«Fleisch oder Brot – eine Konkurrenz?» So lautete der Titel eines Podiums, das am 1. Oktober 2022 im Rahmen der Wega stattfand, organisiert von der neu gegründeten Kommission «Zukunft Landwirtschaft» des Verbands Thurgauer Landwirtschaft. Die Podiumsteilnehmer waren die Nationalräte Tiana Angelina Moser (GLP, ZH) und Manuel Strupler (SVP, TG), Biolandwirt Peter Schweizer und Piera Waibel vom Verein für regenerative Land- und Ernährungswirtschaft.
Verhärtete Fronten in der Landwirtschaftspolitik
Moderatorin Katharina Serafimova startete mit der Aussage, «dass die Zukunft der Landwirtschaft uns alle etwas angeht». Bäuerinnen und Bauern würden sich angesichts des gesellschaftlichen Drucks häufig als «Buhmann» fühlen, müssten sich ständig rechtfertigen. Tiana Angelina Moser sprach nicht von Vorwürfen, sondern von Herausforderungen, die mit der Landwirtschaftspolitik zusammenhängen.
«Wir haben eine Landwirtschaftspolitik, die für unsere Ökosysteme schwierig zu bewältigen ist und zu Initiativen führt, die teilweise durchaus extrem sind.»
Tiana Angelina Moser, GLP-Nationalrätin
Sie habe immer versucht, Hand zu bieten für Kompromisse und kooperativ zu sein. «Aber das funktioniert in meiner Wahrnehmung auf nationaler Ebene nicht.» Die Landwirtschaftspolitik sei sehr verhärtet, findet Moser und forderte: «Die Landwirtschaftspolitiker müssten einsichtiger sein.»
Dazu sagte Manuel Strupler: «Mit der Landwirtschaft können alle Politik machen, das führt zu verhärteten Fronten.» Er stört sich daran, dass man den Bäuerinnen und Bauern ständig den Schwarzen Peter zuspielt. Seiner Ansicht nach müsste man die Konsumenten mehr in die Pflicht nehmen. Zu der von Moser geäusserten Kritik an den Bauernpolitikern meinte er:
«Grundsätzlich begrüsse ich Dialogbereitschaft. Aber wenn man die Hand ausstreckt und alle ziehen daran, geht es auch nicht.»
Manuel Strupler, SVP Nationalrat
Es bräuchte mehr Bereitschaft von beiden Seiten, aufeinander zuzugehen, so Strupler.
Regenerative Landwirtschaft - grundsätzlich nichts Neues
Einen weiteren Punkt, den Katharina Serafimova ansprach, war die Tierhaltung, namentlich die Kuh als Klimasünder. Peter Schweizer hielt fest, die Kritik an der tierischen Produktion sei nicht zielführend. «Tiere gehören in den Betriebskreislauf.» Mit Kreislaufwirtschaft auf dem Hof sei Vieles möglich. «Natürlich müssen wir über die Art der Tierhaltung und die Intensität diskutieren. Aber schlussendlich bestimmt die Nachfrage das Angebot.» Die Fehlentwicklung liege beim Konsum, nicht bei der Tierhaltung. Piera Waibel stimmte Schweizer insofern zu, dass Tiere ein wichtiger Teil des Landwirtschaftsbetriebs sind.
«Der Punkt ist, dass es zu viele Nutztiere gibt.»
Piera Waibel, Verein regenerative Landwirtschaft
Schweizer wies darauf hin, dass die Ansätze der regenerativen Landwirtschaft nichts Neues sind. «Es liegt nicht am Geld, sondern an der fehlenden Zeit.» Dass die Agrarpolitik alle vier Jahre ändere, sei zwar handelbar, aber für die Bauernfamilien eine Dauerbelastung. «Man müsste Druck aus dem System nehmen. Dann wäre auch der Mut da, Neues zu versuchen», ist er überzeugt.
«Wenn man permanent am Limit läuft, hat man nicht den Kopf frei, um über Neues nachzudenken.»
Peter Schweizer, Biolandwirt und Co-Präsident von Bio Ostschweiz
Andere Umverteilung der Landwirtschaftsgelder gefordert
Tiana Angelina Moser ist sich bewusst, dass nicht alles auf den Schultern der Bauern ausgetragen werden kann.
«Wir haben Herausforderungen in der Landwirtschaft, die es anzupacken gilt.»
Tiana Angelina Moser zur Debatte über das Landwirtschaftsbudget
Das Landwirtschaftsbudget sei hoch – was sie unterstütze – doch es schaffe Fehlanreize. «Das heutige Finanzierungssystem fördert hohe Tierbestände, die unser Ökosystem nicht bewältigen kann.» Für sie stelle sich die Frage, wie kann man eine Unterstützung für die Umstellung auf regenerative Systeme bewerkstelligen könnte. «Politisch und gesellschaftlich wäre die Akzeptanz gross», ist sie überzeugt. Dafür bräuchte es Offenheit von allen. «Wir kommen nicht darum herum, darüber zu reden, wie man die Gelder des Landwirtschaftsbudgets zukünftig verteilt.»
Manuel Strupler sieht den Weg darin, dass Politik und Verbände gemeinsam mit der Landwirtschaft Lösungen entwickeln. Das Ziel der Gruppe «Zukunft Landwirtschaft», den Dialog mit der Bevölkerung zu intensivieren, unterstützten alle Teilnehmer. Katharina Serafimova fasste abschliessend zusammen: «Der Zukunftsweg scheint der Dialog zu sein, mit dem Ziel, miteinander zu lernen und die Reise gemeinsam anzutreten.»
Neue Komission des VTL
Der Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL) hat die Kommission «Zukunft Landwirtschaft» neu ins Leben gerufen und an der Wega vorgestellt. Ziel ist der Aufbau einer Strategie, damit konventionelle Landwirtschaft, Biobauern, Konsumenten, Umweltverbände und Abnehmer auf einer Seite stehen. Es müsse ein neuer Weg in der Landwirtschaft eingeschlagen werden, regenerativ, leistungsorientiert, mit eigenen Normen und einem offenen individuellen Betriebssystem. Die Kommission soll eine Plattform für alle Bauern werden, die mit Vernetzungen, Workshops und Vorträgen das Wissenspotenzial vermittelt.

