Die Berner Landfrauen fühlen sich vom Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) zu wenig vertreten. Ein Grossteil der sichtbaren Arbeit des SBLV ziele auf Bäuerinnen ab. Diese Kritik wurde an der Präsidentinnenkonferenz des Verbands Bernischer Landfrauenvereine (VBL) mehrfach geäussert.
Die Frage, was der SBLV für seine Basis – die Landfrauen und Bäuerinnen – tut, sowie Austrittsgedanken werden in Berner Landfrauen- und Bäuerinnenvereinen seit geraumer Zeit hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Die Diskussion wurde nun breiter geführt.
Gemeinsam gingen die Präsidentinnen unter der Moderation von Anwalt Simon Holzer unter anderem der Frage nach, was mögliche Konsequenzen eines Austritts des VBL aus dem SBLV sein könnten. Angestossen hatte das Thema der Landfrauenverein Wynigen-Rumendingen mit einem entsprechenden Antrag an der letzten DV. Der Antrag lautete: «Der Vorstand der Landfrauen Wynigen-Rumendingen beantragt die Prüfung der Konsequenzen für die Berner Landfrauen im Falle eines geschlossenen Austritts des VBL aus dem SBLV. Wir erwarten den entsprechenden Bericht an der nächsten Präsidentinnenkonferenz (PK).»
Diskussion rüttelt auf
Das Ziel der Diskussion sei, einen Überblick zu bekommen und den Vereinen die Möglichkeit zum Austausch zu bieten, erklärte Co-Präsidentin Christa Krähenbühl. «Der Antrag hat viel ausgelöst und schweizweit aufgerüttelt», erklärte sie. Die zweite Co-Präsidentin Ursula Brönnimann betonte ebenfalls, dass der Antrag viel bewegt habe, die Diskussion aber wertvoll sei. Der Moderator machte zu Beginn deutlich, dass es an diesem Abend lediglich um Konsequenzen gehe und nicht um die Diskussion eines möglichen Austritts des VBL aus dem SBLV.

Zunächst wurden in Gruppen vier Fragen besprochen. Jeweils die zwei wichtigsten Antworten pro Gruppe wurden im Anschluss dem Plenum vorgestellt. Die zu diskutierenden Fragen lauteten:
- Was hat dieser Antrag bei euch im Verein ausgelöst?
- Was leistet der SBLV und worin liegt der Nutzen für mich und für unseren Verein?
- Welche negativen/unerwünschten Konsequenzen könnte ein Austritt aus dem SBLV haben?
- Welche Leistungen wünschen wir uns vom SBLV?
Bei der Besprechung wurden sowohl positive als auch negative Ansichten zur Arbeit des SBLV sowie Wünsche klar geäussert. Nachfolgend ein Auszug aus den Meinungen: Positiv sehen einige Präsidentinnen, dass der SBLV die Frauen in der ganzen Schweiz in politischer Hinsicht vertrete. Er behält den Gesamtüberblick auf nationaler Ebene, nimmt mögliche künftige Themen früh auf und hat ein grosses Netzwerk. Damit kann sich der Verband, gerade in der Politik, Gehör verschaffen. Dieses Netzwerk sei «brutal wichtig», wurde von jemandem betont.
Die Angst besteht bei einigen darüber, wer die wichtige politische Arbeit bei einem Austritt übernehmen würde. Unsicherheit besteht ebenfalls darüber, was ein möglicher Austritt für Konsequenzen für die Bildung Bäuerin im Kanton Bern haben könnte. Dieser Frage wird der Vorstand noch eingehender nachgehen, wurde versprochen.

Landfrauen benachteiligt
Der SBLV, der durch Vorstandsmitglied Gabi Schürch vertreten war, musste sich aber auch Kritik anhören. Mehrfach wurde betont, dass eine zu grosse Distanz zum Dachverband bestehe. Es sei für die Basis nicht sichtbar und greifbar, was der SBLV alles leistet. «Wir, die Basis, stehen nicht unter dem Dach, sondern neben dem Dach», bemängelte jemand. Und jemand sagte: «Wir wünschen uns mehr Transparenz, was der SBLV alles macht. Was er bewirkt, kommt nicht bis zu uns. Denn ich bin nicht die, die ständig auf der Website des SBLV nachschaut.»
Mehrfach wurde genannt, dass sich besonders die Landfrauen zu wenig unterstützt fühlen. Sie kämen nur im Logo vor. Für die Bäuerinnen setzt sich der SBLV stark ein, jedoch zu wenig für alle Frauen vom Land, wurde bemängelt. Dies zeige sich auch auf der SBLV-Website, wo rund 80 Prozent der Beiträge Bäuerinnen betreffen würden. Diese Meinung erhielt zustimmendes Gemurmel im Saal. Als Beispiel wurden Versicherungen für Bäuerinnen genannt. Sie seien auf der Website des SBLV Thema. Angebote, die Frauen vom Land und Mütter in Versicherungsfragen beraten, fehlen jedoch.
Barbara Matter, Präsidentin des antragstellenden Vereins, forderte, dass sich der SBLV grundsätzlich die Frage stellen muss: «Welche Frauen wollen wir vertreten?» Sie machte deutlich, dass Bäuerinnen vielfach die Macherinnen in den Vereinen seien, aber auch die Landfrauen sehr viel hineintragen würden. In den Bereichen soziale Medien oder Website seien Frauen vom Land oft stark engagiert.
Frage des Infoflusses
Gabi Schürch wird die Diskussion in den SBLV-Vorstand weitertragen. Es beschäftigt sie, dass die Infos über die Arbeit des SBLV nicht bis zur Basis vordringen, gestand sie. Sie bat um Tipps, wie das geändert werden könnte. Vonseiten des VBL-Vorstands werden die gesammelten Meinungen nun aufbereitet, mit den Meinungen der beiden Co-Präsidentinnen ergänzt und den Berner Vereinspräsidentinnen zugestellt. Dafür wurde ein Zeitrahmen bis Ende Jahr in Aussicht gestellt. Ob die Diskussion einen weiteren Antrag zuhanden der VBL‑Delegiertenversammlung nach sich ziehen wird, wird sich im Frühling zeigen.

