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Melkroboter-Service: Lely setzt in Reiden auf Vorbeugen statt Ausrücken

Lely hat seinen Service in der Schweiz in Regionen aufgeteilt. Von Reiden LU aus betreuen 35 Mitarbeitende rund 500 Melkroboter im Mittelland. Das eigentliche Geschäft ist nicht das Reparieren, sondern das Verhindern.

Ein Melkroboter kennt keinen Feierabend. Über 7000 Stunden im Jahr läuft eine solche Maschine, rund sieben Kühe pro Stunde gehen durch die Box.

Steht der Roboter still, fehlt Milch im Tank, die Kühe geraten unter Stress und Landwirtin und Landwirt auch. «Der Bauer will, dass die Maschine läuft», sagt Remo Stalder, Verkaufsleiter von Lely Mittelland. Um diesen einen Satz dreht sich die neue Organisation des Melkroboter-Herstellers in der Schweiz.

Von Härkingen in die Fläche

Angefangen hat alles 2002 in Ebikon LU, später zog das Unternehmen nach Härkingen SO, mitten in der Schweiz und logistisch ideal gelegen. Auf der eigenen Webseite beschreibt Lely die Anfänge mit zwei «Spinnern», die in einem kleinen Team alles selbst in die Hand nahmen. Der erste Roboter stand im Aargau, später folgten Luzern, der Thurgau und die Westschweiz. Die Roboterzahlen stiegen deutlich. Heute arbeiten in der Schweiz und in Liechtenstein über 100 Spezialistinnen und Spezialisten für das Unternehmen.

Regionale Teams gab es bereits vor zehn Jahren, die dreisprachige Hotline und die Administration liefen aber stets über Härkingen. Auf dieses Jahr hin hat Lely die Aufteilung in drei Regionalteams nun auch organisatorisch vollzogen und nach aussen sichtbar gemacht: Ostschweiz mit Standort in Waldkirch SG, Romandie mit Payerne VD und das Mittelland mit Reiden LU.

Jede Region hat ein Regio-Dreieck als Leitungsteam. Im Mittelland ist das Remo Stalder, der seit fünf Jahren bei Lely ist und den Verkauf übernommen hat. Sein Auftrag, wie er ihn selbst umschreibt: Betriebe in die Zukunft bringen und diese Zukunft mitgestalten. Für alles, was nach dem Verkauf kommt, ist Sara Stucki zuständig. Sie arbeitet seit sechs Jahren bei Lely, vor allem in der Service-Organisation. Dritter im Bund ist Fabian Fischer. Er ist seit 17 Jahren im Unternehmen, hat als Techniker angefangen und sitzt heute in der Geschäftsleitung Schweiz.

Dreissig Minuten in jede Richtung

Reiden sei bewusst gewählt worden, sagt Fabian Fischer im Gespräch mit der BauernZeitung. Der Ort grenzt an die grossen Milchkantone Bern, Luzern und Aargau. «In dreissig Minuten ist man weit weg», und das Team sei «extrem schnell unterwegs». Innerhalb der Region wolle man weder sprachliche noch verkehrstechnische Nachteile haben. Fischer nennt den Gubrist als Beispiel: Auf der Autobahn verliere man Zeit, und das könne sehr mühsam sein, wenn der Servicetechniker im Stau stehe, anstatt auf dem Hof. Gleichzeitig muss rund um die Uhr jemand erreichbar sein.

In Reiden ist ein Neubau geplant: mit Showroom, einem einladenden Bereich für Verkauf und Technik und vor allem auch als Ausbildungsstandort. Das heisst nicht, dass die Servicetechniker dort ihren Arbeitstag beginnen. Sie fahren von zu Hause aus los, Lely schaut bei der Einteilung darauf, wo jemand wohnt. Der Standort soll vor allem ein Ort des Austauschs sein. «Gelernt wird im Feld», sagt Sara Stucki; das Wissen untereinander weiterzugeben, wolle man in Reiden aber gezielt fördern.

Ein Gesicht statt einer Hotline

Ein Servicetechniker betreut rund 40 Kunden selbständig. Von Montag bis Freitag arbeitet er seinen Plan ab und behebt Störungen. Der Kunde hat damit einen direkten Ansprechpartner, zu normalen Arbeitszeiten landet er nicht bei einer Hotline. Das fördere die Kundenbeziehung, heisst es in Reiden. Nachts und am Wochenende übernimmt eine Pikett-Hotline, abgedeckt durch alle Servicetechniker gemeinsam. Gesamtschweizerisch sind es stets neun Personen, die Tag und Nacht im Einsatz stehen. Dazu kommt eine Person, die für die ganze Schweiz die sogenannte Second-Level-Hotline betreut, also die technisch schwierigeren Fälle übernimmt. Rund 80 Prozent der Probleme löse man am Telefon, sagt Sara Stucki, «aber wir müssen eben telefonisch erreichbar sein». Ersatzteile führen die Techniker stets im eigenen Servicebus mit.

Im Mittelland ist das Team nach Maschinen aufgeteilt. Zwölf Leute kümmern sich um die Melkroboter, ein Team von sechs Personen um die Fütterungs- und Entmistungsroboter, bei Lely «Feed and Barn» genannt. Technisch sei das anspruchsvoll. Die Zahlen zeigen den Umfang: Gegen 500 Melkroboter vom Typ Lely Astronaut sind in der Region Mittelland im Einsatz, dazu rund 50 Fütterungsroboter vom Typ Lely Vector und um die 600 sogenannte Alltagshelfer, also Futterschieber und Entmistungsroboter.

Wartung als Pflicht

Dass es mit verhältnismässig wenig Personal in Bereitschaft geht, hat laut Remo Stalder einen Grund: konsequente Wartung. Jeder Melkroboter bekommt drei Services pro Jahr, schön regelmässig und nach Vorgabe des Herstellers. Ist eine Wartung überfällig, geht Lely aktiv auf den Kunden zu. Die Störungsanfälligkeit dürfe nicht hoch sein, Störungen seien teuer. «Wenn man den Service gezielt macht, ist es auch möglich, dass nur eine Person übers Wochenende für die ganze Region Mittelland bereitsteht», sagt Stalder. Das funktioniere nur, weil gut gewartet sei. Rund 1000 Franken kostet ein Melkroboter pro Monat, dies umfasst Service und Unterhalt inklusive Reinigungsmittel. Das System müsse für den Kunden wirtschaftlich sein.

Beim Service wird auch geprüft, was in keinem Wartungsprotokoll steht. Mäusefrass an Kabeln zum Beispiel, sagt Sara Stucki: «Das sind keine Vorgaben, aber das geht nebenbei mit.»

Solche Wartungsvereinbarungen sind in der Industrie Standard, in der Landwirtschaft weniger bekannt. Remo Stalder sieht darin vor allem eine Frage der Planbarkeit. Würden die Bauern den Service dann bestellen, wenn es ihnen gerade passt, kämen alle an Regentagen, bei schönem Wetter stünden die Techniker still. Das bräuchte mehr Personal und wäre ineffizient, die Kosten würden für alle steigen. Lely habe eine schlanke Administration, sagt Fabian Fischer, und das solle so bleiben. Stalder bringt die Haltung auf den Punkt: Nach der Feuerwehr wolle man nicht arbeiten. «Wir sehen uns eher als Brandschutzexperten und arbeiten vorbeugend.»

Was der Roboter beim Shamonda-Virus sah

Vier Schwerpunkte setzt Lely beim Robotermelken: den Kuhkomfort, denn die Kuh soll gesund sein und gerne melken kommen, das Datenmanagement, den Service und die laufenden Kosten. Wie wichtig der zweite Punkt sein kann, zeigte sich diesen Sommer, als das Shamonda-Virus, ein sogenanntes Orthobunyavirus, bei Schweizer Rindern auftrat. Viele Kunden hätten gemeldet, dass ihre Kühe betroffen seien, sagt Remo Stalder. Ohne die technischen Hilfsmittel hätte man das später bemerkt, ist er sicher. Nach der Gabe von Dolovet, einem Schmerz- und Entzündungshemmer, habe sich der Zustand vieler Tiere wieder gebessert. Auch dabei helfe der Roboter mit Daten, die man sonst durch Beobachtung sammeln müsste.

Genau hier betont das Dreierteam einen Punkt, der in der Diskussion um Früherkennung oft untergeht: Es gehe nicht nur darum zu sehen, dass eine Kuh krank wird, sondern auch darum, die Behandlung zu überprüfen. Zu wissen, dass die Kühe wieder gesund sind. «Nur gesunde Kühe sind wirtschaftlich», so Stalder.

Der Roboter sieht nicht alles

Der Roboter sammelt Unmengen an Daten. Entscheidend sei aber, wie sie aufbereitet und dargestellt würden, erklärt Sara Stucki. Der Bauer müsse damit etwas anfangen können.

Dabei räumt Remo Stalder ein, wo die Grenzen liegen: Der Melkroboter entlaste grundsätzlich beim Melken. Für die Herdenführung und die Gesundheitsüberwachung reicht er allein nicht. Hier kommt der sogenannte HR-LDn Responder ins Spiel, ein Sensor, den die Kuh am Halsband trägt und der ihre Bewegung und ihr Fressverhalten erfasst. Frisst eine Kuh weniger oder bewegt sie sich anders, ist das ein Hinweis, dass etwas nicht stimmt. Gerade für Betriebe, die bisher kein solches System haben, sei der Responder bei der Früherkennung eine sinnvolle Ergänzung, sagt Stalder. Er ist allerdings eine separate Anschaffung, die man zusammen mit dem Roboter tätigen kann, aber nicht muss. Es brauche nicht jeder Betrieb alles.

Zusammengeführt werden die Daten in der Management-Software Lely Horizon. Das Ziel beschreibt Sara Stucki so: Mit 20 Prozent der Arbeitszeit sollen 80 Prozent der Herde überschaut werden können. Gerade in Spitzenzeiten wie der Dreschsaison stehe der Betriebsleiter unter Druck. Welche Kuh muss ich einschütten, hat sie Fieber, welche muss ich behandeln? Ob eine Kuh gemolken wurde, zeigt der Roboter an. Statt die Informationen mühsam zusammenzusuchen, soll der Bauer auf einen Blick sehen, wo er handeln muss.

Ob Daten, Wartung oder Pikett: Bei Lely läuft alles auf den Satz hinaus, mit dem auch der Bauer sein Ziel beschreiben würde. Das Wichtigste bei der Automatisierung sei, dass die Maschine immer läuft, heisst es in Reiden. Am liebsten würde das Team gar nicht erst ausrücken müssen. «Wir wollen nicht hinfahren, dies ist für beide Seiten spannender», sagt Remo Stalder.

Drei Standorte statt einem: Für das Team ist das keine Verwaltungsreform, sondern eine Frage der Nähe, die allen etwas bringt, den Technikern auf dem Weg zum Hof und den Bauern, die nicht lange warten wollen. Darum Reiden, darum Waldkirch und Payerne. «Hier sind wir zu Hause», sagen sie und meinen damit jeden der Standorte.

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