Spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde deutlich, lokale Lebensmittel liegen im Trend und werden immer mehr nachgefragt. Gleichzeitig boomen Angebote für Ferien auf dem Bauernhof, wie die neuesten Buchungszahlen zeigen. Es lohnt sich also, erfinderisch zu sein und neben klassischen Produkten wie Geschenkkörben auch weitere Geschenkideen anzubieten und Besucher(innen) auf den Hof zu locken.
Mehr als eine Urkunde
Eine Möglichkeit sind Kuhpatenschaften, die sowohl an Kinder als auch an Erwachsene verschenkt werden können. Was eine Patenschaft beinhaltet, variiert von Hof zu Hof. So bieten sieben Alp-Betriebe auf der Plattform Kuhleasing.ch Jahres-Patenschaften für 380 Franken an. Die Paten(innen) erhalten dafür eine Urkunde, dürfen ihre Kuh auf der Alp besuchen und beim Melken und Käsen zuschauen. Ausserdem bekomme sie die Möglichkeit, vier Stunden freiwillig mitzuarbeiten, und werden mit Käse, Brot und Kaffee verpflegt. Darüber hinaus sind sie verpflichtet, mindestens 30 Kilogramm Alpkäse zu kaufen, und erhalten dafür einen Vorzugspreis von 17 Franken pro Kilogramm.
Gesicherter Käseabsatz
Christina und Erwin Zumbrunnen bestossen die Alp Schiltenegg Neuenberg in Boltigen seit bald 40 Jahren und sind bereits im siebten Jahr beim Kuh-Leasing dabei. Seit einem Jahr bieten sie unabhängig von der Plattform Patenschaften auf ihrer eigenen Website an. Die Kälber und Ziegen sind dabei vor allem für die Kinder gedacht. Auch eine «Lifetime-Patenschaft» für Kühe ist bei ihnen möglich. Aktuell sind fünf Monats-Patenschaften und zwei «Lifetime-Patenschaften» vergeben. Jetzt vor Weihnachten könnten aber noch einige hinzukommen. Sie entschlossen sich für diese Art der Vermarktung vor allem wegen des gesicherten Käseabsatzes und um die traditionelle Käseherstellung bekannter zu machen.
«Früher haben wir unseren Alpkäse an zwei Käsehändler verkauft. Leider hat einer von ihnen mittlerweile altershalber aufgehört. Daher brauchten wir neue Absatzwege für unseren Käse», erklärt Erwin Zumbrunnen auf Nachfrage. Ausserdem sei der Betrieb der Rellerlibergbahn eingestellt worden, die ihnen früher zahlreiche Wandergäste beschert habe. Durch die Patenschaften kämen nun neue Besucher(innen)zu ihnen, die meist zu Stammkunden(innen) würden und neben dem Alpkäse auch weitere Produkte des Betriebes kauften.
Alpidylle überzeugt
«Auf unserer Alp geht es noch sehr ursprünglich zu. Wir käsen über dem Feuer und nutzen den Strom der Solarpaneele nurfür die Beleuchtung», erzählt Christina Zumbrunnen. Das erfülle viele Sehnsüchte der Kuh-paten(innen). Die meisten nähmen lange Fahrtzeiten auf sich, um ihre Kühe auf der Alp zu besuchen, ein paar Stunden mitzuarbeiten und zu übernachten.

Lage entscheidend
So gut läuft es allerdings längst nicht auf allen Betrieben, die Kuhpatenschaften anbieten. Nadia und Werner Burri vom Demeter-Hof Hinter-Opfersei bei Willisau LU z. B. konnten bisher keine Interessenten für ihre Patenschaften gewinnen. Sie sind keine Mitglieder beim Kuhleasing, sondern bewerben ihre Patenschaften über die Website des Hofes und die sozialen Medien. Ihre Kühe leben in einem modernen Kompostlaufstall mit Melkroboter. «Unser Betrieb liegt ausserhalb des Dorfes, rund 45 Minuten von der Stadt entfernt, und die touristischen Angebote in der Gegend halten sich in Grenzen. Ausserdem haben wir keinen Hofladen und liefern unsere Milch direkt an Emmi», sagt Nadia Burri. Darin sieht sie die Gründe für die ausbleibenden Patenschaften. Umso wichtiger sei es, noch mehr Werbung zu machen. Das erfordert aber auch viel Zeit, die das Betriebsleiterpaar aktuell nicht hat.

Offen und kommunikativ sein
Neben einer guten Lage sollten Betriebe, die Kuhpatenschaften anbieten wollen, noch weitere Eigenschaften mitbringen. «Ein Muffel sollte das nicht machen», sagt Claudia Ulber. Wichtig sei es immer eine offene Stalltür zu haben und gerne Fragen zu beantworten, auch wenn es immer wieder die gleichen seien. Bei ihnen konnten so schon tolle Freundschaften mit den Paten(innen) entstehen, berichtet die Landwirtin. Sie und ihr Mann Daniel Ulber aus Lantsch/Lenz GR haben seit 2010 bereits 40 Patenschaften über ihre eigene Website und mithilfe von Flyern im Hofladen vermittelt.
«Nicht zu viel anbieten»
Ausserdem rät Claudia Ulber interessierten Betrieben, nicht zu viel anzubieten. «Anfangs habe ich auch noch für die Paten Mittagessen gekocht, mittlerweile mache ich das nicht mehr.» Sonst rechne es sich gar nicht. Bei ihr erhalten Paten(innen) für 300 Franken eine Urkunde und Besuchsrechte für ihre Kuh sowie einen Gutschein für den Hofladen über 250 Franken.
Über Landwirtschaft aufklären
«Ich will vor allem den Kindern erklären, woher die Milch kommt», betont Claudia Ulber. Aufzuklären und ehrliche Einblicke in die Landwirtschaft zu gewähren, sei ihr wichtiger als der finanzielle Aspekt. Sie sehe imdirekten Gespräch mit den Paten(innen) eine Chance, der nicht landwirtschaftlichen Bevölkerung viele Ängste zu nehmen. So könne sie z. B. ausführlich erklären, warum ihre Kälber enthornt werden. Gerade im Hinblick auf die kommende Abstimmung zur Massentierhaltungs-Initiative oder hinsichtlich des Wolfes böten die Patenschaften eine gute Möglichkeit, Verständnis in der Bevölkerung zu wecken.
Kuhleasing.ch
Über die Plattform Kuhleasing.ch können Alpbetriebe ihre Kuhpatenschaften bewerben und abwickeln lassen. Preise und Konditionen für die Patenschaften regelt Iris Wittwer-Wyler. Gegen eine Umsatzbeteiligung kümmert sie sich ausserdem um die Verträge und die Kommunikation mit den Kunden(innen). Das spart den Alpbetrieben Arbeit und Zeit. Ausserdem bietet die Plattform Käseabos an. Für 139 Franken erhalten Kunden(innen) während dreier aufeinanderfolgender Monate je ein Kilo Käse per Post zugestellt. Dieser kommt ebenfalls von den Alpbetrieben mit den Kuhpatenschaften.

