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Sternegucken bei Kälbern: Ursachen, Symptome und Prävention

Thiaminmangel kann bei Kälbern zu einer Schwellung der Grosshirnrinde führen und das «Sternegucken» auslösen. Bei einer Erkrankung zählt jede Minute, denn es können irreversible Schäden entstehen.

Kurz & bündig

-Häufigste Ursache für die Sternguckerkrankheit ist ein Thiaminmangel (Vitamin B1), welcher anfänglich zu einer Schwellung und später zum Absterben von Teilen der Grosshirnrinde führt. - Thiamin wird durch die Pansenmikroben gebildet. Kälber können noch kein Thiamin herstellen und müssen dieses mit der Milch aufnehmen. - Zeigt das Kalb Symptome der Sternguckerkrankheit, ist eine schnelle Therapie wichtig, um Langzeitschäden zu vermeiden.

Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen Milchviehbetrieb mit eigener Kälberaufzucht und -mast. Bereits bei zwei Kälbern im Alter von etwa zwei Monaten konnte das sogenannte «Sternegucken» beobachtet werden.

Das erste Kalb verstarb nach wenigen Stunden. Beim zweiten Kalb war der Landwirt alarmiert und verständigte sofort den Tierarzt. Wenige Stunden nach der Behandlung ging es dem Kalb besser. Schön und gut, meinte der Landwirt, aber er wollte nun wissen, um welche Erkrankung es sich handelt und was er tun kann, um in Zukunft solche Fälle zu vermeiden.

Was steckt hinter dem Sternegucken?

Das sogenannte Sternegucken, im medizinischen Sprachgebrauch Opisthotonus genannt, bedeutet eine abnormale Krümmung des Halses und Rückens nach hinten durch eine übermässige Anspannung der Muskulatur.

Am häufigsten zeigen Tiere Sternegucken aufgrund einer Schwellung der Grosshirnrinde. Im weiteren Verlauf kann es durch den erhöhten Hirndruck zum Absterben von Teilen der Grosshirnrinde kommen. Diese Erkrankung wird als Sternguckerkrankheit oder in Fachsprache Cerebrocortikalnekrose (CCN) bezeichnet.

Weitere Symptome sind Blindheit, Inkoordination und im Spätstadium Festliegen. Besonders häufig ist die Erkrankung bei kleinen Wiederkäuern anzutreffen, aber auch bei Kälbern kommt es immer mal wieder zu Fällen.

Was sind die Ursachenfür das Sternegucken?

Häufigste Ursache für die Sternguckerkrankheit ist ein Thiaminmangel (Vitamin B1). Bei Thiamin handelt es sich um ein Vitamin, welches beim Wiederkäuer im Pansen von den Pansenmikroben hergestellt wird. Die Produktion deckt den Tagesbedarf. Überschüssiges Thiamin kann nicht gespeichert werden.

Für die tägliche Produktion ist das Rind auf eine funktionierende Pansenflora angewiesen. Bei einer Verdauungsstörung kann es deshalb schnell zu einem Thiaminmangel kommen. Zudem ist es möglich, dass das Thiamin im Pansen durch sogenannte Thiaminasen (unter anderem im Adlerfarn enthalten) zerstört wird und so ein Mangel entsteht.

Bei jungen Kälbern ohne funktionierende Pansenflora wird noch kein Thiamin im Pansen hergestellt. Das Vitamin muss über die Milch aufgenommen werden. Kuhmilch enthält genügend Thiamin, ein Mangel ist jedoch bei der Verfütterung von fehlerhaft zusammengesetztem Milchaustauscher möglich.

Zudem wird vermutet, dass durch das schnelle Wachstum bei Mastkälbern ein erhöhter Thiaminbedarf besteht und es so zu einem Mangel kommen kann. Sobald die Kälber vermehrt Raufutter aufnehmen, beginnen die Pansenmikroben mit der Produktion von Thiamin. Besonders problematisch ist der Zeitraum, in welchem Masttiere auf strukturarme Mastrationen umgestellt werden. Aufgrund der gestörten Pansenflora wird weniger Thiamin produziert und die Tiere erkranken.

Neben Thiaminmangel können auch eine Blei-, Kochsalz- oder Schwefelwasserstoffvergiftung zu einer Hirnrindenschwellung führen und müssen deshalb als Ursachen in Betracht gezogen werden. Eine Bleivergiftung ist durch die Aufnahme von bleihaltigen Farben oder das Weiden in der Nähe von Schiessplätzen möglich.

Bei Wasserentzug oder übermässigem Drenchen von Elektrolyttränken kann es zu einer Kochsalzvergiftung kommen.

Eine Schwefelwasserstoffvergiftung entsteht durch die Verfütterung von Futtermitteln oder Wasser mit erhöhtem Schwefel- oder Sulfatgehalt oder das Einatmen von übermässigem Güllegas (sogenannte Güllegasvergiftung).

Die verschiedenen Ursachen können anhand der Symptome und einfachen Untersuchungsmethoden nicht unterschieden werden. Verdacht auf die Ursache besteht oft aufgrund der Vorgeschichte. Bei einem Bestandesproblem ohne ersichtliche Ursache können Spezialuntersuchungen weiterhelfen.

Für einen gesunden Pansen ist die Aufnahme von qualitativ hochwertigem Heu wichtig. Denn Thiamin wird von den Pansenmikroben gebildet.
Für einen gesunden Pansen ist die Aufnahme von qualitativ hochwertigem Heu wichtig. Denn Thiamin wird von den Pansenmikroben gebildet.

Wie kann die Sternguckerkrankheit verhindert werden?

Absolut zentral für die Thiaminbildung im Pansen ist eine funktionierende Pansenflora. Diese ist auf die Aufnahme von ausreichend strukturreichem Raufutter angewiesen. Bereits ab dem ersten Lebenstag ist es deshalb wichtig, dem Kalb frisches Heu anzubieten, damit dieses frühzeitig mit der Raufutteraufnahme beginnt.

Die Umstellung auf stärkereiche Mastrationen muss möglichst schonend und schrittweise erfolgen. Auch Mastkälbern und -rindern sollte zu jedem Zeitpunkt Heu angeboten werden.

Bei einer Verdauungsstörung ist es wichtig, Thiamin zu verabreichen, da die Pansenflora nicht in der Lage ist, dieses zu produzieren. Ein einfaches Hausmittel, welches Thiamin enthält und in solchen Fällen zugefüttert werden kann, ist Backhefe. So wird die Sternguckerkrankheit als Folgekrankheit verhindert.

Mastkälber und -rinder brauchen zu jedem Zeitpunkt Heu, damit die Pansenmikroben Thiamin bilden können.
Mastkälber und -rinder brauchen zu jedem Zeitpunkt Heu, damit die Pansenmikroben Thiamin bilden können.

Und was, wenn doch ein Kalb erkrankt?

Erkrankt ein Kalb an der Sternguckerkrankheit, zählt jede Minute. Je länger gewartet wird, desto mehr Teile der Grosshirnrinde können durch den erhöhten Hirndruck zerstört werden und es kann zu irreversiblen Schäden kommen. Beim Vorliegen eines Thiaminmangels führt die hochdosierte Gabe von Thiamin innert Stunden zu einer Besserung. Zusätzlich kann der Tierarzt durch verschiedene Medikamente den Hirndruck senken. Eine Blindheit bleibt oft länger bestehen, diese kann jedoch nach mehreren Wochen ausheilen. Die Gabe von Pansensaft hilft bei älteren Tieren, Pansenmikroben zu übertragen und so die Thiaminbildung anzukurbeln.

Spricht der Patient nicht auf die Behandlung mit Thiamin an, so müssen andere Ursachen in Betracht gezogen werden. Diese sind oft nur schwer behandelbar. Auch kann es sein, dass die Grosshirnrinde bereits zu stark geschädigt ist und deshalb eine Genesung nicht mehr möglich ist. Bei ausbleibender Besserung sollte das Tier erlöst werden.

Vitamine und Spurenelemente

- Verschiedene Vitamine und Spurenelemente sind für das Rind essenziell. - Bei einem Mangel sind Erkrankungen und Leistungseinbussen möglich. - Gängige Futtermittel in der Schweiz enthalten zu wenig Kupfer, Zink, Kobalt und Selen. Es ist deshalb wichtig, diese Spurenelemente durch ein qualitativ hochwertiges Mineralfuttermittel zuzufüttern. - Bei Tieren mit voll entwickeltem Vormagensystem werden die wasserlöslichen Vitamine von den Pansenmikroben gebildet. Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K müssen über das Grundfutter oder Futtermittelzusätze aufgenommen werden.