Die anhaltende Trockenheit und der daraus resultierende Futtermangel zwangen einige zur vorzeitigen Abalpung und zur frühzeitigen Nutzung von Futterreserven im Stall. Weniger Futter und dafür weniger verwurmte Tiere?
Das Paradoxon der Trockenheit
Die Kontrolle von Magen-Darm-Würmern bei Schafen und Ziegen gehört in der Schweiz zu den grössten Herausforderungen der Herdenführung. Die klimatischen Bedingungen der letzten Monate werfen dabei dringende Fragen auf: Wie beeinflusst die lang anhaltende Trockenheit das Infektionsrisiko, und welche Strategien sichern langfristig die Tiergesundheit?
Auf den ersten Blick scheint der ausbleibende Regen eine Entlastung zu bringen. Die Gleichung ist biologisch korrekt: Wurmeier und Larven benötigen Feuchtigkeit und moderate Temperaturen, um sich zu entwickeln und an den Grashalmen emporzuwandern. Die Bedingungen sprechen grundsätzlich gegen die Parasiten.
Doch die Gefahr einer schweren Infektion sinkt dadurch keineswegs – sie verlagert sich. Durch das verlangsamte Graswachstum sind die Weiden extrem kurz gefressen. Weil Schafe und Ziegen gezwungen sind, die Grasnarbe tief bis zum Boden abzuweiden, nehmen sie genau dort vermehrt Parasitenlarven auf, wo deren Konzentration am höchsten ist: in den untersten 6 cm der Graspflanze. Zudem weichen die Tiere bei Futtermangel teils auf die sonst gemiedenen Geilstellen nahe den Kotplätzen aus. Die Gefahr ist folglich nicht kleiner, sondern durch das veränderte Fressverhalten oft sogar grösser. Wenn der lang ersehnte Regen endlich kommt, droht zudem ein «Boom-Effekt», wenn die im Kot überdauernden Larven schlagartig freigesetzt werden und auf das frische Grün wandern.
Stallperiode bietet Entlastung
Eine Entlastung des Wurmdrucks zeigt sich hingegen bei Tieren, die während extremer Hitzeperioden oder aufgrund Futtermangels auf den Weiden im Stall gehalten werden. Im Gegensatz zur permanenten Zirkulation auf der Weide bricht der Infektionszyklus im Stall ab, da es im konservierten Futter keine infektiösen Larven gibt. Dennoch werden Tiere durch das Einstallen nicht von der Verwurmung befreit. Mittels Kotproben kann ermittelt werden, wie hoch der Verwurmungsgrad ist und ob entsprechend eine Behandlung notwendig ist. Die Symptome von Verwurmung sind sehr unterschiedlich. Insbesondere bei Kümmerern sollte eine Untersuchung auf Magen-Darm-Parasiten durchgeführt werden. Jedoch können auch Tiere ohne Durchfall unter Wurmdruck leiden. Es gilt, von jeder Tiergruppe eine Kotprobe untersuchen zu lassen.
Zur Autorin
Lea Schibli arbeitet am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG in der Berufsbildung, Bereich Tierhaltung.

