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Trutenproduktion in der Schweiz: Wirtschaftlichkeit und Vermarktungschancen

Über 80 Prozent des in der Schweiz verkaufsfertigen Trutenfleischs wird importiert. Unter welchen Bedingungen kann sich die Produktion lohnen? Wie wird Schweizer Trutenfleisch aktuell vermarktet und besteht noch Wachstumspotenzial?

Kurz & bündig

- Grosse Vorteile der Trutenproduktion sind für Landwirt Peter Röthlisberger das regelmässige Einkommen und die Erträge, welche über die Jahre konstant geblieben sind. - Der Grossteil des Schweizer Trutenfleischs wird im Rahmen der Vertragsproduktion produziert. Die Frifag Märwil AG sucht aktuell noch Produzenten für die Trutenproduktion. - Die preisliche Differenz von Schweizer Trutenfleisch zu importiertem Trutenfleisch ist sehr gross.

«Truten sind cool. An der Trutenproduktion begeistert mich das Tier als solches, das sehr neugierig und interessiert ist», sagt Peter Röthlisberger, Landwirt aus Siselen BE.

Auf seinem Betrieb hält er auf einer Produktionsfläche von 400 m2 Masttruten. Die maximale Besatzdichte beträgt 36,5 kg pro m2. Aktuell sind rund 1700 Tiere eingestallt, eingeteilt in zwei Gruppen. Die männlichen und weiblichen Tiere werden getrennt gehalten. Die weiblichen Tiere werden früher ausgestallt, da sie früher schlachtreif sind, und so soll die Besatzdichte nicht überschritten werden.

Peter Röthlisberger erhält die Tiere als Küken und führt neben der Ausmast auch die Aufzucht auf seinem Betrieb durch. Ausgestallt werden die Tiere in der 16. bis 18. Alterswoche. Die Tiere werden nach den Richtlinien von Suisse Garantie, BTS und RAUS gehalten.

Seit dem Jahr 1990 ist die Trutenmast ein wichtiger Betriebszweig, welcher damals durch die Eltern von Pia Röthlisberger (Peter Röthlisbergers Frau) aufgebaut wurde. «Für uns war klar, dass wir diesen Betriebszweig auch nach der Übernahme des Betriebs weiterführen wollen», sagt Peter Röthlisberger. Die Halle und Produktionsfläche bestehen bis heute.

Der Grossteil des Schweizer Trutenfleischs wird im Rahmen der Vertragsproduktion produziert. Der Betrieb der Familie Röthlisberger arbeitet mit der Frifag Märwil AG zusammen, welche 95 % des Schweizer Trutenfleischs produziert.

Die Truten werden nach den Richtlinien von Suisse Garantie, BTS und RAUS gehalten.
Die Truten werden nach den Richtlinien von Suisse Garantie, BTS und RAUS gehalten.

Gut planbarer Arbeitsaufwand und regelmässiges Einkommen

Ein grosser Vorteil der Trutenproduktion ist für Peter Röthlisberger das regelmässige Einkommen. «Durch die Vertragsproduktion ist die Wirtschaftlichkeit relativ konstant. Die Erträge sind sehr konstant geblieben», betont Röthlisberger. Auch variable Preise wie zum Beispiel die Futter- und Energiekosten würden die Produktion weniger tangieren, da sie in den Kalkulationen durch den Abnehmer berücksichtigt werden.

Peter Röthlisberger erhält die Tiere als Küken und führt neben der Ausmast auch die Aufzucht selber durch.
Peter Röthlisberger erhält die Tiere als Küken und führt neben der Ausmast auch die Aufzucht selber durch.

Ein weiterer Vorteil sieht der Landwirt bei der Anzahl der Umtriebe, welche auf dem Betrieb jährlich bei ca. 2,5 liegen. Dass die Reinigung und Desinfektion nur 2,5-mal statt wie in der Mastpouletproduktion ca. 7-mal stattfindet, sieht er als Vorteil.

Weniger Umtriebe können in bestimmten Fällen aber auch ein Nachteil der Trutenproduktion sein. «Wenn es zu Beginn einer Serie zum Beispiel krankheitsbedingt Abgänge gibt, kann das zu grösseren finanziellen Einbussen führen», erklärt Röthlisberger. Bis jetzt habe er aber Glück gehabt und musste in den letzten Jahren diesbezüglich auch keine Medikamente einsetzen.

Peter Röthlisberger spricht auch generelle Managementpunkte an, welche massgeblich zur Wirtschaftlichkeit beitragen können. «Ich versuche zum Beispiel, mit einer guten Futterverwertung zu produzieren, was wiederum zu Zuschlägen in der Abrechnung führt», sagt der Landwirt. Auch was die Arbeitszeit angeht, kann der tägliche Aufwand mithilfe verschiedener Mittel reduziert werden. «Die Umstellung von Rinnen- auf Nippeltränken führte zum Beispiel zu einer Arbeitsreduktion von täglich 15 Minuten», zeigt Röthlisberger auf.

Insgesamt liegt der tägliche Arbeitsaufwand für die Truten bei 15 bis 20 Minuten für die Kontrollgänge. Dazu kommen ausserordentliche Arbeiten wie zum Beispiel das Einstreuen. Zu Beginn, wenn die Küken kommen und bis die Fütterung automatisiert ist, liegt der tägliche Arbeitsaufwand bei rund einer Stunde.

Ein weiterer relevanter Punkt sei zudem die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung, welche zum Beispiel eine bessere Tierüberwachung oder Steuerung des Stallklimas ermöglichen.

An der Trutenproduktion begeistert Landwirt Peter Röthlisberger das Tier als solches, das sehr neugierig und interessiert ist.
An der Trutenproduktion begeistert Landwirt Peter Röthlisberger das Tier als solches, das sehr neugierig und interessiert ist.

Betriebsspiegel der Familie Röthlisberger

Peter, Pia und Nicola Röthlisberger, Siselen BE LN: 28 ha Kulturen: Mais, Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Kartoffeln, Zwiebeln, Naturwiesen Tierbestand: 1700 Masttruten (400 m2 Produktionsfläche), 110 Mastmunis Weitere Betriebszweige: Lohnarbeiten (Kartoffelnsetzen) Arbeitskräfte: Peter und Pia Röthlisberger, Sohn Nicola Röthlisberger, Aushilfen im Stundenlohn

Wachstum ist beschränkt, Direktvermarktung als Chance

«Frisches Schweizer Trutenfleisch wird zu einem grossen Teil im Detailhandel (Migros, Spar, Metzgereien und im Gastrohandel) verkauft. Es werden auch verarbeitete Schweizer Trutenprodukte (vor allem Charcuterieartikel) in Metzgereien, im Detailhandel und im Discount-Kanal verkauft», sagt Andi Schmal, Geschäftsleiter der Frifag Märwil AG.

Im Jahr 2024 lag das produzierte Schlachtgewicht von Schweizer Truten bei 2145 Tonnen (+1,8 % im Vergleich zu 2023). Das bedeutet einen Anteil von 1,9 % an der Inlandproduktion von Geflügel (Schlachtgewicht) sowie einen Anteil von 5,3 % des schweizerischen Geflügelkonsums (verkaufsfertiges Fleisch). Der Inlandanteil von Trutenfleisch lag 2024 bei 18,8 %.

Trutenfleisch würde laut Andi Schmal mit Sicherheit eine Nische bleiben, da die Produktion in der Schweiz nach RAUS-Richtlinien sehr aufwendig sei und im vorhandenen Kostenumfeld nicht günstig sein könne. Deshalb sei es wichtig, das Schweizer Trutenfleisch in den Kanälen, die bereit sind, realistische Preise zu zahlen, anzubieten.

«Wachstum ist nur sehr beschränkt möglich. Entscheiden kann wie überall der Konsument. Fragt er vermehrt Schweizer Trutenfleisch nach und ist bereit, den realistischen Preis zu bezahlen, so wird auch mehr Schweizer Trutenfleisch in den Läden angeboten werden», verdeutlicht Andi Schmal.

Die Frifag Märwil AG würde aktuell noch Produzenten für die Truten- und Pouletproduktion suchen.

Als weitere Vermarktungsmöglichkeit sieht Peter Röthlisberger die Direktvermarktung. «Ich denke, da ist durchaus noch Potenzial und Wertschöpfung vorhanden», so der Landwirt.

Auch er wurde aufgrund von mehreren Anfragen schon darauf aufmerksam gemacht, Trutenfleisch selber direkt zu vermarkten. «Aufgrund der Lage unseres Betriebs und des Arbeitsaufwands kommt das für uns aktuell aber nicht in Frage», erklärt Röthlisberger.

Dass Truten eher exotische Tiere seien und die Freude am Tier selbst fehle, seien vermutlich auch Gründe dafür, weshalb sich nicht mehr LandwirtInnen für die Produktion interessieren würden, merkt Peter Röthlisberger an.

Trutenfleisch direkt vermarkten

Franziska und Peter Linder aus Büren an der Aare BE vermarkten Trutenfleisch direkt. Vor zehn Jahren haben sie eine Trutenmasthalle für 2500 Tiere gebaut. Sie produzieren für die Frifag Märwil AG und vermarkten einen Teil des Fleischs selber. Bereits vor dem Bau der Trutenmasthalle wurden 30 Truten für die Direktvermarktung gehalten. [IMG 4] Franziska Linder kann für jeden neuen Umtrieb angeben, wie viele Truten für die Direktvermarktung benötigt werden. Die Kundschaft kann auf bestimmte Abholdaten im Vorhinein Mischpakete bestellen. Diese sind ab 5,5 kg erhältlich, was auch die am meisten nachgefragte Grösse sei. Zu Weihnachten sind zudem ganze Truten erhältlich. Die Nachfrage nach dem Trutenfleisch variiert je nach Jahreszeit. Linders konnten bei gewissen Umtrieben schon bis zu 100 Truten direkt vermarkten. Aktiv Werbung machen sie nicht. Die Kunden sind mehrheitlich Stammkunden, welche jeweils neue Kunden auf Linders Trutenfleisch aufmerksam machen. Die Lage des Betriebes am Veloweg ist zudem ein grosser Vorteil. Neben dem Verkauf des Fleischs sieht Franziska Linder die direkte Kommunikation mit der Kundschaft als Vorteil der Direktvermarktung, wodurch über die Trutenhaltung und generelle Themen der Landwirtschaft aufgeklärt werden kann.

Preisdifferenz zu Importprodukten ist sehr gross

«Preislich ist die Differenz zu Importprodukten sehr gross, auch weil die Schweizer Haltung nach RAUS-Richtlinien stattfindet. Deshalb ist das Schweizer Trutenfleisch in jedem Bereich eine Nische», erklärt Andi Schmal. Seien die Preise zu hoch, so würde sehr schnell auf Importprodukte umgestellt werden – und zwar beim Frischfleisch wie auch bei den Convenience-Produkten.

Trutenproduktion in der Schweiz: Wirtschaftlichkeit und Vermarktungschancen

«Preislich ist die Differenz zu Importprodukten sehr gross.»

Andi Schmal, Frifag Märwil AG

Imposante Hühnervögel

Truten waren ursprünglich Waldbewohner. Vor rund 530 Jahren wurden sie nach der Entdeckung Amerikas nach Europa gebracht. Wer mehr über die Domestizierung, das Verhalten und die Zucht von Truten erfahren möchte, kann sich im Artikel der «Tierwelt» informieren.