Ende September hat der Kanton Zürich im Einvernehmen mit den Kantonen Aargau, Schwyz und St. Gallen sowie dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) beschlossen, den Abfluss aus dem Zürichsee während des Oktobers von 30 auf 20 Kubikmeter pro Sekunde zu reduzieren. Damit sollen laut Mitteilung des BAFU das weitere Absinken des Seepegels gebremst und weitere Einschränkungen für die Schifffahrt begrenzt werden.
Dadurch fliesst weniger Wasser in die Limmat, was sich auf das Ökosystem und die Wasserkraftproduktion auswirkt. Von Auswirkungen auf die Landwirtschaft ist keine Rede. Doch ist diese tatsächlich nicht von dieser Massnahme betroffen?
Nicht kritisch für Ostschweiz
Anine Hungerbühler vom Bauernverband St. Gallen vermeldet, dass es ihres Wissens im Kanton St. Gallen keine Betriebe gibt, die Wasser aus dem Zürichsee entnehmen. «Im St. Galler Gebiet ist die Wasserentnahme aus der Linth und deren Seitenkanälen von Bedeutung für die Landwirtschaft», erklärt Hungerbühler.
Im Kanton Zürich sieht die Lage ähnlich aus. Steffen Hagenbucher vom Zürcher Bauernverband ZBV weiss, dass es am Zürichsee einige Wasserrechtskonzessionen für die Bewässerung mit Wasser aus dem See gibt. Jedoch erachtet er in diesem Zusammenhang die Auswirkung des reduzierten Wasserflusses in die Limmat und weiter ins Furttal als relevanter. Dort gebe es einige Gemüsebauern, die aktuell noch bewässern würden.
Auch für dieses Gebiet könne aber Entwarnung gegeben werden, wie Hagenbucher in Erfahrung gebracht hat. Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich AWEL hat keine Entnahmebeschränkungen geplant. «Die Reduktion sollte nach dem aktuellen Wissensstand keine negativen Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben», sagt der Leiter des Teams Umwelt beim ZBV.
Entwarnung für Aargau und Schwyz
«Unsere Landwirte sind von einer Abflussdrosselung nicht betroffen, soweit mir bekannt ist», sagt Franz Philipp, Geschäftsführer der Bauernvereinigung des Kantons Schwyz.
Auch Marie-Louise Koller, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Aargau, kann für ihre Region Entwarnung geben. «Die Limmat fliesst zwar eine kurze Strecke durch unseren Kanton, allerdings sind die wasserintensiven Sommerkulturen bereits geerntet, somit hat diese Massnahme für unsere Landwirte kaum Konsequenzen, auch wenn der Boden natürlich nach wie vor trocken ist.»
Vonseiten des Kantons habe der BVA bisher keine Mitteilung erhalten, dass der Wasserbezug aus der Limmat eingeschränkt würde, was sich aber theoretisch ändern könnte und die Landwirtschaft betreffen würde. «Es ist wichtig, dass, falls solche Entscheide künftig gefällt werden, alle Betroffenen einbezogen werden», fügt Marie-Louise Koller abschliessend an.

