Mit Verantwortung, Erfahrung und gesundem Menschenverstand bewirtschaften wir Landwirte unsere Felder. Die Verantwortung tragen wir für unsere Böden, aber auch für unsere Produkte, die wir in den Handel bringen: dass sie den Normen entsprechen und ohne unbewilligte Pflanzenschutzmittelrückstände beim Konsumenten ankommen.
Bildung ist kein Ersatz für gesunden Menschenverstand
Nun stelle ich aber fest, dass in unserem Land einige dieser oben erwähnten Tugenden – Verantwortung, Erfahrung und gesunder Menschenverstand – immer mehr von der Bildfläche verschwinden. Ich zitiere hier ein Sprichwort: «Gesunder Menschenverstand kann nicht durch Bildung, auch nicht durch einen Hochschulabschluss ersetzt werden.» Bildung und einen Hochschulabschluss kann man jedoch oft mit gesundem Menschenverstand ersetzen.
Schauen wir auf unser Amt in Bern und mit welchen Produktionserschwernissen wir dieses Jahr wieder konfrontiert wurden. Wie wenn uns nicht schon das Klima, wenig Niederschläge und heisse Tage die Produktion von Lebensmitteln massiv erschweren! Wir stehen ziemlich unter Stress und doch nehmen wir unseren Beruf ernst und produzieren verantwortungsvoll unter erschwerten Bedingungen Lebensmittel. Da brauchen wir eigentlich nicht noch im Büro ausgedachte, nicht praxisgerechte Produktionserschwernisse.
Verantwortung wird auf Landwirtschaft abgeschoben
Dieses Regelwerk wurde nicht von Praktikern ausgeklügelt, sondern von gut ausgebildeten Theoretikern. Übernimmt jemals einer von diesen Frauen oder Männern die Verantwortung, wenn die eingeführten parlamentarischen Ziele schlichtweg nichts bringen?
«Ich wüsste gerne, wo die Verantwortlichen heute sind, die 1995 das Mähdatum 15. Juni für extensive Wiesen eingeführt haben, egal, ob im Tal oder im Hügelgebiet.»
Heinz Höneisen fragt sich, wie sinnvoll der terminierte Schnittzeitpunkt für Ökoheu ist
Damals wurden obligatorisch grosse Flächen extensiviert. Und heute, fast 30 Jahre später, heisst es: Die Biodiversität hat sich verschlechtert, schuld sind die Bauern. Niemand von einem Amt übernimmt hier die Verantwortung dafür, dass diese Massnahme damals nicht wirklich mit gesundem Menschenverstand eingeführt wurde.
Biodiversität funktioniert auch ohne Abspaltung von Ackerflächen
Nun kommen nochmals 3,5 % der Ackerfläche auf den Betrieben in den Biodiversitätskreislauf. Wie viel das bringt, weiss ja niemand. Was es sicher bringt, sind weniger Lebensmittel. Ich bin nicht gegen Biodiversität, aber ich bin gegen ein obligatorisches Aufteilen der Betriebe in Biodiversitäts- und Produktionsflächen.
Ich sehe in unseren Karottenfeldern Schwalbenschwänze und Schwebfliegen. In den Getreidefeldern leben auch viele Insekten und Bodenbrüter. Und dies ist jetzt schon der Fall – ohne eine Abspaltung von Produktionsflächen.
Darum: Es stehen Wahlen an. Sucht Gespräche mit den Politikern, die gewählt werden wollen, und zwar aller möglichen Parteien! Schildert ihnen unsere Situation. Zeigt ihnen, mit wie viel Liebe und Einsatz wir unsere Felder bewirtschaften, um verantwortungsvoll Lebens-mittel für die Schweizer Bevölkerung zu produzieren, und dass wir froh wären, wenn wir das auch weiterhin mit Erfahrung und gutem Menschenverstand praktizieren können.
Zur Person
Heinz Höneisen ist Co-Präsident der Mitgliederorganisation Bio ZH-SH. Er führte den Thurlandbio-Betrieb in Andelfingen und hat ihn nun seinem Sohn übergeben. Er schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

