Boris Beuret, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), fordert eine rasche Erhöhung des Milchpreises. Für viele Milchproduzentinnen und Milchproduzenten sei die tägliche Arbeit aktuell äusserst belastend, erklärt er.
Tiefe Milchpreise träfen auf anhaltende Hitze und Trockenheit, auf Futterknappheit, gesundheitliche Probleme bei den Tieren und steigende Kosten. Diese Mehrfachbelastung bringe Betriebe an ihre Grenzen und gefährde wirtschaftliche Existenzen.
Vom Überschuss zur Futtersorge
Wie schnell die Lage kippen kann, hätten die vergangenen Wochen gezeigt, so Boris Beuret weiter. Noch im Juni hätten hohe Milcheinlieferungen, ausgelastete Verarbeitungskapazitäten und steigende Lagerbestände im Zentrum gestanden. Inzwischen bremsten Hitze und Trockenheit das Graswachstum, schmälerten die Futtererträge und liessen die Sorge vor einer sinkenden Milchproduktion wachsen.
Für die Betriebe sei diese Volatilität besonders hart, sagt der SMP-Präsident. Produktionskapazitäten und Futterflächen liessen sich nicht kurzfristig anpassen. Wer zusätzliches Futter zukaufen müsse, trage höhere Kosten, ohne zu wissen, ob diese je über den Milchpreis gedeckt würden. Wer Tiere früher von der Alp hole, brauche im Tal Platz, Futter und Reserven, die vielerorts fehlten.
Auf dieser Basis setze sich die SMP in der Branche nun mit Nachdruck für eine rasche Preiserhöhung ein. «Es geht darum, dass die Mehrkosten gedeckt werden, die den Milchproduzentinnen und Milchproduzenten aufgrund der aktuell dramatischen Lage entstehen», sagt Boris Beuret.
Die jüngsten Ausschläge zeigten laut SMP-Präsident aber auch, dass es mittelfristig mehr braucht. «Die Branche braucht ein widerstandsfähigeres Marktsystem, das starke Schwankungen abfedert und Milchmenge und Verarbeitungskapazität besser aufeinander abstimmt», sagt der SMP-Präsident. Man solle sich auf das konzentrieren, was man tatsächlich beeinflussen könne: «Wetter, internationale Märkte und viele wirtschaftliche Faktoren können nicht gesteuert werden. Was wir aber stärken können, ist die Zusammenarbeit innerhalb der Branche, mehr Transparenz und rechtzeitiges gemeinsames Handeln.»
Milchproduktion unverzichtbar für die Versorgungssicherheit
Dazu brauche es verlässliche und zeitnah verfügbare Daten, klare Verantwortlichkeiten und Massnahmen, die bei Bedarf rasch aktiviert werden können. «Die SMP setzt sich innerhalb der Branchenorganisation Milch mit Nachdruck für ein solches System ein und tut alles dafür, dass im Lauf des Herbsts wirksame Massnahmen ergriffen werden», sagt Boris Beuret.
Seine Vision bleibe eine flächendeckende, graslandbasierte und wirtschaftlich tragfähige Milchproduktion in der Schweiz, so Beuret. Sie leiste einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit, zur regionalen Wertschöpfung und zur Pflege der Kulturlandschaft. Dieses Ziel vertrete die SMP auch im Rahmen der Agrarpolitik AP 2030+ mit voller Überzeugung.
«Die Weichen dafür werden heute gestellt», sagt Beuret. Es brauche verlässliche Rahmenbedingungen und eine Branche, die bereit sei, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. «Nur wenn alle Stufen der Wertschöpfungskette ihren Beitrag leisten, können wir die Grundlage für eine wirtschaftliche, nachhaltige und resiliente Milchproduktion in der Schweiz langfristig sichern.»

