Die Pflege des Jungwaldes ist eine Investition in die Zukunft. Damit werden gewünschte Baumarten in ihrer Entwicklung gefördert. Wälder können so klimafitter gemacht werden. Bund und Kanton unterstützen die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer dabei mit Beiträgen.
Erst im August beschloss der Bund zusätzliche Mittel für einen klimafitteren Wald. Angestrebt werden standortgerechte, produktive, stabile, risikoarme und ökologisch wertvolle Waldbestände, heisst es auf der Website der Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) zum Thema Jungwaldpflege.
«Wer heute seinen Wald pflegt, wird auch in Zukunft stabile und gesunde Bestände haben. »
Lukas Gerig, Forstingenieur bei Wald Seetal Habsburg
Es brauche dazu aber das nötige Fachwissen, und es gelte, zum richtigen Zeitpunkt dort anzusetzen, wo die Massnahmen am wirkungsvollsten sind.
Gefragte Kurse für Jungwaldpflege
Das Potenzial der Naturverjüngung sei besser zu nutzen, betont Forstingenieur Lukas Gerig von Wald Seetal Habsburg. Diese Luzerner Waldeigentümerorganisation organisierte kürzlich für ihre Mitglieder erstmals kostenlose Kurse für die Jungwaldpflege. Das Interesse war gross, die ganztägigen Kurse mussten doppelt geführt werden und sollen auch nächstes Jahr wieder angeboten werden.

Es lohne sich für Waldeigentümer, sich der Pflege ihrer jungen Bestände mehr anzunehmen. Das spare Kosten und erhöhe die Erträge in Zukunft. Viele Forstunternehmer müssten heute effizient und maschinell arbeiten können, so bleibe weniger Zeit für die Jungwaldplege.
Die Lücke könnten Waldeigentümer selbst füllen, indem sie im eigenen wirtschaftlichen Interesse mehr Verantwortung für ihre jungen Wälder übernehmen, betonte Lukas Gerig.
Mehr Lichtbaumarten fördern
Das Baumartenspektrum in den Wäldern müsse verbreitert werden. «Wo sich die Natur selbst verjüngen kann, ist das für den Standort am besten angepasst und am wirtschaftlichsten», meinte Lukas Gerig. Am Kurstag wurden dazu in den Waldbeständen bei Inwil LU und Buchrain LU Tipps vermittelt, welche erwünschten Bäume wie gefördert werden können, und welche Nachbarbäume eine Konkurrenz darstellen und somit zu räumen sind.
So soll auch bei anstehenden Holzschlägen beachtet werden, welche Zukunftsbäume zu schonen und freizustellen sind. Und Massnahmen der Schlagpflege nach einem Holzschlag könnten in gut strukturierten Wäldern auch finanziell unterstützt werden. «Wer heute seinen Wald pflegt, wird auch in Zukunft stabile und gesunde Bestände haben», betonte Gerig.

Das Waldbild wird sich verändern
Forstingenieur Lukas Gerig wies darauf hin, dass auch die Gesellschaft zu sensibilisieren sei, weil sich das Waldbild wegen solchen Extremjahren und dem Klimawandel künftig verändere.
Es werde künftig mehr auf Lichtbaumarten gesetzt, wie Eichen, Linden oder Kirschen, statt nur auf Fichten, Tannen und Buchen. Förderungswürdig seien auch Edelkastanien, Spitzahorn oder Waldföhren. Fichten und Tannen blieben aber als «Brotbäume» wirtschaftlich wichtig und würden von der Holzwirtschaft nachgefragt. Weil sie trockenheitsresistenter sind, erhalten bei den Nadelbäumen aber auch Douglasien vermehrt Bedeutung.
Die Mischung von Baumarten lenken
Grundsätzlich beinhalte die Jungwaldpflege Massnahmen von der Bestandesbegründung (Förderung der Naturverjüngung, Vorbereitung von Pflanzflächen sowie Pflanzung und Wildschutz) bis zur Pflege von Stangenholz, das heisst einem Brustdurchmesser von 20 cm der Bäume.
Im jungen Wald könne die Baumartenmischung am besten gelenkt werden. Baumarten, die Wertholz produzieren wie Eiche und Kirsche, oder besonders stabile Baumarten wie die Weisstanne würden ansonsten von anderen, schneller wachsenden Bäumen zurückgedrängt oder verkümmern.
Im Stangenwald gehe es darum, die Stabilität des Bestandes zu fördern und die Wuchskraft der einzelnen Bäume auszunutzen. Verjüngte Waldbestände brauchten Baumarten- und standortspezifische Pflegemassnahmen, heisst es in einem Merkblatt des Lawa.

Sicherheitsholzerei wird unterstützt
Aktuell seien die Gefahren im Wald wegen der Trockenheit weiterhin besonders gross, so wegen plötzlich abfallenden Ästen. Im aktuellen Sanasilva-Bulletin von Wald, Schnee und Landschaft (WSL) von Ende September zum Zustand des Schweizer Waldes wird auf die deutliche Verschlechterung des Kronenzustandes vor allem bei den Laubbäumen in diesem Jahr berichtet.
Augenfällig ist der schlechte Zustand der Buchen. Bei den Nadelbäumen zeige sich nur eine geringe Veränderung bei der sogenannten Gesamtverlichtung. Vermehrt wird aber von Käferschäden berichtet. Künftig müssen deshalb wegen der Folgen des trockenen 2026 zahlreiche Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Der Kanton Luzern unterstützt zusammen mit dem Bund und den Gemeinden die Sicherheitsholzerei bei Infrastrukturen im Wald finanziell, so entlang Wegen oder Grillplätzen.

Drahtnetze und Kunststoffe entfernen
Seit diesem Jahr läuft im Kanton Luzern aufgrund eines politischen Vorstosses zur «Förderung von Jungwald mit ökologischen Wildschadenverhütungsmassnahmen» ein vierjähriges Pilotprojekt. Ziel ist es, sämtliche nicht mehr funktionsfähigen Wildschadenverhütungsmassnahmen aus Metall oder Kunststoff aus dem Wald zu entfernen und fachgerecht zu entsorgen und so den Wald aufzuwerten.
Die Kosten werden auf vorgängiges Gesuch vom Kanton getragen. Häufig verbleiben solche dauerhaften und nicht biologisch abbaubaren Wildschütze um Jungbäume jahrelang im Wald, auch wenn die gar nicht mehr nötig wären. Neuerdings kommen deshalb vermehrt abbaubare Wildschütze aus Holz zum Einsatz.

