Anbau und Wertschöpfung zusammen entwickeln: Projekt unterstützt Betriebe im Pflanzenbau

Die ETH prüft, wie Beratung und Budget für die Weiterentwicklung von Ackerbau oder Spezialkulturen wirken. Ein neuartiger Ansatz mit Vorteilen.

Aus pflanzlicher Produktion eine gute Wertschöpfung zu erzielen, ist eine wachsende Herausforderung. Billige Importkonkurrenz, fehlender Absatz und hohe Investitionskosten vergrössern das Risiko derart, dass einem die Experimentierfreude abhandenkommt.

Dabei wäre das Potenzial – theoretisch – gross und der Ausbau politisch gewollt. In der AP 30+ sind neue Einzelkulturbeiträge (EKB) in der Höhe von 1000 Fr./ha für Hartweizen, Gerste, Hafer und Mais zur direkten menschlichen Ernährung vorgesehen. Die EKB für Körnerleguminosen sollen um 500 Franken auf 1500 Fr./ha steigen. Aber was bringt die Anbauförderung, wenn die Nachfrage weiterhin nicht stimmt?

Auf allen Stufen angesetzt

Um dieses Dilemma anzugehen, entwickelt die ETH Zürich in einem Projekt den Anbau zusammen mit der Wertschöpfung. Einbezogen sind alle wichtigen Akteure entlang der Wertschöpfungskette: Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Konsument(innen).

Kostenlose Beratung und ein Budget von 10 000 Franken

Dabei ist das Projekt «Mehrwert|Pflanzen» darauf ausgelegt, den Landwirt(innen) eine risikolose Teilnahme zu ermöglichen. Es untersucht die Wirkung kostenloser, betriebsspezifischer Beratung und finanzieller Unterstützung in Form eines Experimentalbudgets von 10 000 Franken.

Teilnehmen können Betriebe mit Tierhaltung oder gemischter Produktion im Kanton Luzern, die neue Möglichkeiten im Bereich pflanzlicher Produktion – Ackerbau und Spezialkulturen – für sich prüfen möchten. Aargauer, Thurgauer und St. Galler Betriebe werden im Rahmen des Projekts zur Teilnahme an einer Umfrage eingeladen (Kontrollgruppe, siehe unten): Das Projektteam hat bereits entsprechende Einladungsschreiben per Post verschickt.

3 Gruppen, mindestens Chance auf Landi-Gutschein

Um die Wirkung von Beratung und finanzieller Unterstützung analysieren zu können, werden die Teilnehmer(innen) nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen zugeteilt. Gruppe 1 erhält eine kostenlose, betriebsspezifische Beratung zum Ausbau der pflanzlichen Produktion. Sie umfasst in etwa drei Tage und neben einer Initialberatung eine Vertiefung zu einem Thema nach Wahl.

Gruppe 2 profitiert ebenfalls von dieser Beratung, erhält aber zusätzlich das erwähnte Experimentalbudget. Die 10 000 Franken dienen der Weiterentwicklung der Wertschöpfung aus pflanzlicher Produktion des Betriebs. Über den Einsatz des Geldes entscheiden die Betriebsleiter(innen) selbst und sie müssen es auch nicht zurückzahlen.

Gruppe 1 und 2 nehmen in der Projektlaufzeit über drei Jahre an drei Online-Befragungen à 30 Minuten teil. Für Gruppe 3 beschränkt sich die gesamte Teilnahme an «Mehrwert|Pflanzen» auf diese Befragungen. Dafür besteht für sie dreimal die Möglichkeit, einen von jeweils 20 Landi-Gutscheinen im Wert von 500 Franken zu gewinnen. Alle Daten werden vertraulich behandelt und zur Analyse anonymisiert. Teilnehmende können jederzeit aussteigen.

«Wenn man profitieren kann, dann sollte man es tun»

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf dem Kanton Luzern. Der dortige Bauernverband unterstützt «Mehrwert|Pflanzen». «Es geht um neue Wertschöpfung und das Projekt hilft wirklich, aufzuzeigen, wo noch Potenzial ist», erklärt Raffael Felder, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands (LBV). Bauern sollten seiner Meinung nach mitmachen, wenn sie etwas verändern möchten. «Wenn sie das Gefühl haben, das könnte zu ihrem Betrieb passen, sollten sie diese Chance packen – denn es gibt Unterstützung, und wenn man profitieren kann, dann soll man es doch auch tun.» 

Die Luzerner Landwirtin Anthea Samwald möchte dank der Beratung bei «Mehrwert|Pflanzen» herausfinden, was zu ihrem Betrieb passt, und würde das Experimentalbudget in eine neue Himbeeranlage investieren. Christian Galliker, selbst im Vorstand des LBV, erhofft sich von seiner Teilnahme am Projekt neue Inputs für seinen Ackerbau: «Ideen für neue Kulturen oder Verfahren, damit wir Wertschöpfung mit Produkten generieren, die der Konsument auch kauft.»

Glaubwürdige Prognosen zum Marktpotenzial dank Versuchen

Hier kommt die Stärke von «Mehrwert|Pflanzen» zum Tragen: Es ist Teil eines grösseren Gesamtprojekts, das – wie eingangs erwähnt – die ganze Wertschöpfungskette einbezieht. So arbeitet das wissenschaftliche Projektteam mit der Gemeinschaftsgastronomie und dem Detailhandel zusammen.

Man testet verschiedene Massnahmen zur Förderung der pflanzenbasierten Ernährung und deren Wirkung auf das Kundenverhalten. Beispielsweise werden in Filialen Produkte umplatziert oder niederschwellig pflanzliche Lebensmittel zum Probieren angeboten. Weitere Versuche analysieren die Wirkung von Produktlabels oder Preisveränderungen auf das Konsumverhalten. Am Ende sollen glaubwürdige Prognosen zum Marktpotenzial pflanzlicher Lebensmittel stehen – inklusive Antworten auf die Frage, ob solche Produkte zusätzlich zu anderen gekauft werden, oder ob sie diese ersetzen.

Positive Erfahrungen bauen Hemmnisse ab

Bereits haben Vorversuche gezeigt, dass Personen, die pflanzliche Produkte nach Hause geschickt bekommen haben, danach eher auch im Laden danach greifen. «Durch positive Erfahrungen lassen sich gerade in einem so gewohnheitsgetriebenen Feld wie der Ernährung Hemmnisse abbauen und sogar die Bereitschaft zur politischen Unterstützung einer pflanzenreichen Ernährung erhöhen», so das Fazit der Forschenden.

Praxisnahe Empfehlungen als Ziel

2030 sollen die Feldexperimente abgeschlossen sein. «Es soll ein gemeinsames Verständnis entlang der Wertschöpfungskette geben, wie Kosten und Nutzen von Veränderungen geteilt und getragen werden», erklärt Daniela Hoffmann von der ETH Zürich die Zielsetzung. Auf Stufe Landwirtschaft geht es darum, realistische und attraktive Lösungen für die Betriebe zu finden. Dies, um zukünftige Beratungsangebote zu verbessern, wirksame Förderinstrumente zu finden und praxisnahe Empfehlungen sowohl für Landwirtschaft als auch für die Politik zu entwickeln.

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