pv_die-grune-onlinePlus

Kaffeeabfälle: Kompost und Kooperation für fruchtbare Böden

Kaffeeanbau ist für Millionen von Kleinbäuerinnen und -bauern weltweit eine Lebensgrundlage. Doch steigende Düngerpreise und erschöpfte Böden gefährden die Produktion. Gleichzeitig bleiben nährstoffreiche Nebenprodukte der Kaffeeaufbereitung – Fruchtfleisch, Pergament und Honigwasser – oft ungenutzt, obwohl sie grosses Potenzial für die Bodenfruchtbarkeit bieten.

Das Projekt BioFabrica wurde von der Rösterei Kaffeemacher initiiert, von Innosuisse gefördert und von BFH-HAFL sowie FiBL wissenschaftlich begleitet. Es zeigt, wie diese Nebenprodukte zu wertvollem Kompost werden können.

Feldversuche mit dem lokalen Partner Bridazul in Nordnicaragua belegen: Mit regionalen Materialien lässt sich stabiler Kompost herstellen, der Mineraldünger teilweise ersetzt. Eine praxisnahe Kombination von Kompost und Mineraldünger kann den Bedarf an synthetischen Nährstoffen um bis zu 20 % senken. ProduzentInnen sehen im Kompost Chancen zur Verbesserung der Böden, betonen jedoch den Arbeitsaufwand und den Bedarf an einfachen, praxisnahen Anleitungen.

AkteurInnen aus der Schweiz und Nicaragua arbeiten zusammen, um Ressourcen effizienter zu nutzen, Wissen zu teilen und die Zukunft des Kaffees zu sichern – mit Erkenntnissen, die auch anderen ProduzentInnen zugutekommen.

Wie wird Kaffee zukunftsfähig?

Kommentar von Phillipp Schallberger, Kaffeemacher GmbH: [IMG 2] Was, wenn Kaffeefarmen in Zukunft unabhängig von äusseren Inputs wären? Die Produktion von Kaffee ist stark von externen Faktoren abhängig. Der Preis wird am C-Markt (Kaffeebörse) festgelegt. Auch der Düngemittelpreis ist fremdbestimmt und seit dem Ukrainekrieg massiv gestiegen. Dünger wird in Nicaragua importiert und nicht im Land selbst hergestellt – eine Gemengelage, die nicht zu langfristigen Entscheidungen motiviert. 2022 stellten wir uns gemeinsam mit unseren Partnern von Bridazul in Ocotal die Frage,wie wir selbst Dünger herstellen und unabhängiger von äusseren Faktoren werden könnten. Bald sahen wir Potenzial im Kompost aus Nebenprodukten der Kaffeeproduktion. Gesunde, lockere Böden sind die Basis für langfristige Erträge. Sie wirken wie Schwämme, verbessern die Wasseraufnahme und verhindern besonders im hügeligen Terrain Erosionen. Noch wichtiger war, dass die Workshops mit Produzierenden neue Fragen öffneten: Wie nutzen wir Nebenströme, sparen Kosten, erhöhen Erträge, auch bei Gemüse zum Eigengebrauch, und binden Emissionen? Die Arbeit mit HAFL und FiBL war der Startschuss für eine neue, tiefgründigere Arbeit am Boden und in unserer Vision, wie Kaffee zukunftsfähig werden kann.

Weiterlesen

  • Zweite Blauzungenwelle: Was passiert jetzt mit den Kälbern?

    Zweite Blauzungenwelle: Was passiert jetzt mit den Kälbern?

    Die erste Welle des Blauzungenvirus hat die Schweiz schwer getroffen. Totgeburten und missgebildete Kälber erschütterten die Rinderhaltung als Folge. Ein Jahr später zeigt die Erfahrung aus Deutschland: Ungeimpfte Bestände sind weiterhin gefährdet.
    Show more
    Plus
  • «Vermehrung statt genetischer Vielfalt gefördert»: Sorge um gefährdete Rassen wächst

    Plus
  • Karten wecken Interesse: «Vielleicht ist Düngung doch wie Pflanzenschutz»

    Plus