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Der Tännlihof – wo Ingwer und Physalis nebeneinander gedeihen

Auf dem Tännlihof in Andelfingen wird Gemüse produziert. Der Betrieb setzt dabei auf eine Mischung aus altbewährtem, probiert jedoch immer wieder neue Sachen aus.

«Ich stand schon öfter abends vor einem gesetzten Feld und habe mich am Kopf gekratzt und überlegt, wie wir das jetzt hacken sollen», kommentiert Heinz Höneisen die Herausforderung, qualifiziertes Fachpersonal zu finden, welches die moderne GPS-gesteuerte Technik auch bedienen kann.

Produzieren und immer wieder Neues ausprobieren

Heinz und Martin Höneisen bewirtschaften im zürcherischen Weinland auf 65 Hektaren einen biologischen Acker- und Gemüsebaubetrieb. Produziert wird eine Vielfalt an verschiedenem traditionellem Gemüse wie zum Beispiel Spinat, Buschbohnen, Kartoffeln und Randen. Daneben sind beide Landwirte Freigeister, die immer wieder Neues ausprobieren und in einigem auch eigene Wege gehen.

Der Betriebsschwerpunkt liegt auf der Produktion von verschiedenem Feld- und Industriegemüse. Dabei setzen Höneisens auf eine Vielfalt an traditionellen Gemüsesorten, welche bei Bedarf mit neuen Gemüsearten ergänzt werden. Diese werden zuerst probeweise angebaut; bewähren sie sich, dann werden sie in das Portfolio aufgenommen. So kam zum Beispiel in den letzten Jahren die Süsskartoffel dazu. Diese ist mittlerweile mit einer Anbaufläche von anderthalb Hektaren eine etablierte Kultur auf dem Betrieb.

Auf 1.5ha Fläche wachsen die Süsskartoffeln üppig auf dem Tännlihof
Auf dem Tännlihof werden mittlerweile auf 1.5 Hektaren Süsskartoffeln angebaut. Sie gedeihen prächtig.
Der Tännlihof – wo Ingwer und Physalis nebeneinander gedeihen
Die Süsskartoffeln von nahem. Sie sehen aus wie Winden und kriechen mit ihren Auslegern über den Boden, bis dieser bedeckt ist.

Neben dem Einbringen von neuen Gemüsearten wird auch auf Weiterentwicklungen in bestehenden Gemüsesorten wie zum Beispiel der Kartoffel gesetzt. «Ich wollte schon immer der Erste sein und ich wollte die besten Frühkartoffeln produzieren», umschreibt Heinz Höneisen den Anspruch an sich selbst und an diese Kultur. Um dies zu erreichen, werden konsequent die neusten Sorten eingesetzt. So zum Beispiel Accoustic, Emanuel und Vitabella, welche deutlich resistenter gegenüber der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) sind. Für Höneisens heisst das konkret, dass sie weniger Kupfer gegen diese Krankheit spritzen müssen oder in trockenen Jahren gar ganz auf eine Spritzung verzichten können.

Betriebsspiegel Tännlihof

Name: Martin und Heinz Höneisen Ort: Andelfingen ZH Höhenlage: 350 m ü. M LN: 65 ha, davon 3 ha unter Gewächshaus Anzahl Mitarbeiter: 35–40 Nutztiere: 70 Schafe für die Beweidung Kulturen: Vielfältiger Gemüsebaubetrieb mit Ackerkulturen, angebaut werden u.a.: Kartoffeln, Karotten, verschiedene Salate und Kohlarten, Zucchetti, Auberginen, 10 ha Buschbohnen, Tomaten, Peperoni, Gurken, Ingwer und Physalis, Kunstwiesen und Brotweizen.

Mehr Freiheit bei der Bewirtschaftung der Ökoflächen

Eigene Wege gehen Höneisens beim Thema Biodiversität. Hier machen sie beim zürcherischen Ressourcenprojekt ZiBiF (Zielorientierte Biodiversitätsförderung) mit. Landwirte, die beim ZiBiF mitmachen, haben mehr Freiheiten in der Bewirtschaftung ihrer Ökoflächen. Sie können also selber die geeignete und beste Massnahme für ihre Fläche auswählen. Gleichzeitig besteht aber das Ziel, dass die Biodiversität gefördert und erhöht werden soll. Für Heinz Höneisen heisst das zum Beispiel, dass er seine Ökowiese im April beweiden darf, wodurch sie laut eigener Aussage nun weniger Gras, dafür mehr Kräuter und blühende Elemente aufweist.

Einen weiteren Erfolg sieht er in den speziell errichteten Lerchenblühstreifen, dank denen sich nachweislich Feldlerchen angesiedelt haben.

Der Tännlihof – wo Ingwer und Physalis nebeneinander gedeihen
Betreten verboten! Man vermutet es kaum, aber in diesem hinter der Warntafel sich befindendem Blühstreifen brüten Feldlerchen.

Eine grosse Auswahl an technisch anspruchsvollen, aber auch einfachen Maschinen

Auf Bewährtes und Neues setzt man auch in der Mechanisierung. Sämtliche Traktoren des Betriebs verfügen über GPS oder sind zur Umrüstung geplant. Auch viele Setzmaschinen und Hackgeräte sind mit GPS ausgerüstet. Das ermöglicht es später beim Hacken, noch näher an die Kultur zu kommen. Entscheidend für einen Biobetrieb, wo jeder Zentimeter gehackter Boden zählt. Fehlt es mal an qualifizierten Mitarbeitern, verfügt der Betrieb auch über mehrere Hackgeräte, welche noch hinten von Hand gesteuert werden. Mit diesen komme man zwar nicht so nah an die Kultur, dafür funktionierten diese auch ohne digital-affines Personal.

Der Tännlihof – wo Ingwer und Physalis nebeneinander gedeihen
Der mit diversen Traktoren und Maschinen gut gefüllte Unterstand des Tännlihofs.
Der Tännlihof – wo Ingwer und Physalis nebeneinander gedeihen
Falls es ohne GPS nicht geht. Für solche Fälle besitzt der Tännlihof zwei von Hand gesteuerte Hackgeräte.

Gleich neben den Feldern erstrecken sich auf drei Hektaren die Gewächshäuser der Höneisens. Diese sind mit mehreren klassischen Gewächshauskulturen gefüllt, wie zum Beispiel mit Tomaten oder Auberginen. Auch hier wird viel ausprobiert.

Aktuell werden zum Beispiel die Tomaten ausschliesslich mit einem langfristigen Dünger, basierend auf Schafswoll-Pellets, gedüngt. Diese wurden vor dem Setzen der Tomaten ausgebracht und in den Boden eingearbeitet. Auf flüssige Dünger wird in diesem Anbauverfahren verzichtet. «Wir haben mit der Zeit gemerkt, dass durch den Einsatz von flüssigem Dünger der Gewächshausboden zunehmend versalzte. Wir versuchen darum, vom Flüssigdünger wieder wegzukommen», begründet Heinz Höneisen den Entscheid. Neuland zu betreten, sei gerade ein spannender Teil, der die Landwirtschaft ausmache. In den Auberginen ist der Boden mit Stroh bedeckt. Dieses stammt vom eigenen Weizen und dient hier zur Unkrautunterdrückung.

Der Tännlihof – wo Ingwer und Physalis nebeneinander gedeihen
Ein Gewächshaustunnel mit Auberginenpflanzen. Zur Unkrautunterdrückung wurde zwischen den Reihen Stroh vom eigenem Weizen eingestreut.
Tomaten im Gewächshaus des Tännlihofs
Die mit den Schafswollpellets gedüngten Tomatenpflanzen gedeihen bisher prächtig. Auf dem Tännlihof werden über zwanzig verschiedene Tomatensorten für den Direktverkauf angebaut.

Ingwer und Physalis im Mischkulturanbau

Ganz neue Erfahrungen sammelt man im hintersten Gewächshaus. Hier wächst Ingwer mit Physalis in Mischkultur. Der Ingwer wird bereits seit drei Jahren für den eigenen sowie andere Hofläden angebaut. Auf die Idee eines Mischanbaus kam Heinz Höneisen per Zufall. «Da der Ingwer nicht so hoch wird, habe ich nach einer Kultur gesucht, welche ergänzend noch besser den Raum ausnutzt», so Höneisen. Nun sei man gespannt auf die Physalis. Bewähre sich diese neben dem Anbau auch im Verkauf, werde man sie in die Produktion aufnehmen.

Der Tännlihof – wo Ingwer und Physalis nebeneinander gedeihen
Hochgebundene Physalispflanze im Ingwer. Deutlich zu sehen die an der Sprossachse wachsenden lampionähnlichen "Früchte". In ihnen steckt die eigentliche kirschgrosse Frucht der Physalis.

Kultursteckbrief zur Physalis

Die Physalis (Physalis peruviana), Andenbeere oder Kapstachelbeere stammt ursprünglich aus Südamerika. Sie ist je nach Anbaustandort ein- (bei uns in der Schweiz) oder mehrjährig. Sie gehört zur Familie der Nachtschattengewächse, ist also verwandt mit Kulturpflanzen wie der Tomate, Aubergine, der Kartoffel oder dem Tabak.

Genutzt wird bei der Physalis hauptsächlich die etwa kirschgrosse Frucht. Diese entwickelt sich entlang von am Pflanzenstamm angelegten lampionförmigen Kelchhüllen. Anfänglich grün, wechselt sie ihre Farbe zur Abreife in ein sattes Orange.

Geschmack/Gesundheit
Die Physalis ist reich an Vitamin C, B1 und A. Sie gilt als ausgesprochen gesunde Frucht, stärkt das Immunsystem, unterstützt die Verdauung und verbessert das Sehvermögen. Ihr Geschmack ist markant süss-sauer, exotisch und erinnert an eine Mischung tropischer Früchte, wie zum Beispiel Ananas und Maracuja (Passionsfrucht).

Anbau: Das ist wichtig
Saat: Ab Februar Anzucht im Gewächshaus, Pflanzung ins Freiland ab Mitte Mai möglich. Dunkelkeimer, TKG 1–1,2 g, möglichst flach (0,5 cm) säen.
Pflanzabstand: 100 cm zwischen den Reihen, 60–70 cm in den Reihen.
Boden/Nährstoffe: Bevorzugt sandige, leicht erwärmbare und gut durchlässige Böden. Starkzehrer, jedoch unbedingt N-Überdüngung vermeiden (Verzögerung bei Abreife).
Ertrag: Eine ausgewachsene Pflanze kann 250–500 g reife Früchte liefern (40–80 Stück).
Gute Partner: Als Mischpartner eignen sich Bohnen, Spinat und Salate. Ebenfalls eignen sich Zucchetti und Gurken als Mischpartner.
Schlechte Partner: Nachtschattengewächse wie Tomaten, Auberginen oder Kartoffeln eignen sich nicht für eine Mischkultur.





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