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«Wer züchtet, kann zu Hause nicht die Faust im Sack machen, sondern muss seine Pferde präsentieren»

125 Jahre feiert die Pferdezuchtgenossenschaft Aargau (PGA) an der Aargauer Pferdenacht. Freibergerpferde zu verkaufen, sei schwierig. Wichtig sei das Marketing. Das zeigte die PGA gleich mit Quadrille und Fohlenschau.

Die Pferdezuchtgenossenschaft Aargau (PGA) ist die älteste aktive Freibergerzuchtgenossenschaft der Schweiz und feierte am 12. September 2026 ihr 125-jähriges Bestehen in Aarau. Das Showprogramm mit Freibergerpferden war grandios – die Situation auf dem Markt ist weniger zum Jubeln. «Die Nachfrage nach Pferden stagniert, nicht nur bei den Freibergern», stellt PGA-Präsident Hansjakob Leuenberger fest. Nur 25 der 200 PGA-Mitglieder züchten heute noch Pferde. Obwohl immer weniger Freibergerfohlen auf die Welt kommen, werden viele von ihnen unter einem kostendeckenden Preis verkauft.

Emotionen wecken und Pferde verkaufen

Als die Pferdezuchtgenossenschaft Aargau vor 125 Jahren gegründet wurde, waren die starken Pferde in der Landwirtschaft und als Fleischlieferant gefragt. Beides ist selten geworden. Im grossen Sport sind Freiberger zwar vertreten, wie der international erfolgreiche Kutschfahrer Marcel Luder zeigt. Das sei beste Werbung, betont Hansjakob Leuenberger – aber eine kleine Nische. Daneben bleibt der Freizeitsektor, wo viele Rassen um Aufmerksamkeit kämpfen.

«Vor 20, 30 Jahren gab es die angefressenen Teenagerinnen, die mit ihren Pferden zusammen älter geworden sind. Die steigen jetzt aus, und nur wenige kommen nach», beobachtet Leuenberger und fordert: «Die Branche muss neue Segmente erschliessen.»

Sein Rezept: Emotionen wecken und Erlebnisse schaffen. Wie das funktioniert, zeigte die PGA mit ihrer Pferdenacht und einem Jubiläumstreck. Aargauer Reiterinnen und Pferdefuhrwerke nahmen den Weg von Bern nach Aarau unter die Hufe und waren begeistert von der Reise mit ihren verlässlichen Pferden.

Noldi wird Jubiläumschampion

Was an der Aargauer Pferdenacht auch nicht fehlen durfte: eine Fohlenschau. Der Star der Jubiläumsschau war Noldi. Das Hengstfohlen von Thomas Müller aus Hilfikon AG durfte mit der Schleife des Rüeblilandchampions um den Hals durch den Ring traben. Schauexperte Roland Kathriner vergab dem ausdrucksstarken Hengstfohlen mit der Abstammung Neverland/Lambado Boy den Spitzenplatz mit den Noten 9/8/7.

Dicht auf den Fersen folgte ihm Nerino vom Fürberg von Patrick Böller aus Kaisten AG, mit der Abstammung Norway/Vitali ein waschechter Aargauer. Das Hengstfohlen im modernen Typ mit seinem schwungvollen Gangwerk wurde mit den Noten 8/7/9 zum Gangchampion erkoren.

Elara vom Rugen war das schönste Stutfohlen auf dem Platz und wurde mit den Noten 8/7/8 zum Vize-Rüeblilandchampion gewählt. Die El-Fuego-Tochter von Dominik und Caroline Holzherr aus Effingen AG gefiel mit ihrem hübschen Kopf, einer sehr guten oberen Linie und taktvollem Gangwerk.

Insgesamt wurden ein Maultier und 27 Freibergerfohlen an der Schau vorgeführt. Die Qualität war hoch. Acht Fohlen qualifizierten sich mit mindestens 22 Punkten für den Rappel.

Charakter ist wichtiger als Noten

Den Jubiläumstreck von Bern nach Aarau leitete der PGA-Vizepräsident Patrick Böller. Der Freibergerzüchter stellt jedes Jahr mehrere Fohlen an der Schau und Jungpferde am Feldtest vor. Auch der amtierende Gangchampion kommt aus dem Stall von Familie Böller. Dennoch stellt Patrick Böller klar: «Charakter ist wichtiger als Noten.» Er verkaufe neun von zehn Pferden für den Freizeitsektor, da frage kaum jemand nach den Noten.

«Hauptsache, es harmoniert beim Probefahren oder Probereiten.» Dafür brauche es zuverlässige, sauber ausgebildete Pferde. Und Marketing: «Wer züchtet, kann nicht nur zu Hause die Faust im Sack machen, sondern muss seine Pferde präsentieren.» Auch ein Social-Media-Auftritt sei heute wichtig und bringe Aufmerksamkeit. Der Dachverband könne zwar Rahmenbedingungen schaffen, verkaufen müsse aber jeder Züchter und jede Züchterin selbst.

Beim Verkaufen mögen die Noten zweitrangig sein, für die Zucht sind sie gemäss Böller wesentlich. Er versteht, wenn eine schlechte Beurteilung auf die Züchtermoral drückt – «aber wir brauchen ehrliche Noten».

Seine Mindestanforderungen an Zuchtstuten: «22 oder mehr Punkte.» Gute Fohlen gebe es nun mal aus guten Muttertieren. «Du kannst nicht nur auf den Hengst schauen.» Bei einem Jungpferd ab Feldtest brauche es einen Verkaufspreis von mindestens 12 000 Franken, um die Kosten zu decken. «Das sind unsere Freiberger wert», sagt er und appelliert an die Züchterinnen und Züchter, ihre Pferde nicht unterpreisig zu verkaufen.

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