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Mit der Ernährung den Planeten retten

Autorin Agnes Schneider Wermelinger hat einen Bericht der Lancet-Kommission gelesen, der tierische Produkte anprangert. Sie ist damit nicht einverstanden.

«Planet based diet» ist ein Begriff, der seit kurzer Zeit immer wieder zu lesen ist. Gemeint ist damit eine Ernährung, die den Planeten Erde retten soll. Die Eat-Lancet-Kommission für Ernährung, Planet und Gesundheit zählt 37 Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die der Frage nachgingen, ob künftig die 10 Milliarden Menschen, die im Jahr 2050 leben dürften, gesund ernährt werden können. Die Antwort dieses Zirkels lautete «Ja, aber …»

Esskultur des Westens zerstört die Erde

«Le Monde», «New York Times», «BBC News» und «India Times» waren nur ein paar grosse Titel, die über das Thema berichteten. Zur «Planet based diet» entstanden innert kurzer Zeit beinahe 6000 Zeitungsartikel in 118 Ländern. Joseph Poore von der Oxford Universität in England ist Leiter der genannten Lancet-Studie. Er sagt: «Eine vegane Ernährung ist wahrscheinlich die effektivste Weise, unseren ökologischen Fussabdruck zu verringern. Denn es geht nicht nur um die verursachten Treibhausgase, sondern auch um die weltweite Übersäuerung der Böden, die Überdüngung der Gewässer und die Land- und Wassernutzung …»

Aus seiner Sicht ist es vor allem die Esskultur im Westen, welche die Erde zerstört. Ganz besonders geisselt er den Fleischkonsum. Für die Schweiz sehen er und sein Gremium vor, dass, wer der Erde Sorge tragen will, höchstens alle zwei Wochen ein Stück rotes Fleisch geniessen dürfte.

Ist Fleischkonsum gleich Tierleid?

Poore und die Lancet-Mitstreiter sind der Meinung, dass die Landwirtschaft der Sektor sei, der eine Vielzahl an Umweltproblemen vereint: «In Wahrheit sind die Produktion von Fleisch und Milchprodukten verantwortlich für viele grosse Umweltprobleme.» Es bringe wenig, nur nachhaltig produzierte Fleisch- und Milchprodukte zu erwerben, denn das Tierleid stehe hinter all diesen Produkten. Wahrscheinlich ist, dass Poore und seine Anhänger noch keinem Bauernkind zugesehen haben, wie es mit seinem Kalb spielt oder mit grösster Freude die Tiere des elterlichen Landwirtschaftsbetriebes betreut. Wer bei Fleisch und Milchprodukten oder bei Lederschuhen an Tierleid denkt, kennt nur die eine Seite der Medaille, beziehungsweise die eigene Sicht.

Grasland Schweiz wird zu Fleisch und Milch

Die Lancet-Experten vertreten die Meinung, dass der europäische Ernährungsstil die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt sei. In den letzten 50 Jahren seien die in ihrem «Living Planet Report» untersuchten Wildtierbestände um 68 Prozent zurückgegangen. Die Nahrungsmittelproduktion sei für 70 Prozent des Verlusts der biologischen Vielfalt auf dem Land und für 50 Prozent im Süsswasser verantwortlich.

Essen für die Erde

So sähe der Tagesplan von «Planetary Health Diet» aus:

Gemüse: 300 g

Milch oder aus dieser Menge hergestellte Produkte: 250 g

Vollkorngetreide (Reis, Weizen, Maisoder andere): 232 g

Obst: 200 g

Hülsenfrüchte: 75 g

Nüsse: 50 g

Stärkehaltiges Gemüse (Kartoffeln, Maniok): 50 g

Ungesättigte Fette: 40 g

Zucker (alle Süssungsmittel): 31 g

Geflügel: 29 g

Fisch: 28 g

Rotes Fleisch (Rind, Lamm, Schwein): 14 g

Eier: 13 g

Gesättigte Fette: 11,8 g

Der Plan sieht vor, dass man die Mengen und Produkte tageweise austauschen kann. Wer den Plan einhalten will, darf diese Werte im Durchschnitt aber nicht überschreiten.

Das sind harte Aussagen. Beinahe jedes Kind weiss, dass nur Wiederkäuer wie die Kuh Gras zu Milch und Fleisch veredeln können. Die Schweiz ist ein Grasland; Klima und Boden bieten optimale Bedingungen für die Produktion von Wiesenfutter. Ob Gras, Heu oder Silage – Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen können Gras veredeln. Die wichtigste Energie- und Proteinquelle für Milchvieh in der Schweiz ist Wiesenfutter. Wir Menschen können Gras aber nicht verwerten. Also ist es doch sinnvoll, dieses hochwertige Futter zu nutzen und der menschlichen Ernährung zugänglich zu machen.

Das Argument, dass Fleisch und Milchprodukte ungesund seien, dürfte auch nicht stechen – oder wie sonst ist es zu erklären, dass die Lebenserwartung in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten massiv gestiegen ist?

Sind Milch und Fleisch die Hauptursachen für Covid 19?

Dasselbe Gremium schreibt: «Die Hauptursachen für neu auftretende Infektionskrankheiten wie Covid 19 sind die nicht nachhaltige Umwandlung von Land für die Landwirtschaft, die intensive Viehhaltung und der illegale Handel mit Wildtieren, die oft zum Verzehr bestimmt sind. Wir müssen daher die Art und Weise ändern, wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren, um allen eine gesunde und nachhaltige Zukunft zu ermöglichen.» Das ist ein «dicker Brocken». Es weiss wohl niemand wirklich, weshalb die Corona-Pandemie aufgetreten ist. Einfach der Landwirtschaft die Schuld in die Schuhe zu schieben, greift zu kurz.

Regionales und saisonales Essen ist sinnvoll

Gemässigtere Experten des Lancet-Zirkels sagen, dass es etwas bringe, wenn man den Fleisch- und Zuckerkonsum ein wenig reduziere. Schon Paracelsus sagte, dass es die Dosis ist, welche das Gift ausmacht. Wer wirklich einen sehr hohen Fleisch- und Zuckerkonsum hat, darf ruhig daran schrauben – das macht Sinn und zwar in vielerlei Hinsicht. Zudem ist es der Gesundheit zuträglich, mehr Gemüse und Früchte zu essen. Dass es aber nur noch alle zwei Wochen ein Stück Rindfleisch sein soll, ist bestimmt nicht die Rettung des Planeten.

Am sinnvollsten ist es, Lebensmittel aus der Region und zusätzlich saisonal zu konsumieren. Da fällt die Energie für den Transport weg, davon spricht erstaunlicherweise niemand. Auch wie die Soja für Fleischersatzprodukte gewonnen wird, müsste bei dieser Gelegenheit genau angeschaut werden. Nachhaltig produziertes Fleisch, Milchprodukte und Zucker in vernünftigem Rahmen zu geniessen, muss sich niemand ausreden lassen – auch mit diesem Report nicht.

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