 100 Tage hier.
Der Alpsommer habe im Mai kalt gestartet, sei bisher grundsätzlich aber gut verlaufen. Etwas mehr Regen wäre schon wünschenswert gewesen. Die hohen Temperaturen seien aber angenehm. «Da muss man sich nicht immer so warm anziehen», freut sich Eva Ott.
Auch die Wasserversorgung sei hier kein Problem. Es gebe genügend gute Quellen und Reservoirs für die Käserei und die Alpen. Nur zu wenigen Tränkestellen müsse zwischendurch Wasser mit dem Fass zugeführt werden.
Dieses Jahr 20 000 kg Milch weniger
Die Alpkäserei Gummen wird von Familie Ott seit 2023 geführt, Heiri ist der Chefkäser, sein jüngerer Bruder Tobias der Zusenn und dessen Frau Eva führt den Laden, die Alpwirtschaft und ist für den Verkauf zuständig. Otts sind Pächter der Käserei und kaufen die Milch von drei Alpen zu, nämlich vom oberen und unteren Brüschrain sowie von der Stucklialp. Das sind Alpen der Genossame Schwyz. Die Älpler für die Viehbetreuung sind angestellt, können allerdings auch ihre eigenen Tiere hier sömmern.
Rund 100 Kühe werden auf den drei Alpen gesömmert, dazu etwas Jungvieh und einige Ziegen. Die Kühe stammen von den Talbetrieben der Region, von Genossenbürgern, die das Recht haben, ihre Tiere hier zu sömmern. Die Kühe werden dann auf die verschiedenen Genossenalpen rund um die Mythen verteilt.
Der Pachtzins für die Käserei basiert auf der Menge verarbeiteter Milch. Im Schnitt würden pro Sommer rund 120 000 kg Milch verarbeitet, dieses Jahr dürften es wetterbedingt wohl etwas weniger, rund 100 000 kg sein, sagt Eva Ott.
Erfahrener Käser
Eva Ott, Mutter der zwei kleinen Kinder Melissa und Matteo, wohnt und arbeitet mit ihrem Mann Tobias und ihrem Schwager Heiri den Sommer über hier, ansonsten leben sie im Sattel SZ. Dort führt Heiri auch noch einen Landwirtschaftsbetrieb mit 30 Dexter-Mutterkühen.
«Das Fleisch auf den Käse-Fleisch-Plättli des Alpbeizli stammt übrigens von diesen Tieren», erwähnt Eva Ott.

Heiri Ott ist gelernter Käser und arbeitet hauptberuflich über den Winter in der Greyerzer- und Spezialitätenkäserei Rust auf dem Walchwilerberg ZG. Tobias Ott, gelernter Landwirt, ist Zusenn, arbeitet den Sommer über zwei Tage als Lastwagenfahrer für Milchtransporte bei Stuber Rotkreuz.
Im Winter arbeitet er mehr. Und jeweils wöchentlich am Mittwoch ist er zuständig für die Auslieferungen der Milchprodukte von der Alpkäserei in verschiedene Läden der Region.
Pilger auf dem Jakobsweg
Alles wird direkt vermarktet, der Grosshandel werde nicht bedient. Verkauft wird auch im Chäslädeli direkt bei der Käserei, wo auch eine von Eva Ott geführte Alpwirtschaft für Wanderer und Biker betrieben wird, die hier Rast machen.

Die Alpkäserei steht übrigens gleich neben dem höchsten Punkt des Jakobsweges bei der Haggenegg. Den Weg begehen viele Pilger auf ihrer Tagesetappe von Einsiedeln nach Schwyz. Das sorge für viele Erlebnisse und spannende Gespräche, erzählt Eva Ott.
Von Molkendrinks bis Tannenkäse
Produziert werden bis zu 16 verschiedene Sorten Käse, darunter vier verschiedene Mutschli (Natur, mit Chili, Knoblauch, Pfeffer), dazu mehrere Sorten Raclette, Weissschimmel-Weichkäse und Alpkäse. Zum Sortiment gehört auch der Tannenkäse mit Tannenschössliaroma. Dazu noch Alpbutter, Alpkräuterbutter, Joghurts und Molkendrinks mit verschiedenen Aromen.
Die Käserei ist sehr modern eingerichtet, wurde 2005 neu gebaut und 2023 modernisiert, als Otts diese pachtweise übernahmen. Die Alp ist mit Wasser und Strom erschlossen, und mit dem Auto für Berechtigte auch von Schwyz wie von Brunni im Alptal her zugänglich.
Käselager ist knapp
Die Milch der 100 Kühe wird täglich morgens um sieben Uhr mit den mobilen Kühltanks von den Älplern der drei Alpen zur Käserei gebracht. Anfänglich seien es 1700 kg täglich gewesen, Anfang August noch rund 1000 kg, erklärt Tobias Ott beim Rundgang.

Der Käsekeller sei etwas knapp, wurde für rund sieben Tonnen gebaut. Anfang August war dieser schon rappelvoll. Deshalb müsse durch regelmässige Auslieferungen Platz geschaffen werden, damit dieser im Frühjahr leer sei. Die Käse gehen dann relativ jung weg.

