Momentan ist die Arbeitsbelastung auf den meisten Milchviehbetrieben sehr hoch. Insbesondere die mentale Belastungssituation ist bedingt durch niedrige Milchpreise, lang andauernden Hitzestress, fehlendes Grundfutter, unvorhergesehene Viruserkrankungen und hohe Energiekosten in diesem Jahr sehr stark angestiegen. Daraus lassen sich für die Zukunft einige Schlüsse ziehen.
Langfristige Planung wird wichtiger
Neben der kurzfristigen Planung von Tagesabläufen auf dem Betrieb mit Melken, Füttern, Misten und den Sonderarbeiten wird die langfristige strategische Planung immer wichtiger. Dies bedeutet auch, im mehrjährigen betrieblichen Ablauf Reserven anzulegen. Hierzu gehören z. B. grosszügige Futtervorräte, genügende Treibstofflager oder günstige langfristige Kontrakte und zukünftig vermehrt auch Wasser in verschiedenen Speicherformen.
Die unbedingt notwendige Planung von Lüftungs- und Kühlungsmassnahmen im Stall sollte nicht im letzten Moment erfolgen, wenn das Thermometer schon mehr als 30 Grad Celsius anzeigt. Hierbei sollten Kälber und Galtkühe auch nicht vergessen gehen!
Schwere Arbeiten in der Früh
Arbeitswirtschaftliche Optimierungen können kurz-, mittel- und langfristig auch durch veränderte Formen der Arbeitserledigung erfolgen. Körperlich anstrengende Tätigkeiten (Klauenpflege, Kälber enthornen usw.) können frühmorgens, wenn es noch etwas kühler ist, eingeplant werden.
Kühlkleidung wie Kühlwesten, Schulterkühler, Kappen mit Kühlfunktion ist in der Industrie längst im Einsatz und kann auch im Gartenbau, im Forst und im Melkstand eingesetzt werden.
Siesta, um mehr zu leisten
Allgemeine Planungsarbeiten, Bürotätigkeiten und Betriebsführungsarbeiten sollten unbedingt mit einem «kühlen Kopf» erledigt werden. Wenn wir unter Stress stehen, sind die Ergebnisse unserer Arbeiten selten optimal.
Hier gilt es, genügend Pausen einzuplanen und evtl. auch einmal auf unsere südländischen Nachbarn zu schauen. Bei denen ist die Siesta weitverbreitet. Wir können es Powernap oder auch Mittagsschlaf nennen: Nach einer Erholungspause steigt unsere Leistungsbereitschaft auf jeden Fall wieder an.
Gewappnet in die Zukunft
Familiengeführte Landwirtschaftsbetriebe sind in der Schweiz normalerweise sehr widerstandsfähig gegenüber sämtlichen Widrigkeiten. Im Jahr 2026 sind wir aber an eine Grenze gestossen, mit der wir so bislang nicht gerechnet haben.
Damit müssen wir umgehen lernen. Eine behutsame und vorausschauende Planung kann dabei helfen, die Zeit zwischen Betrieb, Familie und sozialem Umfeld in Einklang zu bringen.

