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Am Anlass «Wölfe im Schafspelz» beschäftigen die Ängste der Tierhalter

Das Bernisch Bäuerliche Komitee informierte an einer Veranstaltung über «Wölfe im Schafspelz» und debattierte über Grossraubtiere und Tierschutzkontrollen – und was beides emotional bei den Tierhalter(innen) auslösen kann.

Die gute Nachricht verkündete Heinz Siegenthaler gleich zu Beginn der Veranstaltung: «Der Richtpreis Milch bleibt unverändert. Da müssen wir der Branche ein Kränzchen winden – insbesondere den SMP», betonte er. Zur Infoveranstaltung eingeladen hatte das Bernisch Bäuerliche Komitee (BBK) in die Linde Belp.

Nationalrat und Kantonstierarzt eingeladen

Als Referenten am Anlass «Wölfe im Schafspelz» waren SVP-Nationalrat Thomas Knutti und Kantonstierarzt Reto Wyss eingeladen. Sie informierten die Besucher über die Sorgenkinder der Tierhalter: die Situation beim Wolf und die Seuchenlage. Doch auch auf dem Milchmarkt sei die Kuh noch nicht vom Eis, betonte Heinz Siegenthaler, der den Anlass moderierte. So sei es wichtig, dass die Produktion sinke und man halt die eine oder andere Kuh schlachte: «Ich erwarte aber auch von den Grossverteilern, dass sie sich bei der Vermarktung einheimischer Milchprodukte mehr engagieren», betonte er.

Thomas Knutti: «Der Kanton müsste mehr Verantwortung übernehmen»

Thomas Knutti, Präsident der Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren vor Grossraubtieren im Kanton Bern, erklärte, wie es zum Rückzug seiner Initiative kam. Diese wollte eine stärkere Regulierung der Grossraubtiere im Kanton Bern. Schlussendlich habe man sich auf den Gegenvorschlag geeinigt, hinter dem auch die Gegner der Initiative stehen könnten.

Kleiner Wermutstropfen für Knutti: Luchs und Goldschakal sind darin explizit ausgeklammert. Dennoch werde der Kanton in Zukunft mehr Kompetenzen bei der Regulierung der Wölfe haben. Dabei zeigte sich Knutti aber nicht eben begeistert von den kantonalen Behörden: «Schon heute müsste der Kanton mit der neuen Rollenteilung beim Herdenschutz mehr Verantwortung beim Grossraubtiermanagement übernehmen.» Er stelle aber fest, dass die Kantone ihrer Rolle nicht gerecht würden. Knutti verwies dabei auch auf die Webseite der zuständigen Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion des Kantons Bern, die in Sachen Wolf völlig veraltet sei.

«Die Webseite unserer Direktion ist im Fall völlig aktuell», nahm der Kantonstierarzt Reto Wyss den Ball lachend auf. Bezüglich Seuchen herrsche an verschiedenen Fronten Alarmstimmung. Am Infoabend ging er insbesondere auf Lumpy Skin ein, die hochansteckende Seuche, die bei einem Ausbruch in der Schweiz verheerende Auswirkungen hätte.

Tierschutzkontrollen sind ein emotionales Thema

Im Weiteren beschrieb Reto Wyss das Vorgehen bei Tierschutzkontrollen. Das Amt für Veterinärwesen des Kantons Bern kontrolliere jährlich rund 2500 Betriebe auf die Einhaltung der Tierschutzgesetze. «Der grosse Teil der kontrollierten Betriebe hat dabei keine Beanstandungen», betonte Wyss. Er zeigte auch den Weg auf, den das Verfahren nimmt, wenn ein Betrieb die geltenden Gesetze nicht einhält. «Dann versuchen wir, mit möglichst minimalen Eingriffen die nötigen Massnahmen umzusetzen», betonte er.

Dies deckte sich nicht in jedem Fall mit der Wahrnehmung der Zuhörer im Saal. Sie betonten vielfach auch die emotionale Belastung für den Tierhalter, die eine Kontrolle mit sich bringt. Reto Wyss zeigte dafür grosses Verständnis und betonte, ihm persönlich sei bei den Kontrolleuren die menschliche Komponente sehr wichtig. Selbstverständlich führe das Veterinäramt nicht nur einfache Routinekontrollen durch, sondern müsse auch bei schwierigeren Betrieben auf eine Einhaltung der Tierschutzgesetze beharren.

650 Meldungen pro Jahr betreffen die Landwirtschaft

Rund 150 risikobehaftete Betriebe im Kanton Bern werden laut Wyss vom Veterinäramt intensiver beobachtet. Hinzu kommen zahlreiche Meldungen aus der Bevölkerung, denen nachgegangen wird. Betreffend Landwirtschaft seien dies rund 650 Meldungen pro Jahr, so Reto Wyss. «Bei vielen sieht man schon aufgrund der Bilder oder nach einem Telefonat mit dem Tierbesitzer, dass da nichts ist. Jetzt kommen dann wieder Meldungen wegen ‹frierender Schafe›.» Fast gleich viele, nämlich 648 Meldungen, gingen im vergangenen Jahr wegen Heimtieren ein. Als letztes Mittel werden bei unbelehrbaren Tierhaltern Verbote ausgesprochen: Derzeit haben im Kanton 49 Personen ein vollständiges und 31 ein teilweises Tierhalteverbot.