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Den Stall durch den Profi reinigen lassen: Sauber in den nächsten Umtrieb starten

Während einige Betriebe die Stallreinigung selbst übernehmen, setzen immer mehr Geflügelhalter auf spezialisierte Dienstleister. Gerade im Geflügelbereich, wo zwischen zwei Herden nur wenig Zeit für Reinigung und Vorbereitung bleibt, gewinnt die professionelle Stallreinigung zunehmend an Bedeutung.

Kurz & bündig

  • Die Auslagerung der Stallreingung entlastet die Betriebe im Arbeitsalltag, ermöglicht es ihnen aber auch, mit neuer Energie in den nächsten Umtrieb zu starten.
  • Die Bättig Hallenreinigungen GmbH hat sich auf die professionelle Stallreinigung spezialisert; rund 200 bis 250 Reinigungen werden jährlich durchgeführt.

Die Hühner sind ausgestallt, Einstreu und Mist sind entfernt und der Stall steht bereit für den nächsten Arbeitsschritt. Jetzt übernimmt das Team der Bättig Hallenreinigungen GmbH.

«Die Stallreinigung auszulagern, wird immer ein grösseres und wichtigeres Thema. Vor allem in Anbetracht der verkürzten Leerstandszeiten oder auch durch die Arbeitserleichterung vor allem während der Erntezeit», sagt Cyrill Bättig.

Aus einer Nische ein Spezialgebiet gemacht

Die Bättig Hallenreinigungen GmbH wurde 2003 gegründet. Damals erkannte Beat Bättig, der Gründer des Unternehmens, eine Marktlücke. Er arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Monteur im Stallbau und stellte fest, dass es in der Schweiz noch keinen Dienstleister in diesem Sektor gab. Das Interesse war aber da. Durch vermehrte Nachfragen der Kunden entschied er sich, die Firma zu gründen und professionelle Stallreinigungen anzubieten.

«Am Anfang lief das Geschäft eher schleppend», erzählen Cyrill und Jean-Luc Bättig. Was klein begann, entwickelte sich aber über die Jahre zu einem spezialisierten Dienstleistungsunternehmen. Die beiden Brüder sind im Übernahmeprozess und werden das Unternehmen in zweiter Generation führen.

Die Brüder Jean-Luc (links) und Cyrill Bättig werden das Unternehmen in zweiter Generation führen.(Bild: «die grüne» / Peter Röthlisberger)

Kein Stall ist wie der andere

Heute betreut das Unternehmen fast 400 Betriebe zwischen Bodensee und Genfersee. Rund 200 bis 250 Stallreinigungen werden jährlich durchgeführt. Viele Betriebe nehmen die Dienstleistung regelmässig in Anspruch. Gewisse Betriebe fragen bewusst dann an, wenn die Stallreinigung in eine besonders intensive Zeit (z. B. Heuernte) fällt. Der Schwerpunkt liegt klar bei Geflügelhaltungen, daneben reinigt die Firma Bättig vereinzelt auch Schweine- und Rinderställe.

Wie aufwendig eine Stallreinigung ausfällt, hängt nicht nur von der Grösse des Betriebs ab, sondern auch vom Stalltyp. Ältere Geflügelställe stellen die Reinigungsteams oft vor grössere Herausforderungen. Verwinkelte Grundrisse, schwer zugängliche Bereiche und nachträglich eingebaute Einrichtungen erschweren die Arbeit und vergrössern den Zeitaufwand.

Gerade im Geflügelbereich hat sich der Stallbau in den vergangenen Jahren stark vereinheitlicht. Obwohl sich die Hersteller in einzelnen Details unterscheiden, ähneln sich moderne Volieren- und Haltungssysteme im grundsätzlichen Aufbau. Für die Reinigungsteams ist das ein Vorteil. Die Arbeitsabläufe lassen sich standardisieren und das Team weiss genau, worauf es sich einstellen muss.

«Im Geflügelbereich reinigen wir immer wieder ähnliche Systeme. Bei Rinderställen hingegen gleicht kaum ein Betrieb dem anderen. Dort sind Bauweise und Einrichtungen viel individueller», sagt Cyrill Bättig.

Diese Spezialisierung ist auch einer der Hauptgründe, weshalb die Firma heute überwiegend Geflügelställe reinigt.

Die Firma Bättig reinigt vor allem Geflügelställe. Der Anteil an Legehennen- und Pouletmastställen ist in etwa ausgeglichen.(Bild: «die grüne» / Peter Röthlisberger)

Eingespielte Abläufe sparen Zeit

Die neun Mitarbeitenden der Firma arbeiten grundsätzlich in Zweierteams. Je nach Betriebsgrösse sind aber auch Einsätze mit bis zu acht Personen möglich. Die Terminplanung erfolgt unkompliziert per Telefon, Whatsapp, SMS oder E-Mail.

Die Planung der Reinigungen der Geflügelställe richtet sich stark nach dem Produktionsrhythmus der Geflügelbetriebe. Sobald eine Herde ausgestallt ist, bleibt nur ein begrenztes Zeitfenster, um den Stall zu reinigen, zu desinfizieren und vollständig austrocknen zu lassen, bevor die nächste Herde eingestallt wird.

«Unsere Arbeit läuft Hand in Hand mit den Umtrieben der Betriebe», sagt Cyrill Bättig. Viele Kunden melden sich deshalb bereits dann, wenn sie ihre nächste Herde bestellen. Manche reservieren ihren Reinigungstermin zwei bis drei Jahre im Voraus, während andere erst wenige Tage vorher anrufen.

In den vergangenen Jahren sei die Planung anspruchsvoller geworden. Kürzere Leerzeiten verkleinern das Zeitfenster für die Stallreinigung. Gleichzeitig wechseln die Umtriebe saisonal, wodurch sich die Reinigungsarbeiten zeitweise stark konzentrieren. Hinzu kommt, dass ältere Stallgebäude nicht für jede Jahreszeit gleich gut geeignet sind. Gerade bei älteren Gebäuden ist die Stallreinigung im Winter eine Herausforderung, weil Zugluft oder fehlende Isolation das Austrocknen erschweren. Moderne Stallanlagen seien in dieser Hinsicht deutlich im Vorteil.

Bei Bedarf wird alkalischer Schaumreiniger aufgetragen, der Eiweiss- und Fettrückstände anlöst.(Bild: «die grüne» / Peter Röthlisberger)

Wasserversorgung vor Ort sicherstellen

Für einen effizienten Ablauf vor Ort ist zudem die Sicherstellung der Wasserversorgung entscheidend. Für die Stallreinigung werden durchschnittlich etwa 1,5 bis 2 Kubikmeter Wasser pro Stunde benötigt. Gerade auf abgelegenen Landwirtschaftsbetrieben stellt dies die Reinigungsprofis jedoch immer wieder vor Herausforderungen.

«Oft sind die Wasseruhren zu klein dimensioniert. Beim Bau eines Stalls wird der Wasserbedarf für eine spätere Reinigung häufig nicht berücksichtigt», wissen Bättigs aus Erfahrung.

Deshalb klären sie die Situation im Voraus ab. Wo möglich, wird ein Hydrant genutzt. Je nach Lage des Betriebs kann dies allerdings aufwendig werden. «Wir hatten schon Einsätze, bei denen wir rund 800 Meter Feuerwehrschlauch bis zum Stall verlegen mussten», erzählen die Brüder.

Bei Neukunden verschaffen sie sich deshalb nach Möglichkeit bereits vor dem Reinigungstag ein Bild der örtlichen Gegebenheiten. So lassen sich Engpässe erkennen und der Einsatz effizient planen.

Vorbereitung entscheidet über den Aufwand

Bevor die Reinigungspezialisten überhaupt mit dem Hochdruckreiniger arbeiten, ist der Betriebsleiter gefragt. Der Stall muss besenrein sein. Mist, Einstreu und möglichst viele lose Verschmutzungen werden entfernt, einzelne Kleinteile bereits vorgereinigt.

«Je sauberer der Stall vorbereitet ist, desto effizienter können wir arbeiten», sagt Cyrill Bättig. Besonders wichtig sei, möglichst viel Schmutz bereits vor dem Waschen zu entfernen und den Stall gut einzuwässern. Wenn der Stall gut eingewässert wird, lösen sich Eiweiss- und Fettrückstände einfacher.

Bevor die eigentliche Reinigung beginnt, richtet das Team den Arbeitsplatz ein. Zuerst schliesst es die Wasserversorgung an und bereitet die Hochdruckgeräte vor. Anschliessend verteilt es Schläuche und Zubehör im Stall, damit die Arbeiten ohne Unterbruch ablaufen können.

Die Reinigung folgt konsequent dem Prinzip von oben nach unten. Den Anfang machen Decke und Lüftung. So bindet das Wasser den Staub und weicht die gesamte Anlage ein. Anschliessend reinigen die Mitarbeitenden Rohre, Bleche und Volieren zunächst grob mit Hochdruck. Bei Bedarf tragen sie einen alkalischen Schaumreiniger auf, der Eiweiss- und Fettrückstände anlöst. Danach folgt die gründliche Nachreinigung, bis sämtliche Oberflächen sauber sind und keine Schmutzrückstände mehr zurückbleiben.

Im nächsten Schritt nehmen sich die Reinigungsspezialisten die Legenester vor. Auch hier arbeiten sie systematisch von oben nach unten. Demontierbare Teile reinigen sie separat und legen sie anschliessend sauber auf der Anlage bereit.

Im Wintergarten folgen Decke, Windschutznetze und Wände. Erst danach reinigen die Mitarbeitenden Boden und Kleinteile. Sobald alle beweglichen Elemente sauber sind, schliessen sie die Bodenreinigung ab.

Zum Schluss spülen sie den Stallboden sorgfältig in Richtung der Abläufe. Gemeinsam mit dem Betriebsleiter kontrollieren sie das Ergebnis, bevor die Desinfektion erfolgt. Diese findet je nach Wunsch des Betriebs direkt nach der Reinigung oder zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Je nach Situation und Wunsch des Betriebs stehen weitere Dienstleistungen zur Verfügung, zum Beispiel eine Milbenbehandlung oder die Kaltvernebelung, bei welcher Desinfektionsmittel auch in schwer zugängliche Ritzen und Spalten gelangen.

Auch schwer zugängliche Bereiche können dank der professionellen Ausrüstung effizient gereinigt werden.(Bild: «die grüne» / Peter Röthlisberger)

Eigenentwickelte Technik für den Dauereinsatz

Besonders stolz ist die Firma Bättig auf ihre Technik. Bei der Reinigung eines Geflügelstalls sind die Geräte stundenlang im Dauereinsatz. Handelsübliche Hochdruckreiniger seien den hohen Belastungen nicht gewachsen. «Unsere Geräte laufen teilweise von sechs Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Das halten Standardmaschinen nicht aus», erklärt Jean-Luc Bättig. Deshalb entschied sich die Firma dazu, eine eigene Lösung zu entwickeln.

Die Brüder analysierten handelsübliche Geräte bis ins Detail, prüften einzelne Komponenten und liessen auch Berechnungen zur Kraftübertragung durchführen. «Vor rund 15 Jahren haben wir unseren ersten Hochdruckreiniger selbst gebaut», erzählt Bättig. Seit etwa zehn Jahren arbeiten sie mit den heutigen Geräten. Das Ergebnis ist ein Hochdruckreiniger, der speziell auf die hohen Anforderungen der Stallreinigung ausgelegt ist.

Die Grundlage für saubere Eier

Einer der langjährigen Kunden der Firma Bättig ist Adrian Blum von der Blum Eier AG in Gunzwil LU. Adrian Blum hat den Betrieb zusammen mit seiner Frau vor fünf Jahren von seinen Eltern übernommen. Der Betrieb ist auf die Herstellung von Oster- und Picknickeiern spezialisiert. Täglich werden rund 21 000 Eier verarbeitet und verpackt. Die Eier kommen von den eigenen 2800 Legehennen und von drei weiteren Legehennenbetrieben aus der Region.

Adrian Blum hält seine Legehennen im Jahresumtrieb. Jedes Jahr reinigt die Firma Bättig während der Leerzeit den Stall. Als Vorbereitung entfernt der Betrieb selbst vorab Einstreu und Mist und reinigt verschiedene Kleinteile. Die eigentliche Stallreinigung übernimmt anschliessend die Firma Bättig. Innerhalb von vier bis fünf Stunden ist der Stall komplett gereinigt. Die Desinfektion und die Milbenbehandlung erledigt Adrian Blum anschliessend selber.

Bereits vor 23 Jahren entschied sich der Vater von Adrian Blum, die Stallreinigung auszulagern. Er wurde auf die damals neu gegründete Firma aufmerksam und nahm Kontakt auf. Der Betrieb der Familie Blum gehörte zu den ersten Kunden. «Damals hatten wir noch zwei Geflügelställe. Das Waschen war jedes Mal ein riesiger Aufwand. Mein Vater erkannte, dass sich diese Arbeit sinnvoll auslagern lässt», erzählt Adrian Blum.

Für Adrian Blum sprechen mehrere Gründe für die Zusammenarbeit: «Die Firma Bättig kennt unseren Stall in- und auswendig und verfügt über die richtige Ausrüstung. Würden wir alles selbst machen, wären wir mindestens doppelt, wenn nicht dreimal so lange beschäftigt.»

Zudem kann sich der Betriebsleiter besser auf die alltägliche Arbeit konzentrieren. «Heute könnte ich diese Arbeit neben dem Tagesgeschäft gar nicht mehr bewältigen», sagt Blum.  

Auch wirtschaftlich sei die Dienstleistung sinnvoll. «Das Geld ist gut investiert. Das Ergebnis ist besser, der Zeitaufwand deutlich kleiner», so Blum.

Abgerechnet wird nach Arbeitsaufwand, Material und Anfahrt. Als Richtwert nennen Cyrill und Jean-Luc Bättig bei Geflügelställen Kosten von 1 bis 1,2 Franken pro Tierplatz. Wie hoch die Rechnung tatsächlich ausfällt, hängt jedoch stark von individuellen Faktoren wie dem Stallaufbau, dem Verschmutzungsgrad oder von der Vorbereitung des Betriebs ab. «Wer sauber ausmistet und den Stall gut vorbereitet, spart am Schluss Geld», sagen Bättigs.

Der eigentliche Vorteil liegt für Adrian Blum jedoch nicht allein in der eingesparten Arbeitszeit. Zwischen zwei Herden bleibt der Stall auf dem Betrieb während zwei bis drei Wochen leer. Diese Zeit wird bewusst genutzt, damit der Stall vollständig trocknen und die Desinfektion mindestens eine Woche einwirken kann.

Ein sauber gereinigter Stall wirkt sich direkt auf die Tiergesundheit aus. Rückstände aus dem vorherigen Umtrieb werden entfernt, Krankheitserreger reduziert und Milbenbekämpfungsmassnahmen können gezielt durchgeführt werden.

«Ein sauberer Stall ist die Grundlage für saubere Eier», sagt Blum. Gerade bei Geflügelställen gebe es viele schwer zugängliche Bereiche, die mit professioneller Ausrüstung wesentlich gründlicher gereinigt werden könnten.

Geflügelhalter Adrian Blum lagert die Stallreinigung aus. Das entlastet ihn im Arbeitsalltag und er kann sich komplett auf das Tagesgeschäft konzentrieren.(Bild: «die grüne» / Peter Röthlisberger)

Betriebsspiegel
der Blum Eier AG

Adrian und Tanja Blum, Gunzwil LU

Tierbestand: 2800 Legehennen

Betriebszweige: Produktion und Verarbeitung von Oster- und Picknickeiern, PV-Anlage (157 kWp, 110 kWh Stromspeicher)

Arbeitskräfte: 2 Vollzeitstellen, 12 Teilzeitstellen

www.blumeierag.ch

Mit gutem Gefühl in den nächsten Umtrieb

Als wichtigen Vorteil sehen Cyrill und Jean-Luc Bättig die Entlastung im Arbeitsalltag. Während der Herdenwechsel allein schon eine arbeitsintensive Zeit ist, kommen häufig noch andere Faktoren hinzu. «Wir können uns voll auf die Reinigung konzentrieren. Viele Landwirte kümmern sich noch um andere Tiere, müssen heuen oder dreschen», sagen Bättigs.

Auch gebe es Tierhaltende, welche sich in dieser Zeit bewusst eine Auszeit nehmen und zum Beispiel in die Ferien gehen. Kommen sie zurück, finden sie einen sauber gereinigten Stall vor. «So können sie mit neuer Energie und einem guten Gefühl in den nächsten Umtrieb starten», beobachten Bättigs.

Mit steigenden Anforderungen an Biosicherheit und Tiergesundheit dürfte die professionelle Stallreinigung künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Denn ein hygienisch sauberer Stall ist nicht nur die Grundlage für gesunde Tiere, sondern auch für einen erfolgreichen nächsten Umtrieb. «Ein sauberer Stall bedeutet weniger Altlasten aus dem vorherigen Umtrieb. So können die Tiere gesünder in die neue Herde starten», fassen die beiden Brüder zusammen.

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