«Wie viele Kühe ein Melkroboter effizient bedienen kann, hängt stark von den betrieblichen Voraussetzungen ab», sagt Andreas Niederhäuser vom Melkforum in Zollikofen BE. Er zeigt zwei Beispiele aus der Praxis auf.
Ein Melkroboterbetrieb mit 35 Kühen ermöglicht den Tieren von 8 Uhr morgens bis am Mittag Weidegang. Die Kühe können dabei frei zwischen Stall und Weide wählen. Obwohl die Kühe bestes Futter im Stall zur Verfügung haben, sind sie in der Regel den ganzen Zeitraum über auf der Weide. Bei diesem System funktioniert das Einhalten der Melkfrequenzen dank der tieferen Tierzahl gut.
Bei einem anderen Betrieb mit 60 Kühen und einer durchschnittlichen Milchleistung von 11 000 kg pro Kuh und Laktation läuft das System mit dem Roboter bereits «eher am Anschlag». «Der Betriebsleiter verzichtet bewusst auf Weidegang oder wählt sehr tiefe Sequenzen», so Niederhäuser.
Grundsätzlich gilt: Häufigeres Melken steigert die Leistung, gleichzeitig reduziert viel Weidegang die Melkfrequenz. «Eine Kuh hat mit dem Melkroboter etwa 5 bis 8 Minuten Melkzeit», sagt Niederhäuser.
Beachtet werden müssen speziell Zeiten, zu denen der Melkroboter nicht zum Melken eingesetzt werden kann, beispielsweise während der Milchabfuhr oder der Reinigung. Auch der natürliche Rhythmus der Kuh setzt Grenzen. In der Nacht gibt es weniger Melkungen als am Tag.
Für Schweizer Verhältnisse sieht Andreas Niederhäuser ein gewisses Muster. «Realistisch sind 55 bis 60 Kühe pro Roboter für eine stabile Melkfrequenz. Als Branchenstandard gelten häufig 60 bis 65 Kühe, während bei über 70 Tieren die Leistung stark von der Herde abhängig ist.» Ein durchschnittlicher Schweizer Melkroboterbetrieb hält etwa 40 bis 50 Milchkühe.
Funktionierender Tierverkehr ist bei hoher Tierzahl entscheidend
Entscheidend bei hohen Tierzahlen ist ein funktionierender Tierverkehr. «In jeder Herde gibt es Kühe mit bis zu täglich 30 Besuchen am Roboter, die das System teilweise blockieren», so Andreas Niederhäuser. Dies meist, weil die Kühe sich eine weitere Portion Kraftfutter erhoffen.
Technische Lösungen zur Steuerung in Form von Stromimpulsen, welche die Kuh zum Verlassen des Roboters bringen, sind im Ausland verbreitet, in der Schweiz jedoch verboten. Alternative Ansätze sind Druckluftstösse, die das Tier zum Verlassen der Box animieren.
Licht und Platz fördern die Melkfrequenz
Auch die Stallplanung spielt eine Rolle. Idealerweise haben die Tiere den Melkroboter in jedem Stallbereich im Blick. «Die Kuh kann sich so selbst den Zeitpunkt zum Melken aussuchen und hat dadurch weniger Stress», so Andreas Niederhäuser.
Ein wichtiger Aspekt liegt ausserdem bei der Beleuchtung. «Ein- und Ausgänge müssen grosszügig bemessen und gut beleuchtet sein», betont Niederhäuser. Gleichmässige Lichtverhältnisse beim Ein- und Ausgang helfen, die Melkfrequenz zu erhöhen. Denn Kühe passen sich langsam an Lichtunterschiede an und bleiben bei ungünstigen Lichtverhältnissen länger im Roboter stehen.
Ausfälle bringen den Rhythmus durcheinander
Ein weiterer Punkt, der stark von der Herdengrösse abhängt, ist der mögliche Ausfall des Roboters bei technischen Problemen: «Mit 30 Kühen ist es weniger ein Problem, wenn der Melkroboter ein paar Stunden ausfällt. Bei 70 Tieren fehlt sofort die Frequenz und es braucht mehrere Tage, bis der Rhythmus wieder konstant ist», erklärt Niederhäuser.
Auch die Lebensdauer des Roboters ist immer wieder ein Thema. «Wenn ein Betrieb täglich 3000 Kilogramm Milch erzielt, ist er nach 12 bis 15 Jahren stark mit dem Thema Investieren beschäftigt und froh um jede technische Erneuerung», so Andreas Niederhäuser.
Auch Teile des Roboters, wie zum Beispiel das Melkzeug, werden bei diesen Leistungen stark ausgelastet. Im Bereich der Melkroboter werden zunehmend technische Fortschritte erzielt. «Ein nächster Schritt könnte die Erkennung der Zitzen bezüglich Verschmutzungsgrad sein», zeigt Niederhäuser als Beispiel auf.
«Ein- und Ausgänge müssen grosszügig bemessen und gut beleuchtet sein.»
Andreas Niederhäuser, Melkforum
Die Arbeit wird nicht unbedingt günstiger, aber flexibler
Bei Serviceverträgen sind Melkroboter häufig auf Herden mit rund 60 Tieren ausgelegt. Kleinere Betriebe und Alpbetriebe zahlen oft nach Aufwand, da die Kosten bei tieferer Auslastung sinken.
Betriebe mit kleineren Herden nutzen teilweise auch die Möglichkeit, einen gebrauchten Melkroboter zu kaufen. Der gebrauchte Roboter sollte dabei rund die Hälfte eines neuen Roboters kosten, um durch den günstigeren Kaufpreis den technischen Fortschritt zu kompensieren.
Weiter stellt Niederhäuser klar: «Die Arbeit wird mit dem Melkroboter nicht günstiger. Die Servicekosten sind 30 bis 40 Prozent höher als bei einem vergleichbaren Melkstand, dafür kann man an Flexibilität und Lebensqualität gewinnen.»
Zudem profitieren die Tiere. «Für Kühe mit hoher Leistung ist es am besten, wenn sie 3 bis 4 Mal zum Melken gehen können», so Niederhäuser. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor Betriebe, bei denen ein Melkstand besser zum Betriebskonzept passt. Zum Beispiel, wenn der Betriebsleiter auswärts arbeitet und fixe Melkzeiten bevorzugt.
Insgesamt zeigt sich, dass die optimale Anzahl Kühe pro Melkroboter keine fixe Zahl, sondern ein Zusammenspiel von betriebsspezifischen Voraussetzungen, individuellen Leistungen und einem auf die Herde angepassten Management ist. «die grüne» hat bei Boumatic, DeLaval, GEA, Lely und Lemmer Fullwood nachgefragt, wie die Erfahrungen und Empfehlungen in der Praxis aussehen.
Boumatic
Je nach Betrieb beträgt die optimale Tierzahl rund 55 bis 60 Kühe für einen Roboter mit Einzelbox oder rund 90 Kühe bei einer Doppelbox (zwei Melkplätze und ein Arm). Der Faktor Tier spielt aber eine sehr grosse Rolle, z. B., ob die Kühe schnell oder langsam melkend sind, wie der Kuhverkehr funktioniert oder wie der Stall aufgebaut ist. Die Betriebsausrichtung hat zudem einen grossen Einfluss.
Unsere Richtwerte liegen bei 3 Melkungen pro Kuh/Tag und 7 Minuten Zeit pro Kuh, die sie pro Melkung in der Box steht (inkl. Vormelken und Futteraufnahme). Die Zeit der Kuh in der Box variiert stark je nach Rasse, Fütterung und Leistung. Mit maximal 65 Kühen hat der Roboter, wenn alles nach Plan läuft, eine Stunde freie Zeit pro Tag. Auch hier spielen wiederum der Faktor Tier und der Aufbau des Stalls eine grosse Rolle.
Lukas Schmid, Schmid Melk- und Stalltechnik GmbH, Boumatic Schweiz
DeLaval
Wir haben Betriebe, die bis zu 75 Kühe mit einem Roboter melken. Das sind die, die wirklich ans obere Limit gehen. Rückmeldungen zeigen, dass das System mit 50 bis 65 Kühen sehr gut für den Kunden und die Tiere läuft. Das ist sehr effizient für den Betriebsleiter und gibt «Luft» und genügend Zeit für alle Kühe.
Mit mehr als 70 Kühen wird der Aufwand grösser. Wenn mehr als 70 Kühe am Roboter sind, muss der Stall auch darauf ausgerichtet sein. Der Platz vor dem Roboter muss genügend gross und die Sicht auf den Roboter muss gut sein. Auch die Melkbarkeit der Kühe ist entscheidend. Das sind alles wichtige Faktoren, die auf die Kapazität einen Einfluss haben. Damit viele Kühe am System gehalten werden können, sind der Stallgrundriss und die Fütterung sehr wichtig. Es müssen immer alle drei Bereiche gut zusammenpassen: Mensch, Tier und Technik.
Urs Schmid, DeLaval Schweiz
GEA
Für die optimale Anzahl Kühe an einem Melkroboter kann man nicht eine fixe Anzahl Kühe nennen. Faktoren wie die Milchmenge, das Minutengemelk, das Tier-verkehrkonzept und der Weide-gang spielen immer eine grosseRolle.
Der Melkroboter ist für einen Dauerbetrieb ausgelegt und es kann eine maximale Anzahl Melkungen pro Tag gemacht werden. Der Verschleiss ist weniger ein Kriterium, bei einem voll ausgelasteten System werden hingegen der Unterhalt und das Beheben von allfälligen Störungen eine Herausforderung. Aufgrund der Rückmeldungen unserer Kunden kann man sagen, dass bei rund 60 Kühen pro Roboter die optimale Auslastungsgrenze erreicht ist.
Thomas Schmid, GEA Suisse AG
Lely
Wie viele Kühe ein Melkroboter effizient bedienen kann, hängt stark vom Milchfluss der Herde ab. Bei hohem Milchfluss (über 3 l/min) sind 2000 bis 2500 kg gut möglich. Je nach Herdenmilchleistung entspricht dies zwischen 50 und 65 laktierenden Kühen. Wenn das Managementlevel sehr hoch und die entsprechende Genetik vorhanden ist, gibt es auch Betriebe mit Tagesleistungen von bis zu 3000 kg. Dies entspricht jedoch nicht dem Schweizer Durchschnitt. Ab 2000 kg Tagesmilch bzw. ab rund 60 laktierenden Kühen pro Einzelbox wird der Anspruch ans Management immer höher, um weiterhin vom positiven Roboter-Effekt zu profitieren. Die Grenze ergibt sich aus Sicht des Tieres, nicht aus Sicht von Technik/Verschleiss.
Je nach Leistungsniveau und Herdenleistung wird eine unterschiedliche optimale Anzahl Melkungen angestrebt. Ein ausgelasteter Roboter kann in der Spitze rund 200 Melkungen pro Tag erreichen.
Remo Stalder, Lely Schweiz
Lemmer Fullwood
Die Frage, wie viele Kühe ein Melkroboter unter optimalen Bedingungen effizient bedienen kann, ist nicht einfach zu beantworten. Die Anzahl Kühe am Roboter ergeben sich aus der Leistung der Kühe, dem durchschnittlichen Milchfluss und der Anzahl Melkungen pro Kuh und Tag.
Bei einer durchschnittlichen Milchleistung von 8000 kg sowie 2,6 Melkungen pro Kuh können theoretisch 90 Kühe gemolken werden. Ist die Milchleistung bei 12 000 kg, sind wir bei 70 Kühen. In der Praxis kann man sagen, dass in der Regel 65 bis 70 Kühe mit einer hohen Milchleistung gemolken werden können. Das Optimum liegt bei zirka 60 Kühen.
Wenn der Roboter zu stark am Limit läuft, kann es der Gesundheit des Landwirts mehr schaden, weil alles immer rundlaufen muss und die Belastung sehr hoch ist, wenn der Roboter beim Service oder während einer Reparatur zum Beispiel eine Stunde nicht läuft.
Pius Muff, Lemmer Fullwood Schweiz

