Blooming Belinda, Jessy-Joe Harfe und Calvin Cameron, mit diesen drei Braunviehkühen ist die Familie Gisler in den vergangenen zwei Jahren jeweils an die Urner Kantonale Grossviehschau gefahren. Das ist an und für sich nichts Spezielles. Aussergewöhnlich ist aber, dass alle drei Braunviehtiere an dieser hochkarätigen Viehausstellung in beiden Jahren ihre Abteilungen gewinnen konnten.

Dreimal Exzellent 94
Ein besonderer Erfolg war es auch, als heuer alle Tiere bei den ältesten Schöneuterkühen in den ersten vier Rängen standen, wobei Belinda sogar gewann. Entsprechend gross war die Freude bei Sarah und Urs Gisler und auch ihren Kindern Lynn, Janis und Sarina. Als dann Belinda noch zur Miss Uri gekürt wurde, flossen sogar Freudentränen. Die drei Siegerkühe haben noch weitere Gemeinsamkeiten: Alle drei sind mit Exzellent 94 beurteilt, weisen eine Höchstleistung von über 10'000 kg Milch auf und haben bisher nur weibliche Nachkommen, zusammen 15 Kälber, auf die Welt gebracht. Noch eindrücklicher macht die Ausstellungsbilanz der Familie Gisler der Umstand, dass in ihrem Stall meist nur um die acht Kühe stehen. Daneben kalben jährlich 20 bis 25 Rinder ab.
«Wir besamen fast alle Tiere gesext.»
Braunviehzüchter Urs Gisler
Gesexte Samendosen
«Wir besamen fast alle Tiere mit gesextem Samen. So erhalten wir mit unserer kleinen Kuhzahl dennoch genügend weibliche Kälber, um unsere Aufzuchtplätze zu besetzen», erklärt Betriebsleiter Urs Gisler. Die abgekalbten Rinder werden grossmehrheitlich in den ersten Wochen nach dem Kalben verkauft. Der Zucht- und Nutzviehverkauf ist ein wichtiger Betriebszweig, rund 20 Jungkühe werden jährlich vermarktet. Und zwar einerseits über Händler, anderseits an private Kunden. «Die Milchproduktion ist bei uns wirtschaftlich zu wenig interessant, um mehr Kühe zu melken», betont Züchter Gisler. Seine Milch liefert er mittels Tank in die rund 500 Meter entfernte ehemalige Sennerei in Hospental, wo diese dann vom Lastwagen ins Unterland weitertransportiert wird.
Belinda dominierte an der Urner Kantonalen Grossviehschau
Am Samstag, den 1. Oktober fand auf der Bärenmatte in Schattdorf Urner Kantonale Grossviehschau 2022 statt. Champion Kuh BS wurde Blooming Belinda von Urs Gisler, Andermatt. Die schönste Urner Original Braunviehkuh heisst Harlei Lotti und steht im Stall von Theo und Toni Kempf, Attinghausen.LesenÜber die Sommermonate werden keine Tiere gemolken. Die Kühe sind entweder trocken oder werden auf andere Betriebe verstellt. Der ganze Viehbestand verbringt den Sommer auf der Alp unterhalb des Winterhorns und wird dort von der Familie Gisler selber betreut. Da kein Vieh gemolken werden muss, können die Kontrollgänge gut vom Talbetrieb aus gemacht werden. «Wenn wir um fünf Uhr morgens loslaufen, sind wir, obwohl die Alpweiden bis auf 2200 m ü. M. gehen, mehrheitlich um zehn Uhr wieder im Tal», erklärt Urs Gisler. Neben dem eigenen Vieh werden auf der Korporations-Alp noch 30 fremde Tiere betreut. Bereits Ende Juli kalben die ersten Rinder ab und werden auf den Talbetrieb in Hospental genommen. «Durch diese frühen Abkalbungen können wir den Viehmarkt früh mit frischgekalbten Tieren bedienen, was meist zu besseren Preisen führt», begründet Urs Gisler seine Abkalbestrategie.
Betriebsspiegel Familie Gisler
Flächen: 42 ha LN, Futterbauwiesen BZ 4, (ein Drittel Biodiversitätsförderflächen); Alp mit 52 Normalstössen Tiere: 8 Milchkühe, 50 Stück Jungvieh, 13 Wagyu-Tiere Produkte: Milch an ZMP; Nutzvieh in Handel oder an private Kunden Arbeitskräfte: Familie Gisler und Onkel Hans Regli

Züchten, was Handel verlangt
Die Viehzucht ist bei den Gislers Familiensache. Anpaarungsentscheide werden zusammen gefällt. Als Zuchtziel bezeichnen sie funktionelle und euterstarke Kühe, entsprechend sieht auch die Genetikauswahl aus. Momentan hoch im Kurs sind die Optimis-Stiere Rocky, Clem, Adee und Owen. Schlussendlich müsse das Zuchtziel der Nachfrage des Handels entsprechen. Und da würden vermehrt Tiere verlangt, die im Melkroboter funktionierten. An nationalen Viehschauen sind die Tiere von Sarah und Urs Gisler eher selten anzutreffen.
Um da erfolgreich zu sein, müsse mittlerweile ein enormer Aufwand betrieben werden. Dazu sei im Winter der Tiertransport vom Urserental aus oftmals schwierig. An die Kantonalviehschau Uri nach Schattdorf wird die Familie Gisler mit ihren exklusiven Braunviehkühen aber auch zukünftig gehen. Obwohl allen bewusst sei, dass ein Erfolg wie im Jahr 2022 wohl schwierig zu wiederholen ist.

Wagyū-Tiere
Im Stall von Urs und Sarah Gisler stehen nicht nur schöne Braunviehtiere, sondern auch exklusive Rinder der japanischen Rasse Wagyū. „Auf der Speisekarte vom Restaurant Chedi in Andermatt habe ich im 2015 erstmals über diese Rasse gelesen“, erinnert sich Urs Gisler zurück. Er informierte sich sogleich über diese Tiere, die mit extrazartem und hochmarmoriertem Fleisch überzeugen. Kurz darauf stiess er auf ein Inserat, wo Wagyū Embryonen angeboten wurden. Nach einem ersten Kontakt mit dem Küchenchef des Chedi entschieden sich die Gislers, mit dieser Rasse zu arbeiten. Zwölf Wagyū-Tiere stehen aktuell im Stall, rund drei bis vier Stück jährlich können mit einem Schlachtgewicht von knapp 500 Kilogramm an das Gourmet-Restaurant geliefert werden. Die Rasse ist spätreif, geschlachtet werden die Tiere frühestens dreieinhalbjährig. Spätestens nach dem zweiten Kalben gehen auch die Kühe auf die Schlachtbank, ansonsten können die hohen Qualitätsansprüche nicht mehr erfüllt werden. Die Wagyū Kühe selber geben kaum Milch, die Kälber werden mit der Milch der Braunviehkühe getränkt. Bei der Reproduktion wird auch mit Embryotransfer gearbeitet. Die Embryonen tragen teilweise auch Braunviehrinder aus.


