Die Ernährungs-Initiative von Franziska Herren sei unsinnig – das ist die Hauptbotschaft des Nein-Komitees. Um die darin geforderten 70 Prozent Selbstversorgungsgrad (SVG) zu erreichen, müssten sich Schweizer(innen) völlig anders ernähren, erklärt das Komitee in einem Video.
Mehrheitlich veganes Essen würde Pflicht, Schweine- und Pouletfleisch oder Eier gäbe es nicht mehr, Käse, Milch oder Rindfleisch nur noch an Feiertagen. Ausserdem brauche es eine Anbauschlacht wie im Zweiten Weltkrieg und durch neue Auflagen gingen die Erträge zurück, Lebensmittel würden teurer.
Das sind – in aller Kürze – die Hauptargumente der Gegner der Ernährungs-Initiative. Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist zusammen mit diversen anderen Landwirtschaftsverbänden Teil der Nein-Allianz und ruft dazu auf, den Abstimmungskampf zu unterstützen. Wir klären dazu die wichtigsten Fragen.
1. Warum braucht es das Engagement der Landwirtschaftsbetriebe?
«Wir sehen eine Gefahr, dass aufgrund des Namens falsche Schlüsse gezogen werden», sagt SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein. Daher brauche es Engagement und Aufklärung. Entgegen ihrem Namen «Initiative für eine sichere Ernährung» und ihrem Ziel, den SVG auf 70 Prozent anzuheben, schade sie der Versorgungssicherheit sowie der gesamten Land- und Ernährungswirtschaft.
«Und zwar nicht nur den Tierhaltungsbetrieben, sondern auch dem Pflanzenbau», betont Helfenstein und verweist auf neue Auflagen, z. B. die Pflicht zu samenfestem Saat- und Pflanzgut. Auch möchte man nicht knapp gewinnen: «Eine sehr klare Niederlage ist ein Signal an alle, was die Ausgestaltung der AP 30+ anbelangt.» Ganz wichtig sei schliesslich, eine hohe Beteiligung an der Abstimmung im ländlichen Raum zu erreichen.
Dagegen und im Grunde dafür: Bundesrat empfiehlt Ablehnung der Ernährungs-Initiative
Der Bundesrat empfiehlt dem Parlament, die von Franziska Herren eingereichte Ernährungs-Initiative, die eine nachhaltige inländische Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser fordert, ohne Gegenvorschlag abzulehnen – Obwohl er die Ziele grundsätzlich unterstützt.2. Wo gibt es Material und ab wann darf man es einsetzen?
Landwirt(innen) können Fahnen, Kleber, Tafeln und Blachen bei den kantonalen Bauernverbänden kostenlos beziehen. Die Fahnen können laut SBV bereits jetzt an Gebäuden aufgehängt werden.
«Die Frist, in der das Aufstellen von Blachen und Tafeln entlang von Strassen oder innerhalb von Ortschaften erlaubt ist, ist in jedem Kanton etwas anders», gibt Sandra Helfenstein Auskunft.
Sie variiere zwischen acht und vier Wochen. Wichtig sei, das Material so früh wie erlaubt aufzustellen. «Viele stimmen ab, sobald sie das Abstimmungscouvert im Briefkasten haben», gibt sie zu bedenken.
3. Was tun bei Vandalismus?
Der SBV hofft zwar, dass sich dieses Problem 2026 nicht zeigt. Wenn doch, solle man zerstörte Plakate oder Ähnliches unbedingt liegen lassen und nicht abräumen. «Niemand findet Vandalismus gut und wenn die Befürworter unser Material beschädigen, dann hilft uns das schlussendlich», begründet Sandra Helfenstein.
4. Welche weiteren Möglichkeiten gibt es?
Neben dem Aufstellen von Plakaten usw. kann man die Nein-Kampagne unterstützen, indem man ihr auf Social Media folgt und die Inhalte auf den eigenen Kanälen (inklusive WhatsApp) teilt. Die Links zu Facebook, Instagram und LinkedIn sind auf der Kampagnenwebsite zu finden.
«Die kantonalen Bauernverbände haben auch spezielle Whatsapp-Gruppen», ergänzt Sandra Helfenstein. Auf besagter Website gibt es weiter die wichtigsten Gründe für ein Nein zum Herunterladen, um sie im Bekanntenkreis zu streuen. «Zur heissen Phase im August schalten wir zudem einen Testimonial-Kreator auf.» Damit lassen sich individuelle Testimonials erstellen und herunterladen.
Wer die Schweiz ernähren will, sollte erst mal wissen, was er misst
Franziska Herren will mit ihrer Ernährungsinitiative 70 Prozent Selbstversorgung erreichen, die SVP fordert 60 Prozent. Beide kämpfen für dieselbe Sache und beide stützen sich auf eine Kennzahl, die die echte Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland systematisch ausblendet.5. Die Initiative verspricht unter anderem Produktions- und Absatzsicherheit dank verbindlichem SVG. Das klingt doch gut?
«Die Initianten vergessen, dass wir keine Insel sind», hält Sandra Helfenstein dagegen. Multi- und bilaterale Abkommen würden es nicht erlauben, die Importe zu beschränken. Am Schluss leide die Schweizer Landwirtschaft, weil sie an den Bedürfnissen des Marktes vorbei produzieren müsste.
«Die Menschen werden sich nicht vorschreiben lassen, dass sie jetzt vor allem vegan essen sollen», so die SBV-Sprecherin weiter. Nicht zuletzt blende die Ernährungs-Initiative den Einkaufstourismus völlig aus.
6. Was ist im Rahmen der nationalen Nein-Kampagne geplant?
Als spezielle Aktion sind am 26. August in der ganzen Schweiz Grillfeste mit kostenlosen Cervelats geplant – unter dem Motto «Tag der letzten Cervelat». Ziel sei es, die Bevölkerung für den «wahren Charakter» der Initiative zu sensibilisieren.
«Die Cervelats bekommen wir gesponsert», erklärt Sandra Helfenstein. Wer Interesse habe, selbst einen solchen Anlass durchzuführen, könne sich beim kantonalen Bauernverband melden. Alle Grillfeste werden dann online auf einer Karte gezeigt.
«Diese Initiative führt faktisch zu einem Vegan-Zwang», sagt Martin Rufer
Die Ernährungsinitiative verspricht sichere Ernährung durch 70 Prozent Selbstversorgung. Doch Bauernverbands-Direktor Martin Rufer warnt: Milchbauern müssten ihre Betriebe aufgeben und Investitionen würden entwertet. Im Interview erklärt er, warum die Initiative für Tierhalter existenzbedrohend ist.Die Abstimmung über die Ernährungs-Initiative findet am 27. September 2026 statt.

