«Wenn unsere Tiere abends nach dem Melken zufrieden und gesund auf die Weide laufen und ich das Glockengeläut höre, dann bin ich glücklich», erklärt Thomas Arnold vor seiner Hütte auf der Alp Schön Chulm im Kanton Uri.
Die Aussicht auf der Urner Alp auf die imposante Felswand des Diepen ist tatsächlich eindrücklich. Sie lässt aber auch erahnen, dass es hier auf über 2000 Meter über Meer auch schnell ungemütlich werden kann. «Ja, bei uns ist es schön, wenn es schön ist», sagt der 37-jährige Älpler mit einem Schmunzeln.
Gesunde Kühe und eine schöne Alp
Den siebten Sommer verbringen Thomas und seine Frau Fränzi Arnold auf der Alp Schön Chulm. «Mein Vater ging woanders zAlp. Mein Traum war es aber schon immer, einmal die Alp Schön Chulm, welche mein Onkel lange Zeit führte, übernehmen zu können», erklärt Thomas Arnold.
14 Original-Braunviehkühe und einige Rinder sömmern während rund acht Wochen auf dem Oberstaffel. Das Gebäude ist im Besitz von Fränzi und Thomas Arnold, die Weiden gehören der Korporation Uri. Vor und nach der Zeit auf dem Oberstaffel weidet das Vieh jeweils rund drei bis vier Wochen auf dem 200 Höhenmeter tiefer gelegenen Unterstaffel Chalberweid, wo letztes Jahr ein neuer Stall erstellt wurde. Bald steht beim Chalberweid auch der Baustart für die neue Hütte inklusive Käsekeller an.
Viele Gebäude zum Unterhalten
Der Unterhalt und die Bauarbeiten an ihren eigenen Gebäuden sind für die Familie Arnold eine Daueraufgabe: «Wir zahlen Versicherungsprämien für zehn Gebäude, wobei darin einige kleinere Hütten gar nicht aufgeführt sind», erklärt Fränzi Arnold. Das Bauernpaar lebt nicht nur im Sommer an zwei verschiedenen Standorten, auch ihr Heimbetrieb besteht aus einem oberen und einem unteren Heimet.
Während Fränzi und Thomas Arnold auf dem tiefer gelegenen Heimet Ried leben, wohnen die Eltern von Thomas auf der oberen Liegenschaft Ebnet, wo diese über die Wintermonate das Jungvieh betreuen.

Perfektionismus macht es nicht leichter
«Es gibt sicher auch Momente, in denen ich mich frage, warum wir so viel investieren. Die Freude an der Alp und an unserem Vieh entschädigt uns aber für vieles», betont die 32-jährige Urnerin. Es sei aber klar, dass auch sie ab und zu an ihre Grenzen komme.
«Sind die Tiere krank oder gibt es in der Alpkäseproduktion Herausforderungen, belastet mich das schon. In solchen Situationen ist mein Perfektionismus sicher nicht förderlich», so Fränzi Arnold. Doch genau diese Punkte seien auch das, was das Leben auf der Alp ausmache. Eine intakte Natur, gesunde Menschen und Tiere und ursprüngliche Lebensmittel – das Alpleben zeige, was im Leben wichtig sei.
Und natürlich seien auch ihre Liebe und der gegenseitige Respekt enorm bedeutend. «Thomas und ich sind nicht nur ein Paar, wir sind zugleich auch Geschäftspartner, Arbeitskollegen und vielfach auch noch Stellvertreter. Wir wissen, dass wir aufeinander angewiesen sind, auch wenn natürlich auch bei uns Konflikte dazugehören.»
Ohne Nebenerwerb geht es nicht
Seit zwölf Jahren sind die beiden ein Paar, 2020 haben sie geheiratet. Wie auch auf vielen anderen Urner Bergbetrieben können die beiden auf die Unterstützung ihrer Familien und Nachbarn zählen. Während des Sommers haben sie dieses Jahr zudem eine junge Frau angestellt, denn nicht nur das Bauen und der Alpbetrieb sind arbeitsintensiv, auch die Heuernte auf den zehn Hektaren teils sehr steilen Wieslands ist zeitintensiv.
Ausserhalb der Alpsaison arbeiten sowohl Fränzi als auch Thomas Arnold im Nebenerwerb. Als Pflegefachfrau findet die junge Bäuerin momentan immer Arbeit. Auch Thomas Arnold ist in einer privilegierten Arbeitssituation. Sein Arbeitgeber, ein Bauunternehmer, geht selbst z'Alp. Entsprechend viel Verständnis hat dieser für die vier Monate «Sommerferien» von Thomas Arnold.

Zufriedenes Vieh zur Entspannung
Das mit den Ferien sei so eine Sache. «Ich hatte eigentlich vor, dass wir nach unserer Betriebsübernahme vor sieben Jahren jährlich eine Woche gemeinsame Ferien machen. Im letzten Winter sind wir zumindest einmal für vier Tage Skifahren gegangen», so Thomas Arnold.
Sein grosses Ziel, einmal die Weiten Kanadas zu besuchen, setzte er sogar schon vor der Betriebsübernahme um. Das sei zwar eine sehr interessante Zeit gewesen, mit dem Älplerleben würde er aber nicht tauschen wollen. «Eine zufriedene Original-Braunviehherde auf einer Alpweide kann von fast nichts überboten werden.»

