Vier Tage nach der Krisensitzung der Branche in Egerkingen SO ist klar, wie die Behörden die EP bekämpfen wollen. Die Bestände in den 20 betroffenen Zuchtbetrieben werden vollständig geräumt. Die Tiere werden geschlachtet, soweit das möglich ist. Alle anderen werden tierschutzkonform getötet. Das teilte der Kanton Luzern am Montag, 21. September, mit. Betroffen sind rund 1500 Zuchtschweine samt ihren Ferkeln.
Am 9. September hatte der Veterinärdienst des Kantons Luzern den Verdacht gemeldet, eine Woche später bestätigte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) den Ausbruch in einem grossen Schweinering. Ein Schweinering ist ein Verbund von Zucht- und Mastbetrieben, die arbeitsteilig zusammenarbeiten. Tiere wechseln dabei regelmässig zwischen den Betrieben. Über alle Betriebe des Rings gilt seither eine Sperre.
Den Entscheid haben die Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte gemeinsam mit dem BLV, dem Betreiber des Schweinerings, Vertretern der Schweinebranche und weiteren Fachorganisationen gefällt.
Vollständige Sanierung statt Halbheiten
Die Behörden setzen auf eine vollständige Sanierung. Zuerst werden die Bestände geräumt, danach die Ställe gereinigt und desinfiziert. Nur so lasse sich die Infektionskette unterbrechen. Eine teilweise Sanierung biete keine ausreichende Sicherheit, dass der Erreger in allen betroffenen Beständen verschwindet.
Für die Halter bedeutet das den Verlust ihres gesamten Schweinebestands. Die Behörden nennen den Schritt einschneidend. Wegen der engen Verbindungen zwischen den Betrieben und der Gefahr einer weiteren Verschleppung halten sie ihn aber für unumgänglich.
Sechs Kantone bei den Zuchtbetrieben, 14 bei den Mästern
Die 20 Zuchtbetriebe liegen in den Kantonen Bern, Luzern, Solothurn, Schwyz, Thurgau und Waadt. Allein im Kanton Luzern wurde der Erreger bisher in elf Zuchtbetrieben nachgewiesen. Hinzu kommen 40 Mastbetriebe in den Kantonen Aargau, Bern, Baselland, Graubünden, Luzern, Neuenburg, Nidwalden, Obwalden, St. Gallen, Schwyz, Thurgau, Waadt, Wallis und Zug.

In den Mastbetrieben bleibt der Tierverkehr gesperrt, bis eine Infektion ausgeschlossen werden kann oder der Bestand ebenfalls komplett geräumt ist. Auch zwischen den Zuchtbetrieben werden keine Tiere mehr ausgetauscht. So soll der Erreger, der sich auch über die Luft verbreiten kann, nicht in Betriebe gelangen, die bereits saniert sind.
Ausbreitung nicht ausgeschlossen
Ob der Ausbruch auf den Ring beschränkt bleibt, ist offen. Nach heutigem Kenntnisstand lässt sich laut den Behörden nicht ausschliessen, dass auch Betriebe ausserhalb des Rings beteiligt sind. Die Abklärungen laufen, nötigenfalls folgen weitere Massnahmen.
Vor diesem Risiko hatte Matteo Aepli, Geschäftsführer der Suisag, gegenüber der BauernZeitung gewarnt. Er verwies auf betroffene Betriebe in sehr schweinedichten Gebieten. Am dringendsten brauche es jetzt eine klare Strategie für die gesperrten Betriebe, sagte er. Für die Zuchtbetriebe liegt sie nun vor, für die Mäster ist die Frage noch nicht abschliessend beantwortet.
Wie es weitergeht
Die Räumung soll innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein, voraussichtlich bis zum 2. Oktober. Die kantonalen Veterinärbehörden ordnen die weiteren Massnahmen im Einzelnen an und setzen sie gemeinsam mit den Tierhaltern um. Der jeweils zuständige Veterinärdienst informiert und unterstützt die betroffenen Betriebe laufend.
Über die finanziellen Folgen macht die Mitteilung keine Angaben zur Höhe. Es gelten die Vorgaben der eidgenössischen Tierseuchengesetzgebung und die kantonalen Bestimmungen zur Entschädigung von Tieren. Wer eine entsprechende Versicherung abgeschlossen hat, kann diese beanspruchen.
Alle schweinehaltenden Betriebe müssen Tierbewegungen fristgerecht erfassen und die Begleitdokumente vollständig ausfüllen. Personenschleusen, Kleiderwechsel sowie die Desinfektion von Händen und Stiefeln schützen den eigenen Bestand und verhindern, dass der Erreger verschleppt wird.
Was ist EP?
Die Enzootische Pneumonie ist eine ansteckende bakterielle Lungenkrankheit der Schweine. Sie wird durch das Bakterium Mycoplasma hyopneumoniae verursacht und zeigt sich vor allem durch trockenen Husten, besonders bei Mast- und Absetzferkeln. Der Erreger überträgt sich durch direkten Kontakt und über die Luft, bei feuchtkaltem Wetter über mehrere Kilometer. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich. EP ist auf der Liste der zu bekämpfenden Seuchen.

