Kurz & bündig
- Wendelin Amstad ersetzte seinen alten Anbindestall in Sirnach TG durch einen modernen Laufstall. - Der neue Standort bietet Weidezugang und erfüllt Umweltauflagen. - Fachleute planen heute mit 3D-Tools für optimale Abläufe und Stallklima. - Die T-Form mit separatem Heulager verbessert Luft und Flexibilität. - Ein Schiebedach bringt Licht, Luft und mehr Tierwohl.
Für Wendelin Amstad und seine Frau Raffaela aus Sirnach TG stand das Wohl ihrer Tiere schon immer im Mittelpunkt. Auch im alten Anbindestall legten sie Wert auf Komfort und liessen die Kühe regelmässig in den Laufhof. Obschon es die Tiere gut hatten, hatte diese Haltung ihre Grenzen. «Der Arbeitsaufwand war enorm hoch», erinnert sich Amstad. Jeder Handgriff musste einzeln erledigt werden, von Automation wie im heutigen Stall konnte keine Rede sein.
Schon länger spielte er deshalb mit dem Gedanken, auf einen Laufstall umzustellen. Zu Beginn war eine zusätzliche Liegehalle zum bestehenden Gebäude angedacht. Doch die Nähe zur Wohnzone liess solche Pläne nicht zu. Auch Umbauten im bestehenden Stall wären nicht bewilligt worden. Damit war klar: Wollte die Familie Amstad zukunftsfähig bleiben, musste ein neuer Standort gefunden werden. «Mit der alten Stallung und nur 30 Kühen hätten wir keine Perspektive gehabt», sagt Wendelin Amstad.
Ein geeigneter Platz für den neuen Stall
Die Wahl des Standorts war entscheidend. 2022 konnte der Neubau auf der gegenüberliegenden Seite des Hofareals in Betrieb genommen werden. Der Standort ist ideal und grenzt direkt an die Weideflächen, sodass die Kühe geweidet werden können.
Ganz ohne Hürden war die Standortsuche jedoch nicht. Zwar lag dort keine Wohnzone, dafür gibt es eine Angrenzung zu heiklen Ökosystemen. Um diese vor Ammoniakemissionen zu schützen, mussten auch hier Abstandsregeln berücksichtigt werden. Das erforderte zwar zusätzliche Abklärungen und präzise Planung, doch der neue Standort verbindet nun den Weidezugang und erfüllt das Tierwohl und die Umweltauflagen.

Klare Ziele, was der Neubau leisten soll
Schon vor Beginn der Planungsphase hatte Wendelin Amstad ein klares Bild davon, wie der neue Stall aussehen sollte:
- Platz für 55 Milchkühe
- Direkter Weideanschluss
- Viel Licht und frische Luft
- Rationelle, kurze Arbeitswege
- Flexible Erweiterbarkeit
Ein weiteres wichtiges Thema war das Heulager. Amstad produziert silofreie Käsereimilch für die Tilsiter-Produktion und braucht deshalb einen grossen Heulagerraum. Zunächst dachte er daran, den frei werdenden alten Stall zum Heulager umzubauen. Doch schon bald zeigte sich, dass die notwendigen Umbauten kostspielig und wenig praktikabel wären. Zudem hätten sich die Arbeitswege verlängert. So entschied er sich, das Heulager gleich im Neubau zu integrieren.
Zusammenarbeit mit Fachleuten ist wichtig
Für die Umsetzung wandte sich die Familie Amstad an die Moser Stalleinrichtungen AG in Amriswil. «Ohne erfahrenen Stallbauplaner wäre ein Projekt in dieser Grössenordnung schlicht nicht machbar», betont Wendelin Amstad. Behördenauflagen, Bauvorschriften und technische Details erfordern Fachwissen, das ein Landwirt allein kaum überblicken kann.
Gemeinsam mit Planer Thomas Moser spielte Wendelin Amstad die künftigen Arbeitsabläufe im Stall Schritt für Schritt durch. «Uns war wichtig, dass keine unnötigen Wege entstehen. Ein vergessener Durchgang oder eine unpraktische Anordnung, bei der man um das halbe Gebäude laufen muss, kann später viel Ärger und Kosten bei einer Korrektur der Fehler verursachen», erklärt Moser.
Heute visualisiert die Moser Stalleinrichtungen AG Neubauten häufig mithilfe von 3D-Modellen. So lassen sich nicht nur Laufwege und Arbeitsprozesse simulieren, sondern auch Aspekte wie Schattenwurf oder Luftführung. «Wir zeigen damit schon vor dem Bau, wie sich beispielsweise die Dachanordnung im Sommer oder Winter auf das Stallklima auswirkt oder wie sich der Tierverkehr im Bereich um den Melkroboter verhält», erklärt Thomas Moser. Diese digitale Planung senkt das Risiko von Fehlentscheidungen und spart später teure Korrekturen.

T-förmige Bauweise mit drei Bereichen
Das neue Stallgebäude fällt durch seine T-Form auf. Es umfasst drei Hauptbereiche:
- Liege- und Fressbereich: Hier stehen den Kühen komfortable Tiefboxen und ein grosszügiger Fressbereich zur Verfügung.
- Technischer Bereich: mit Melkstand, Separation für Galtkühe, Abkalbebuchten sowie einem Behandlungsstand. An der Aussenseite schliesst ein separater Kälberstall an. Der technische Bereich ist mit einem Zwischenboden überdeckt. Dort wird zum Beispiel das Stroh gelagert.
- Heulager: mit einem Fassungsvermögen von 3500 Kubikmetern. Bei Bedarf kann das Heu mit einer Entfeuchtungsanlage nachgetrocknet werden. Um genügend Volumen zu schaffen, wurde der Lagerraum zwei Meter in den Boden eingelassen. Der Ablad erfolgt über eine Rampe von aussen direkt in den Heuraum, wo das Heu mit dem Kran weiter verteilt wird.
Interessant ist die Position des Heuraums. Üblicherweise wird er entlang des Futtertenns angelegt, damit der Ablad im Futtertenn erfolgt. Wendelin Amstad entschied sich bewusst dagegen: «Ich wollte das Heulager nicht unter demselben Dach wie die Kühe. So bleibt die Luft im Tierbereich frischer.» Gleichzeitig bietet die gewählte Anordnung den Vorteil, dass im Stall eine Längs- und Querlüftung möglich ist. Die Luft strömt nicht nur entlang der Futterachse, sondern auch quer dazu.
Darüber hinaus erlaubt die T-Form, jeden Bereich unabhängig nach aussen zu erweitern. Damit bleibt der Stall flexibel für künftige Entwicklungen.

Ein Schiebedach für Licht und Luft
Eines der auffälligsten Merkmale ist das Schiebedach. Über fünf Binderfelder lässt es sich elektrisch öffnen und schliessen. Wendelin Amstad entwickelte das System selbst. «Im offenen Zustand fühlt man sich fast wie in einem Wintergarten oder, noch besser, wie in den Ferien», erklärt er nicht ohne Stolz.
Meist bleibt das Dach geöffnet, wodurch der Stall als unbedeckter Auslauf gilt. «Im Winter schliesse ich es manchmal nachts, aber sobald die Sonne aufgeht, öffne ich es wieder», sagt Amstad. Da die Position des Dachs als Auslauf dokumentiert werden muss, führt er ein Protokoll.
Die Kühe nutzen den offenen Bereich sehr gerne. «Wenn sie nicht gerade auf der Weide oder beim Liegen sind, halten sie sich lieber im Stall mit offenem Dach auf als im separaten Auslauf», berichtet der Landwirt.
Gute Planung ist der Schlüssel zum Erfolg
Für Amstad ist klar: «Einen solchen Stall baut man nur einmal im Leben. Deshalb sollte man von Anfang an mit einem Stallplaner arbeiten.» Der Landwirt weiss heute, dass eine klare Linie von Beginn an viel Zeit spart.
Auch Thomas Moser unterstreicht diesen Punkt: «Ein Stall muss von innen nach aussen geplant werden. Nur so lassen sich Arbeitsprozesse optimieren und gesetzliche Abmessungen sicherstellen. Bei Neubauten darf man keine halben Lösungen machen.»
Besonders wichtig ist, alle Details bereits bei der Baueingabe festzulegen. Änderungen während des Baus führen fast immer zu Verzögerungen und Mehrkosten. «Es ist günstiger, auf dem Plan eine Wand zu verschieben oder eine Einrichtung anders zu platzieren, als später am Gebäude nachzubessern», betont Moser.
Neben Bau- und Einrichtungstechnik gehören auch Konzepte zu Emissionen, Abstandsregelungen und Minderungsmassnahmen zur Planung. Für Amstad war die Zusammenarbeit mit Fachleuten entscheidend, um all diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen. «Der Stall ist für mich perfekt gelungen. Ich bin stolz darauf und vor allem froh, dass sich auch die Kühe darin wohlfühlen.»
Dank der T-förmigen Anordnung des Gebäudes ist der Tierbereich mit Liegeboxen und Fressachse mit viel Frischluft und Licht durchflutet. Besonders dienlich ist dazu auch das Schiebedach. Hinten links befindet sich der Heulagerraum.
Betriebsspiegel der Familie Amstad
Wendelin und Raffaela Amstad, Sirnach TG LN: 26 Hektaren Kulturen: 2,5 Hektaren Mais für Grünfütterung und Trocknung, Rest Grasland Tierbestand: 50 Milchkühe (Brown Swiss), Jungtiere Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar, Familie

