«Aufgrund der Hitzesommer verbot uns der Kanton St. Gallen in der Vergangenheit immer öfter, Wasser für die Bewässerung aus den zahlreichen Bächen, die im St. Galler Rheintal durch die Ebene mäandrieren, zu entnehmen», erzählt Heinz Müller aus Weite SG.
Weite ist eines der sieben Dörfer, die zur Rheintaler Gemeinde Wartau gehören. In der Gemeinde wird die Talebene begrenzt durch den Rhein und die Berge rundherum. Auf einem schmalen Streifen von rund 200 ha bauen die Landwirte vor allem Gemüse und Kartoffeln an.
Das gesamte Ackerland gehört der Ortsgemeinde Wartau und ist an 25 Landwirte verpachtet.
Trockenste Region im Kanton St. Gallen
Heinz Müller ist einer von ihnen und sagt: «Wir sind mit 870 mm Niederschlag die trockenste Gemeinde im Kanton St. Gallen. Ohne Bewässerung gedeihen unsere Kulturen nicht.» Er bewirtschaftet seit 2008 mit seiner Familie einen typischen Familienbetrieb.
Im Mittelfeld bewegt sich der 53-jährige Agronom nicht – einerseits setzt er auf Intensivkulturen wie Saatmais, Gemüse und Obst – andererseits gehört seine Leidenschaft der Ökologie, Botanik und der Ornithologie. Dafür hat der Betrieb einen Anteil von rund 30 % Biodiversitätsförderfläche.

Bei seinen Böden und den der übrigen Pächter der Ortsgemeinde handelt es sich um Schwemmlandböden, deren Wasserspeichervermögen gering ist. Kein Wunder also, dass mehr und mehr die Idee eines Bewässerungsprojekts heranreifte.
Die Ortsgemeinde Wartau befürwortete von Anfang an das Projekt. Gestartet wurde mit der Projektierung des Bewässerungsnetzwerkes 2023, der Spatenstich war im Juni 2024 und die offizielle Einweihung und Inbetriebnahme fanden im April 2026 statt.
Bund und Gemeinde zahlten mit
Das Bewässerungsnetz umfasst ein geschlossenes Leitungssystem von 9 km. Die Wasserversorgung wird aus dem Grundwasservorrat sichergestellt und aus dem Rhein gespiesen. Damit können 86 Hydranten mit Bewässerungswasser versorgt werden, und sie gelangen grösstenteils via Rollomat auf die Felder. Bewässern können zwölf Landwirte gleichzeitig.
«Wenn mehr Landwirte bewässern wollen, muss man sich absprechen», sagt Heinz Müller. Das Pumpenhäuschen mit den zwei Pumpen liegt ausserhalb des Grundwasserareals.
«Lieber hätten wir Pumpen an drei Standorten gehabt. So wäre das Risiko besser verteilt gewesen, falls mal eine Pumpe ausfällt. Aber der Kanton hat auf einen einzigen Standort bestanden», erzählt Müller. So behilft man sich mit Schiebern, einerseits bei den Pumpen, andererseits bei den drei Hauptleitungen.

Statuten und Reglemente müssen her
Heinz Müller engagierte sich von Anfang an für das Projekt – und so sei er auch in das Präsidium der Bewässerungsgenossenschaft hereingerutscht. Als das Bewässerungsprojekt aufgegleist wurde, war er Mitglied der Verwaltung der Ortsgemeinde.
Nach seinem Rücktritt bat ihn die Ortsgemeinde, weiterhin in der Steuerungsgruppe des Projekts tätig zu sein und die Genossenschaftsgründung an die Hand zu nehmen. «Ich hatte 2018 schon die Genossenschaft ‹Swiss Nuss› gegründet und wusste, wie aufwendig das mit dem Amtsnotariat sein wird», sagt er. Nicht nur das, sondern er musste im vergangenen Jahr Statuten und Reglemente ausarbeiten und die Verträge mit der Ortsgemeinde unter Dach und Fach bringen.

Die Schlussabrechnung des Bewässerungsprojekts liegt vor. «Dank Wetterglück liegen die Baukosten unter dem Budget», sagt Müller. Ursprünglich mit 2,691 Millionen Franken veranschlagt, konnten rund 300 000 Franken eingespart werden. An der Finanzierung beteiligen sich Bund und Kanton mit 991 000 Fr.
Betriebsspiegel
Myrtha und Heinz Müller Ort: Weite (Gemeinde Wartau SG) LN: 22 ha (davon 1/3 BFF) Tierhaltung: 15 Ziegen, 15 Schafe, einige Hühner Kulturen: Saatmais, Gemüse, Triticale-Gerste-Erbsen-Gemenge Spezialkulturen: Nussplantage, Kirschen, Zwetschgen
Einstimmigkeit trotz hoher Kosten
Gegen das Projekt hätte es keinen Widerstand gegeben, sagt Heinz Müller mit Genugtuung. Gut sei gewesen, dass alles Land der Ortsgemeinde gehöre, und so keine Privatinteressen tangiert worden seien. «Auch alle Pächter gaben ihre Zustimmung, obwohl sie wussten, dass damit hohe Kosten auf jeden einzelnen zukommen werden», sagt Heinz Müller.
Jedem sei bewusst, dass die Anbau- und Ertragssicherheit nur mit Bewässerung zu gewährleisten sei – und dass es sich um ein Generationenprojekt handle.

Aufwerten der Schwemmlandböden
Heinz Müller bemerkt, dass es im Rheintal immer mehr Landwirte gebe, die ihre Flächen regenerativ bewirtschafteten, mit grüner Brücke und bodenschonender Bearbeitung etc. Aber es brauche mehr, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu fördern.
Dafür ist er bereits an einem nächsten Projekt dran. Zusammen mit der Ortsgemeinde und einem Bauunternehmen wollen sie die Schwemmlandböden im Rheintal durch sauberes Aushubmaterial aufwerten.
Zwischendurch trifft man Müller auch am LBBZ Rheinhof in Salez (SG) an, wo er Pflanzenschutz und soziale Nachhaltigkeit unterrichtet. Bei letzterem geht es um Arbeitsplanung, Unternehmensführung und Kommunikation.
Bewässerungsgenossenschaft Wartau
Betrieben wird die Bewässerungsanlage von einer auf Ende 2025 gegründeten Bewässerungsgenossenschaft. Sie muss den Unterhalt der Pumpwerke, der Leitungen und Hydranten sowie das Management der Konzession gewährleisten. Präsident der sechsköpfigen Verwaltung ist Heinz Müller. Vizepräsident Ronny Gabathuler vertritt die Ortsgemeinde. Hanspeter Zogg ist Kassier und René Gabathuler Aktuar. Vervollständigt wird das Gremium mit den Brunnenmeistern Christian Schlegel und Bernhard Müller. Alle 25 Mitglieder der Genossenschaft sind Produzenten bzw. Pächter. Um Fixkosten wie Strom, Konzessionsgebühren, Amortisationen etc. zu decken, bezahlen die Produzenten jährlich einen Flächenbeitrag. Der Wasserverbrauch wird bei jedem Bezug mit einem Zähler gemessen und pro Kubik abgerechnet.

