Anfang Woche informierte der Veterinärdienst des Kantons Luzern per E-Mail die Luzerner Betriebe im «Dunstkreis» von einigen Kilometern der mit der Enzootischen Pneumonie (EP) infizierten Schweinebestände. Nach Abschluss der landesweiten Flächensanierungen 2004 galten in der Schweiz alle Schweinebestände als anerkannt frei von der enzootischen Pneumonie, es wurden aber sporadische Ausbrüche beobachtet.
Gesunde Bestände schützen
Der aktuelle Fall mit 20 betroffenen Zuchtbetrieben und dazu 40 Mastbetrieben, verteilt auf 16 Kantone, ist der grösste und gemäss Fachleuten der für die Branche gefährlichste der vergangenen Jahre. Entsprechend wurde auch für die elf betroffenen Luzerner Zuchtbetriebe die Bestandesräumung angeordnet, schreibt der Veterinärdienst Luzern weiter. Nun geht es darum, gesunde Bestände zu schützen.
Die Enzootische Pneumonie der Schweine wird hauptsächlich durch direkten Tierkontakt und über die Luft übertragen. Da der Erreger in der Aussenwelt empfindlich ist, entscheiden das Stallklima und das Wetter stark darüber, wie weit die Tröpfchen infektiös bleiben. Im Stall helfen eine tiefe Luftfeuchtigkeit und ein schadgasarmes und konstant warmes Stallklima ohne Zugluft.
Bei trockenem, sonnigem Wetter ist die Reichweite über die Luft deutlich geringer als im feuchtkalten Winter, liest man in Fachpublikationen. Regenwetter ist zwar aktuell für die Landwirtschaft dringend nötig, wenigstens bei der Bekämpfung von EP über die Luft hilft das meteorologische Dauerhoch. Denn der Erreger wird über Tröpfcheninfektionen und respiratorische Sekrete abgegeben. Bei günstigen Witterungsbedingungen – insbesondere bei nasskaltem Klima wie häufig in den Wintermonaten – können infektiöse Aerosole über die Luft einige Kilometer weit getragen werden.
Nase zu Nase ist grösstes Risiko
Die trockenen und tagsüber warmen Tage helfen diesbezüglich im Moment noch. Nachts sind die Bedingungen aber für eine Übertragung über die Luft bereits gegeben. Wirksam gegen eine solche Übertragung sind lediglich möglichst grosse Abstände zwischen verschiedenen Schweinebetrieben. Oder weniger praxistauglich: Hochsicherheitsställe, wo im Ausland teils auf wertvollen Zuchtbetrieben oder Eberstationen die Zuluft gereinigt wird, um das Einschleppen von Erregern zu verhindern.
Die Hauptinfektionsquelle ist noch immer der Nase-zu-Nase-Kontakt mit infizierten Schweinen. Transport und Verstellungen von Tieren sind der Hauptgrund für die Einschleppung des Erregers in bisher freie oder sanierte Bestände.
Der Veterinärdienst Luzern bittet speziell die Betriebe im Umkreis der Betroffenen, die «Biosicherheitsmassnahmen entsprechend umzusetzen oder zu erhöhen bzw. verdächtige Beobachtungen wie einen trockenen, chronischen Husten oder Temperaturerhöhung und Atembeschwerden umgehend dem Bestandestierarzt oder dem SGD/QGS zu melden und diesen auf das EP-Risiko hinzuweisen». Solange keine verdächtigen Symptome im Betrieb auftauchen, sind für solche Betriebe in der Nachbarschaft keine weiteren Massnahmen vorgesehen.
Die Schweine gut beobachten
Die wichtigsten Symptome von EP sind:
- Trockener, chronischer Husten: vor allem, wenn die Tiere aufgescheucht oder bewegt werden.
- Erhöhte Atemfrequenz und Atemnot. Bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf zeigen die Schweine eine deutlich beschleunigte Atmung, sichtbar über die Flanken, und Atembeschwerden.
- Kümmern und Leistungsabfall: Die infizierten Tiere zeigen ein schlechteres Wachstum, eine verminderte Futterverwertung und ein ungleichmässiges Wachstum innerhalb der Gruppe.
Der Krankheitsverlauf bei EP:
- Anfangsphase: Oft bleibt der Allgemeinzustand recht gut, und die Tiere haben meist kein oder nur leicht erhöhtes Fieber.
- Lungenentzündung: Da der Erreger die Flimmerhärchen in den Atemwegen zerstört, wird die Lunge anfällig für andere Bakterien. Tritt eine solche Sekundärinfektion auf, kommt es zu schwerer Lungenentzündung mit hohem Fieber, Mattigkeit und plötzlichen Todesfällen.
Für den Menschen ist EP absolut ungefährlich, da nicht übertragbar.

