Seit September ist für die Erfassung von Lieferungen im Bereich Hof- und Recyclingdünger Digiflux in Betrieb. Es ersetzt Hoduflu, das laut Behörden offiziell das Ende seines technischen Lebenszyklus erreicht hat. Mit anderen Worten: Hoduflu sei veraltet. Man habe es ersetzen müssen, heisst es beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).
Ausbessern und bis auf Weiteres Hoduflu
Es sei ganz offensichtlich unter zeitlichem Druck eine noch unausgereifte und nicht praxistaugliche Version von Digiflux lanciert worden, kritisiert der Schweizer Bauernverband (SBV). Der Verband verurteilt das «dilettantische Vorgehen» des BLW scharf. Zusammen mit dem Verband Lohnunternehmer Schweiz habe man einen Brief an das Bundesamt geschickt und gefordert, die verpflichtende Nutzung von Digiflux umgehend auszusetzen. Bis zur vollständigen Behebung der bestehenden Mängel solle wieder das bewährte System Hoduflu zur Verfügung stehen.
«Unzählige» frustrierte Rückmeldungen
Heftig teilt auch die IG Bauern Unternehmen an die Adresse des BLW aus. «Verwaltungsmonster entwickelt sich zum IT-Desaster», titelt die IG ihre Medienmitteilung. Die Betriebe seien am Verzweifeln und stünden vor nicht verantwortbarem Mehraufwand. «Uns erreichen unzählige Rückmeldungen, die von grosser Frustration sprechen», so die IG. Daten würden nur unvollständig oder überhaupt nicht übernommen, Lieferungen liessen sich nicht korrekt erfassen, verschiedene Produkte fehlten oder enthielten unvollständige Nährstoffgehalte.
Keine Abweichungen entdeckt
«Zum Zeitpunkt der Migration Ende August wurden alle Produkte sowie die offenen und abgeschlossenen Lieferungen der Jahre 2025 und 2026 aus Hoduflu übernommen», schreibt das BLW auf Anfrage der BauernZeitung. Die Datenübernahme für die Jahre vor 2025 werde bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Die Nutzer(innen) seien transparent über diese Sachverhalte informiert worden.
«Hoduflu steht ihnen ausserdem im Lesemodus zu Konsultations- und Vergleichszwecken bis Ende 2026 zur Verfügung», ergänzt die Medienstelle. Dem Bundesamt liegen nach eigenen Angaben «vereinzelte» Rückmeldungen zu Daten sowie zu einzelnen Optimierungsmöglichkeiten bei der Verwendung von Produkten vor. Stichproben des BLW hätten aber bei Produkten und Nährstoffgehalten keine Abweichungen von Hoduflu zutage gefördert. «Nährstoffgehalte können zudem freiwillig in Digiflux angepasst und eigene Produkte erstellt werden.»
Lediglich der Zeitpunkt der Umstellung habe sich verschoben
Im Weiteren widerspricht das BLW der IG Bauern Unternehmen. Demnach hätte sich in den letzten Monaten lediglich der Zeitpunkt der Umstellung nach hinten verschoben. Die grundlegenden Abläufe für Registrierung, Aktivierung und Datenübernahme seien hingegen gleichgeblieben. «Über die Umstellung informierte das BLW über seine Newsletter, den Digiflux-Newsletter, die Website digiflux.info und die kantonalen Hoduflu-Verantwortlichen», führt die Medienstelle aus.
Bei den Kosten spricht die IG Bauern Unternehmen von einem Budget von 19 Millionen Franken. Beim BLW ist die Rede von rund 6 Millionen Franken, die seit Projektstart bis heute an finanzwirksamen Kosten aufgewendet worden seien. Das Projekt werde vollständig aus dem ordentlichen Budget des BLW finanziert, das Parlament habe keine zusätzlichen finanziellen Mittel zur Umsetzung dieses parlamentarischen Auftrags zur Verfügung gestellt. «Das Projektbudget von 7,5 Millionen für externe Mandate wird intern finanziert», schreibt die Medienstelle weiter. Es sei zu einem «ordentlichen und geplanten personellen Wechsel» in der Projektleitung gekommen. «Der Projektleiter ist abgesprungen», ist hingegen in der Mitteilung der IG Bauern Unternehmen zu lesen.
Laufende Verbesserung, zusammen mit Betroffenen
Mehrfach betont das Bundesamt, konkrete Rückmeldungen ernst zu nehmen, sie individuell zu prüfen und entsprechende Verbesserungen vorzunehmen. «Fragen und Unklarheiten zu den migrierten Daten können den kantonalen Landwirtschaftsämtern oder dem Digiflux-Support gestellt werden.» Die Anliegen der Benutzer würden aufgenommen und die betroffenen Organisationen weiterhin in die Weiterentwicklung des Systems einbezogen. Wie bei jedem neuen System setze man das laufend um. «Die Priorisierung richtet sich nach der Dringlichkeit, den Auswirkungen auf die Nutzenden und den eingehenden Rückmeldungen», erklärt das BLW.
Bei der Entwicklung von Digiflux habe die Verwaltung die Praxis zu wenig einbezogen, so ein weiterer Vorwurf der IG Bauern Unternehmen. Die Projektverantwortlichen halten dagegen, man habe mit Vertretern der Landwirtschaft, des Handels, der Kantone, des Vollzugs und weiterer betroffener Bereiche gearbeitet. «Dazu fanden regelmässige Fachausschüsse, Nutzertests und Pilotprojekte mit Praxispartnern statt», schildert das BLW. Die Erkenntnisse daraus seien in die Entwicklung eingeflossen.
Funktioniert grundsätzlich, muss aber optimiert werden
Für das Echo aus der Praxis zeigen sich die Digiflux-Verantwortlichen dankbar. «Es hilft dabei, das System gezielt weiterzuentwickeln und bestehende Schwachstellen zu beheben.» Die bisherigen Rückmeldungen über die Support-Hotline würden grundsätzlich zeigen, dass Digiflux funktioniere und vor allem punktuelle Optimierungen notwendig seien. «Das BLW hat deshalb auch aktiv den direkten Austausch mit dem Verband Lohnunternehmer Schweiz gesucht, nachdem dieser deutliche Kritik an Digiflux geäussert hatte.»
Ziel sei es gewesen, die konkret aufgetretenen Probleme und Erfahrungen gemeinsam zu analysieren und daraus mögliche Verbesserungen abzuleiten.» Bedauerlicherweise aber, so das BLW weiter, habe der Verband das Angebot zu einem solchen direkten Austausch nicht angenommen. «Damit konnten die vorgebrachten Kritikpunkte bislang nicht anhand konkreter Fälle gemeinsam geprüft werden.»
Seit dem 2. September erfassen ehemalige Hoduflu-Nutzer(innen) ihre Lieferungen in Digiflux. Das BLW sieht keine Rückkehr zu Hoduflu vor.
Kontakt für Fragen
Konkrete Rückmeldungen zur Umstellung von Hoduflu auf Digiflux beantwortet der Digiflux-Support gemäss BLW individuell: Tel. 043 206 02 17

