Hofladenkette «Rüedu» muss aufgeben – Hofläden leiden

Trotz grossen Anstrengungen ist es der Berner Hofladenkette «Rüedu» nicht gelungen, nachhaltig in die positiven Zahlen zu kommen. Die Marktlage für Hofläden ist rau. Woran das liegt, erklären Karin Ingold, Geschäftsführerin von «Rüedu», und Sandra Helfenstein vom SBV.

Während der Coronapandemie boomte die Direktvermarktung. Auch bei «Rüedu» wurde hoffnungsvoll in eine Vorwärtsstrategie investiert. Ambitioniertes Ziel war es damals, über die Kantonsgrenzen hinaus zu expandieren. Doch der Plan ging nicht auf. Schon das Wachstum im Kanton Bern war schwierig, die Standorte in den ländlichen Regionen rentierten schlecht und die Logistik war teuer. Deshalb hatte sich Rüedu bereits vor zwei Jahren sukzessive aus der Region zurückgezogen und sich auf das Stadtgebiet Bern und die Agglomeration konzentriert.

Karin Ingold, Geschäftsführerin von «Rüedu», führt aus, dass die Rüedu-Läden gerade in den Quartieren in Bern einen guten Umsatz aufwiesen und auf eine treue Kundschaft zählen konnten. Auffallend war hier sicher, dass die Umsätze im 24-Stunden-Betrieb vor allem ausserhalb der normalen Ladenöffnungszeiten generiert wurden.

Sanierung war auf gutem Weg

Die Redimensionierung auf zuletzt knapp 20 Filialen ermöglichte eine schlankere Logistik sowie einen entsprechend geringeren Personalbedarf. Parallel dazu wurden die Organisation und die internen Prozesse kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert, um die betrieblichen Abläufe zu verbessern.

«Eigentlich waren wir mit der Sanierung auf gutem Weg», sagt Karin Ingold. «Wir waren fortlaufend im Gespräch mit allen Teilhabenden.» Doch die Altlasten durch die gescheiterte Expansionsstrategie waren zu gross. Zu den Altlasten gehörten nebst der Verschuldung Fahrzeuge wie auch Container, die eingelagert wurden und eine hohe Kapitalbindung verursachten.

Hofläden allgemein im Umbruch?

Der Hofladen-Boom aus der Corona-Zeit hat sich vielerorts stark abgeflacht. Auch Sandra Helfenstein vom Schweizerischen Bauernverband weiss um die veränderte Marktlage: «Die Preissensibilität ist gestiegen. Viele Leute erwarten, dass der Hofladen günstiger ist als der Detailhandel.»

Gerade die Preisgestaltung war laut Karin Ingold ein viel diskutiertes Thema: «Uns war es sehr wichtig, unseren Lieferantinnen und Lieferanten faire Preise zu bezahlen. Damit konnten aber unsere Produkte nicht auf dem Preisniveau der Grossverteiler mithalten.»

Verändertes Konsumverhalten

Das Konsumverhalten der Bevölkerung hat sich seit Corona wieder sehr verändert. Dieser Ansicht ist auch Sandra Helfenstein: «Wir hören generell von Direktvermarktern, dass das Umfeld schwieriger geworden ist.» Um einen Hofladen erfolgreich zu führen, brauche es verschiedene Faktoren, die ineinanderspielen – ein guter Standort ist sicher entscheidend. Dem stimmt auch Karin Ingold zu. Ihre Standorte, die nicht funktioniert haben, waren in der Nähe von Aldi oder Coop.

Rüedu ist nicht das einzige Unternehmen, das Insolvenz anmelden musste. Auch das eigentlich gut etablierte Online-Angebot von Farmy/Pico Lebensmittel musste im Mai 2026 aufgeben. Die Agrovision Burgrain, welche mit einem an Rüedus angelehnten Konzept externe Selbstbedienungsläden eröffnete, musste diese Anfang 2026 wieder schliessen.

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